Kino

Wer braucht schon "Avatar"? "Alita: Battle Angel" setzt Maßstäbe

Was kommt raus, wenn sich "Sin City"-Kultregisseur Robert Rodriguez in Blockbuster-Gefilden austobt? Die Manga-Verfilmung "Alita: Battle Angel" mit Christoph Waltz und Rosa Salazar als Cyborg-Amazone. Und ein Animationsfeuerwerk, bei dem sogar "Avatar" sein blaues Wunder erlebt.

Das kann irgendwie auch nur jemand wie James Cameron bringen. Pi mal Daumen 20 Jahre lang plante er, die Manga-Serie "Battle Angel Alita" des Japaners Yukito Kishiro irgendwann einmal auf die Leinwand zu bringen. Doch weil ein Starregisseur wie er ja nicht für alles Zeit hat, trat er die Regie mal eben ab, als sich die Pläne für die Verfilmung vor ein paar Jahren konkretisierten. Schließlich arbeitet Cameron gerade an schlappen vier Fortsetzungen seines Jahrhundert-Werks "Avatar". Da muss man Prioritäten setzen.

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Als Mitproduzent blieb Cameron "Alita: Battle Angel", wie die Kino-Adaption der Comics nun heißt, erhalten. Im Regiestuhl nahm dagegen jemand Platz, den man bei einem Superhelden-Blockbuster-Spektakel dieser Art dort erstmal nicht erwartet hätte: Robert Rodriguez, Quentin-Tarantino-Kumpel und bislang Spezialist für Haudruff-Streifen mit Kult-Ambitionen wie "Desperado", "From Dusk Till Dawn", "Machete" oder "Sin City". Schätzungsweise 200 Millionen Dollar soll "Alita: Battle Angel" gekostet haben. So viel hat Rodriguez definitiv noch nie für einen Film verballert.

"Das war schon sehr surreal"

Doch der finanzielle Einsatz hat sich zumindest optisch gelohnt. So sehr, dass sogar die blauen Männchen aus dem mittlerweile auch schon wieder zehn Jahre alten "Avatar"-Original mit ihren spitzen Ohren wackeln dürften. Rodriguez tobt sich mit allen Mitteln der aktuell möglichen Animationskunst auf der Leinwand aus, dass es scheppert. Hauptdarstellerin Rosa Salazar - bislang vor allem aus TV-Serien, den "Maze Runner"-Filmen und dem Netflix-Erfolg "Bird Box" bekannt - ist dabei als Cyborg Alita kaum noch wiederzuerkennen, so sehr haben sie die Motion-Capture-Tüftler mit ihrem Manga-Charakter verschmolzen.

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Rosa Salazar als Alita nach dem Waschgang im Computer.

(Foto: Twentieth Century Fox)

"Das Tolle an diesem Verfahren ist: Mein Körper aus Fleisch und Blut mag zwar nicht auf der Leinwand erscheinen, aber mein Schauspiel schon. Das kann man alles sehen", zeigt sich Salazar im Gespräch mit n-tv.de dementsprechend begeistert. Gleichwohl fühlte es sich für sie durchaus schräg an, sich so im Film zuzugucken. "Das war schon sehr surreal. Ja, ich habe meine Performance erkannt - wie ich laufe, spreche, atme oder schaue. Aber es war, als würde ich meinem Zwilling zusehen", so die Schauspielerin.

Rasant und emotional

Nun mögen manche wieder daran rummäkeln, dass der Geschichte der Tiefgang fehlt, die Technik die Handlung erstickt und alles nur allzu großer Hollywood-Budenzauber ist. Doch auch und gerade im Vergleich zu so manchem x-ten Superhelden-Aufguss der vergangenen Jahre kann sich "Alita: Battle Angel" nicht nur sehen lassen. Der Film setzt dank seiner optischen Opulenz und Rasanz, seines Casts inklusive Christoph Waltz als Cyborg-Doc Dyson Ido und seiner durchaus emotionalen Erzählung Maßstäbe, auch wenn es in der Handlung vor allem zum Schluss hin schon ein wenig drunter und drüber geht.

Und die geht so: 300 Jahre nach einem verheerenden Krieg zwischen Menschen und Außerirdischen ist die Erde im Jahr 2563 eine postapokalyptische Trümmerlandschaft und die Stadt Iron City ein Hort von Gewalt, Intrigen und Kriminalität. Einzig die Himmelsstadt Zalem, die am Firmament thront, scheint eine paradiesische und zugleich für die Erdenbewohner schier unerreichbare Zuflucht zu sein. Für sie und ihre Eliten schuften die Menschen in Iron City.

Nicht irgendein Cyborg

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In Iron City gibt es wirklich finstere Gestalten.

(Foto: Twentieth Century Fox)

Eines Tages fischt Dr. Dyson Ido die Überreste eines weiblichen Cyborgs aus dem Müll, der beständig von Zalem auf die Erde herniederprasselt. Mensch-Maschinen wie diese waren es, die einst als Krieger gegen die Erde eingesetzt wurden. Ido verpasst seinem Fund einen neuen Körper, haucht ihm Leben ein und gibt ihm einen Namen: Alita. In ihrem neuen Alltag findet sich Alita zwar alsbald zurecht, doch ihre Erinnerungen an die Vergangenheit wollen erst einmal nicht so recht zurückkehren.

Alita verliebt sich in den auf den Straßen von Iron City umtriebigen Hugo (Keean Johnson), steigt zur Ikone beim "Motorball" - dem brutalen Gladiatoren-Trendsport des 26. Jahrhunderts - auf und macht sich alsbald daran, den finsteren Gestalten in Iron City die Stirn zu bieten. Doch damit zieht sie nicht nur die Aufmerksamkeit der Kleinkriminellen auf sich. Schließlich wird rasch klar, dass Alita nicht irgendein Cyborg ist ...

Waltz als Wiederholungstäter?

Sollte "Alita: Battle Angel" die Erwartungen an den Kinokassen erfüllen, ist ein Sequel wohl schon programmiert, es müssen ja nicht gleich vier Fortsetzungen werden. Wie bei seinem Dauer-Mentor Tarantino würde Waltz dann womöglich in Kooperation mit Rodriguez zum Wiederholungstäter, auch wenn er die beiden Regisseure nicht in einen Topf geschmissen wissen möchte.

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Christoph Waltz gibt den Cyborg-Doc Dyson Ido.

(Foto: Twentieth Century Fox)

"Mitnichten", antwortet er n-tv.de auf die Frage, ob Tarantino und Rodriguez denn für ihn irgendwie vergleichbar seien. "Das ist ersichtlich aus dem, was sie machen." Es sei doch "schön", dass die beiden miteinander befreundet seien. "Aber daraus ergibt sich keine Schule der Filmkunst", erklärt Waltz.

Gleichwohl wäre nichts dagegen einzuwenden, wenn "Alita: Battle Angel" Schule machen würde. "Der Herr der Ringe"-Regisseur Peter Jackson hat mit dem von ihm produzierten Steampunk-Epos "Mortal Engines: Krieg der Städte" gerade eine brachiale Bruchlandung hingelegt. Vieles von dem, was hier falsch gemacht wurde, macht Rodriguez bei dem vom Genre her nicht unähnlichen "Alita: Battle Angel" richtig. Es wäre schade, wenn diese Schlacht bereits mit einem Film geschlagen wäre.

"Alita: Battle Angel" läuft ab dem 14. Februar in den deutschen Kinos.

Quelle: n-tv.de

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