4.000 Minuten göttliche OperLa Divina - Maria Callas
Maria Callas war in ihrer Bestzeit von 1951 bis 1959 der Inbegriff für jene Art Opernsängerin, die in ihren Rollen derart aufging, so dass Zeitzeugen von der Verschmelzung der Realität mit großer Opernkunst und Schauspiel berichteten. Das kann man jetzt nachhören.
Auch 30 Jahre nach ihrem Tod müssen sich Star-Sopranistinnen wie die Russin Netrebko mit Maria Callas vergleichen lassen – insbesondere dann, wenn Werke wie "La Traviata" eingespielt werden. Die Callas gilt als die bedeutendste Opernsängerin der Welt und ist folglich Maßstab all ihrer ambitionierten Nachfolgerinnen geworden.
Zu Lebzeiten war der Callas der Triumph vergleichsweise kurz beschieden, mit nur 53 Jahren ist die US-Amerikanerin griechischer Herkunft gestorben. Rund um ihren 30. Todestag sind neue-alte Vermutungen aufgetaucht, die sich mit der wahren Ursache ihres plötzlichen Todes im September 1977 beschäftigen. So ist u. a. von Mord die Rede, um ihr stattliches Vermögen nicht dem Musikerheim in Mailand zukommen zu lassen. Andere nehmen es – auch 40 Jahre später noch – dem Reeder Onassis übel, dass er Maria möglicherweise über den Gram ihrer verlorenen Liebe in den Tod getrieben haben möge. Aber wie auch immer: Solche Nachrichten sind "good news", wenn es um das Wiederauflebenlassen eines Stars geht. Im Falle von Maria Callas ist dies eine passende Gelegenheit auf ihr Talent, ihre (Ausdrucks-)Kraft und ihren nachhaltigen Einfluss in der internationalen Opernwelt hinzuweisen. Insofern: uns sind diese Nachrichten sehr recht, wenn sie dazu führen, dass Sie sich – lieber Leser – wieder dem Phänomen Callas widmen.
Maria Callas war in ihrer Bestzeit von 1951 bis 1959 der Inbegriff für jene Art Opernsängerin, die in ihren Rollen derart aufging, so dass Zeitzeugen von der Verschmelzung der Realität mit großer Opernkunst und Schauspiel berichteten. Nur zu schnell hat ihre Ausnahmestimme aber an ihrer ursprünglichen Kraft verloren. Erhalten bleiben uns daher neben den persönlichen oder medialen Erinnerungen vor allem ihre zahlreichen Bühneneinspielungen auf Vinyl und CD. Sämtliche Studio-Aufnahmen der Callas sind nun von EMI Classic in einer Box mit 70 (!) CDs zusammengefasst. Von 1949 bis 1969 reichen die Einspielungen, die gewissermaßen die Blaupause für Opernsängerinnen ihrer Zeit darstellten und es bis heute noch sind. Aufnahmen wie die "Tosca" oder "La Traviata" machen einmal mehr deutlich, warum Maria Callas die Göttliche, La Divina, genannt wurde. Dabei überzeugt sie selten mit gesanglicher Perfektion, vielmehr bezaubert sie durch ihre Hingabe, ihre Lebensfreude und ihr tief empfundenes Leid, dass sie so eindrücklich all ihren Rollen einhauchen konnte.
Auf den CDs erlebt man Maria Callas in ihrer frühen Zeit, in ihrer besten Phase aber auch zum Ende ihrer Karriere. Die Studio-Aufnahmen überzeugen mit hoher Tonqualität. Einige Opern wurden für diese Sammlung digital ge-remastered. Auf den CDs sind alle großen Werke der italienischen und französischen Maestri zu finden, die zudem mit den jeweils größten Dirigenten und Opernpartnern der Zeit eingespielt wurden. Die "La Traviata" ist natürlich dabei, die "Medea" und auch erste Rezitale, in denen ihr Talent zum ersten Mal bei Wagner und Bellini zum Vorschein kam. Die "Tosca" ist gleich zweimal enthalten. CD 10 und 11 warten mit der Aufnahme an der Scala und dem großartigen Tenor Giuseppe di Stefano auf. Auf den CDs 65 und 66 ist die Callas mit Tito Gobbi in Paris zu hören. Die Sammlung schließt mit Verdi-Arien (Disc 67) und Raritäten mit Mozarts "Don Giovanni" und Donizettis "Lucrezia Borgia". In der Box findet sich ein Booklet mit einer kompletten Auflistung der Opern und Rezitale. Die 70. CD enthält die Libretti und ausgewählte Fotos der Callas.
"The Complete Studio Recordings" ist eine unverzichtbare Kollektion für Callas-Fans und umfasst ca. 4.000 Minuten wahres Opernvergnügen.
Doren Pick
"The Complete Studio Recordings. Maria Callas”, EMI Classics, CD-Box mit 70 CDs, 89,90 Euro