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Neuer Elsberg-Thriller "Gier" Wohlstandsformel ruft Mörder auf den Plan

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In Elsbergs neuem Thriller ist der soziale Frieden akut in Gefahr.

(Foto: picture alliance / dpa)

Die Weltwirtschaft steht vor dem Kollaps. In Berlin fliegen Molotowcocktails, gleichzeitig suchen Politiker bei einem Sondergipfel nach Lösungen. Wie kann eine globale Finanzkrise verhindert werden? Ein Nobelpreisträger hat eine Idee. Doch dann passiert ein Mord.

Die Welt gleicht einem Pulverfass: Hunderttausende Menschen protestieren auf den Straßen gegen Massenarbeitslosigkeit, neue Sparpakete zur Bankenrettung und Hunger. "Stoppt die Gier" und "Tod dem Kapitalismus" ist auf ihren Transparenten zu lesen. Staaten und Unternehmen gehen bankrott, es droht eine Wiederholung der Finanzkrise von 2008. Allerdings mit weitaus fataleren Folgen.

Dieses düstere Szenario nimmt Marc Elsberg zum Ausgangspunkt für seinen neuen Roman "Gier. Wie weit würdest du gehen?". Nach seinen Science-Thrillern über einen europaweiten Stromausfall ("Blackout"), den Umgang mit Daten ("Zero") und Genmanipulation ("Helix") widmet sich der österreichische Autor dieses Mal einem gesellschaftspolitischen Thema: der wachsenden Ungleichheit zwischen Arm und Reich.

Sein aktueller Thriller spielt in Berlin. Die Hauptstadt gleicht einem Kriegsschauplatz: Flaschen fliegen, Molotowcocktails explodieren, überall brennt es, Rauch wabert durch das Regierungsviertel. Während sich die Lage zwischen Demonstranten und Polizisten zunehmend verschärft, treffen sich führende Politiker, Banker und Unternehmensbosse im Schloss Charlottenburg zu einem Sondergipfel. Sie suchen nach einer Lösung, um die Weltwirtschaft vor dem kompletten Zusammenbruch zu retten und den sozialen Frieden wiederherzustellen.

Kooperation statt Wettbewerb

Eine Lösung könnte Nobelpreisträger Herbert Thomson anbieten, der als Redner zu den Gipfelteilnehmern sprechen soll. Doch dazu kommt es nicht. Auf dem Weg zum Tagungsort verunglücken er und sein Assistent tödlich mit dem Auto. Was nach einem Unfall aussieht, ist in Wahrheit Mord. Das allerdings weiß nur Pfleger Jan, der zufällig am Tatort ist.

Der einzige Zeuge wird schnell zur Zielscheibe. Zum einen trachtet ihm ein Trupp Hulk-ähnlicher Security-Typen nach dem Leben. Zum anderen wird er von der Polizei gesucht, da die Beamten seine Aussage für unglaubwürdig halten. Jan hat nur eine Wahl: Er muss die Hintergründen der Tat verstehen, um seine Unschuld beweisen zu können.

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Die letzten Worte des sterbenden Assistenten führen ihn zu Fitzroy, seines Zeichens Spieler und Ex-Investmentbanker. Gemeinsam kommt das ungleiche Duo dem Grund für den Mord auf die Spur: einer auf den ersten Blick schlichten Bauernfabel. Doch sie birgt ein Konzept, das "unsere herrschenden Gesellschafts- und Wirtschaftskonzepte in ihren Grundfesten" erschüttern könnte, so Fitzroy, denn "wer richtig gierig ist, muss den anderen etwas geben". Thompson und sein Assistent haben den mathematischen Beweis dafür entwickelt, dass nicht Wettbewerb, sondern Kooperation zu Wohlstand führen kann, der allen Menschen zugutekommt.

Wie auch schon bei seinen vorherigen Romanen lässt Elsberg ein umfangreiches Personal auflaufen, um sein Thema aus unterschiedlichen Positionen zu beleuchten. Dieses Mal bilden die Figuren unter anderem die verschiedenen Pole des monetären Spektrums der Gesellschaft ab: vom Milliardär, der sich auf Neuseeland ein gesichertes Anwesen mit Bunker inklusive "allem anderen notwendigen Armageddon-Luxuspipapo" leistet, bis zur Großmutter einer Aktivistin, deren Rente kaum für ein würdevolles Leben reicht.

Ein Manko und ein Trumpf

Der Thriller hat viele action- und spannungsreiche Elemente, Jan und Fitzroy geraten in schmerzhafte Schlägereien und liefern sich wilde Verfolgungsjagden über die Dächer Berlins. Natürlich springen sie dem Tod mehrmals nur knapp von der Schippe. Denn die Verfolger sind zwar Profis, die Verfolgten aber so verzweifelt wie clever.

Ins Stocken gerät der Plot allerdings ab dem Moment, als Elsberg den theoretischen Überbau seiner Geschichte einführt. Anhand von teils arg konzipiert wirkenden Dialogen handelt er Kelly-Kriterium, komparativen Vorteil und Subsidiaritätsprinzip ab. Gleichzeitig kann er hier aber auch seinen Haupttrumpf ziehen: Er versteht es, komplexe Fakten und Zusammenhänge so herunterzubrechen, dass sie auch für Laien verständlich werden.

Quelle: n-tv.de

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