Kino

Über Veggies und Weihnachten "Bin ich scharf?" fragt sich Jella Haase

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Komm doch mal näher ran!

(Foto: Port au Prince Pictures)

"Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne" wusste schon Hermann Hesse - getreu diesem Motto (von dem sie natürlich noch nie was gehört haben) verbringen vier Jugendliche das Jahresende in der Psychatrie. Und Jella Haase ist ganz "unchantallig".

Weihnachten: das Fest der Liebe und die Zeit der Harmonie und Geborgenheit. In vier Familien jedoch eskaliert die Situation und kurz vor Weihnachten spitzen sich die Konflikte derart zu, dass vier - sehr unterschiedliche - Jugendliche daraufhin Heiligabend in der Psychiatrie verbringen müssen. Zu ihrem Glück steht ihnen der unkonventionelle Arzt Dr. Wolff zur Seite, der in allen vier ihre Stärken sieht und ihnen mehr zutraut als sie sich selbst. Gemeinsam erleben sie ein Weihnachten, das sie nie vergessen werden - voller Trotz und Traurigkeit, aber auch voller Ironie und Überraschungen.

Mit "4 Könige" erzählt Theresa von Eltz die einfühlsame Geschichte von vier Heranwachsenden, die ihre Rolle in der Welt erst noch finden müssen. Sie nimmt die Perspektive ihrer Protagonisten ernst und begegnet ihnen mit Charme und Ironie. "4 Könige" lebt aber vor allem von seinen jungen Hauptdarstellern: Jella Haase ("Fack ju Göthe") Jannis Niewöhner ("Ostwind"), Paula Beer ("Das finstere Tal") und Moritz Leu. Von Eltz versammelt damit einige der besten Schauspieler ihrer Generation und ergänzt sie mit "alten Hasen" wie Clemens Schick ("James Bond - Casino Royale", "Das finstere Tal") und Anneke Kim-Sarnau ("Honig im Kopf") zu einem erstklassigen Ensemble.

Jella Haase hat sich im vorweihnachtlichen Trubel Zeit genommen, um mit n-tv.de über - sagen wir es ruhig: Gott und die Welt - zu plaudern.

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"Ganz nett" beschreibt Jella Haase nicht annähernd.

(Foto: imago/APress)

"Bin ich scharf" fragst du gleich am Anfang des Films - hübscher Einstieg. Und? Bist du scharf?

Schaaaarf, hm, also, das ist schon ein komisches Wort. Ich glaube, dass ich schon Glück habe. Ich habe ein gesundes Körperbewusstsein und bin aber kein Mensch, der sich übermäßig toll findet. Ich sehe mich eher kritisch, aber ich versuch auch, mir nicht zu viele Gedanken darüber zu machen. Für die jungen Mädchen ist das ganz wichtig, die auch viel "Chantal" in mir sehen: Es ist okay, wie du bist, man muss nicht perfekt sein.

Was ist an dir denn nicht perfekt, deiner Meinung nach?

Ich hab' zum Beispiel nicht so die perfekte Nase. Aber ich habe jahrelang ein schönes Körperbewusstsein vermittelt bekommen, von meinem Freund und durch meine Eltern auch. Wir sind da sehr frei in unserer Familie.

Gilt das denn, wenn Eltern so was sagen? Wenn ich meinen Töchtern sage, dass sie schön sind, dann lachen sie und sagen: "Du musst uns ja auch schön finden, du bist unsere Mutter!"

Meine Mutter ist sehr kritisch, aber mein Vater hat immer gesagt: "Mensch Jella, Männer mögen, wenn sie was anfassen können!" Aber das meinte er ganz ehrlich, wirklich, nicht auf so 'ne machohafte Art! Als Mädchen hat man es aber tatsächlich nicht so leicht, finde ich, unterbewusst herrscht da ein immenser Druck, dünn zu sein und immer toll auszusehen. Mein Freund mag mich am liebsten, wenn ich pur bin, ohne Parfüm und ohne Schminke …

… also die Anti-Chantal …

… ja, er findet das entfremdend. Das ist auf der einen Seite ganz schön, aber wenn ich mich total super finde, in einem wunderschönen Outfit auf einer Premiere oder so, dann sagt er eben nur: "Ja, ganz nett." (lacht)

Aber besser so als andersrum, oder? Wenn du eine Naturschönheit bist, dann brauchst du den ganzen Krempel eben nicht …

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Die vier Könige - läuft jetzt nicht sooo super für die Jugendlichen ...

(Foto: Port au Prince Pictures)

Ja, klar, aber manchmal ist es trotzdem komisch.

Viel schlimmer ist es doch, wenn andere Frauen sich das Maul zerreißen: "Die könnte sich ruhig mal schminken" ...

Ja, ist schon richtig ...

Ist denn noch ein bisschen Chantal in deiner jetzigen Rolle "drinne"?

Ich find' gar nicht, dass die Lara viel von Chantal hat, ich differenzier' das schon. Beide Rollen sind natürlich vorlaut und nicht auf den Mund gefallen, ja, das schon, aber ich finde nicht, dass man die miteinander vergleichen kann. Wir haben ganz extremes Coaching gehabt, um uns wirklich tiefenpsychologisch in die Rollen hineinversetzen zu können.

Was heißt das für so eine Rolle?

Wir sind mehr ins Detail gegangen als sonst, wir haben für unsere Personen richtige Biografien erstellt. Und mit dem Background haben wir immer wieder geprobt. Da ist gar nichts Chantalliges dran, nee. Die Rolle der Lara wird dem Zuschauer nicht so auf dem Silbertablett serviert, das find' ich gut! Wir zeigen nicht mit dem Finger auf alles, sondern lassen die Geschichte sich entwickeln.

Der Film ist sehr ruhig und langsam, ganz unhektisch geschnitten … Für wen ist der Film?

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Ein Herz und eine Seele: Mit Paula Beer als Alex.

(Foto: imago/Future Image)

Ich denke, für alle! Alle Altersstufen. Für alle, die ein bisschen reflektieren wollen. Über sich, über Weihnachten, die bereit sind, Dinge zu hinterfragen. Der Film zielt ja nicht darauf ab, ein großer Publikumskracher zu werden, das muss er auch gar nicht. Das ist eine Geschichte, die das Recht hat, erzählt zu werden. Solche Filme sind was ganz Besonderes.

Nach einem Publikumskracher wie "Fack ju Göhte 2" hattest du sicher auch Lust, wieder was anderes zu machen, oder?

Ja, auf jeden Fall. Aber ich habe vor "Göhte" schon oft so kleinere Filme gemacht, die immer wahnsinnig intensiv waren. Das ist eigentlich eher mein Genre. "Fack ju Göthe" war also die Ausnahme, nicht dieser Film jetzt. Ich bin jetzt wieder auf meinem gewohnten Terrain! (lacht)

Was ist dir lieber?

Mit ist am wichtigsten, eine Geschichte zu erzählen, die sonst niemand erzählt. Und dass die Rollen interessant sind. Und die Geschichte muss stimmen.

Die Elternfiguren in dem Film kommen nicht gut weg – trotzdem hast du "deine Eltern" lieb. Die haben in mir das kalte Grausen ausgelöst …

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(Foto: Port au Prince Pictures)

Ja, klar, das wird im Film natürlich auch nicht so abschließend erörtert, aber es gibt ja Gründe, warum die so sind, wie sie sind. Der Tod des Bruders zum Beispiel war für die ganze Familie ein alles verändernder Moment und keiner hat es überwunden. Und trotzdem erinnert sich Lara noch an Momente, die schön waren, wie früher zum Beispiel der Tannenbaum gerochen hat und so etwas. Ich finde, man kann nachvollziehen, dass es Momente im Leben einer Familie gibt, die sie so entzweien, dass man der Situation nicht mehr Herr wird.

An diesem Heim-Ort zu drehen war sicher auch nicht so einfach …

Wir sind schnell aneinander gewachsen und haben uns Halt gegeben. Wir sind auf die Kirmes gegangen, haben zusammen gegessen, es war total schön.

Das Mädchen mit dem Trikot als Nachthemd - du - und das Mädchen mit dem Blumennachthemd - Alex: wie können die Freunde werden?

Man will ja immer das haben, was man nicht hat oder ist, denke ich. Lara fordert viel, bekommt viel, aber umgekehrt ist das dann eben auch so. Die helfen sich gegenseitig. Und eine Alex hat geschnallt, dass eine Lara nach dem Prinzip "Ich beleidige lieber dich, bevor du mich beleidigst" funktioniert. Deswegen kann sie mit ihr umgehen, nachdem sie das verstanden hat. Man will Anerkennung, und am liebsten von jemandem, der total anders ist als man selbst.

Es geht auch um Weihnachten – was bedeutet das für dich?

Ich freu' mich sooooo sehr! Gerade nach so einem Film kann man noch viel mehr schätzen, wie gut man es hat. Weihnachten ist für mich so ein Ruhepunkt. Ständig verändert sich alles, aber Weihnachten bleibt, wie es ist. Bei Oma gibt’s Kartoffelsalat mit Würstchen und dann Bescherung und am Abend gibt’s ein Besäufnis, dann Wichteln, und am zweiten Weihnachtsfeiertag gibt’s Gänse und Klöße ... obwohl, ich bin ja Vegetarierin.

Du isst also Klöße und Rotkohl und Soße.

Genau. Oder ein vegetarisches Schnitzel. Ich habe da so Sehnsucht nach.

Wie lange bist du schon Vegetarierin?

Seit neun Jahren. In der Schule haben wir einen Film geguckt und dann ist meine Erkenntnis gereift, dass ich das nicht mehr brauche. Und dass es nicht mehr tragbar ist, wie mit Lebewesen umgegangen wird. Wir müssen doch auch nicht jeden Tag Fleisch essen, oder!!? Das würde der Umwelt und den Menschen gut tun! Es gibt so viele Aspekte, warum ich kein Fleisch mehr esse. Wer sich einen Fisch angelt, bitte, oder sein Huhn selbst erschlägt, okay.

Das klingt streng …

Nein, ich meine, es geht um die Verhältnismäßigkeit. Weißt du, wenn den Küken bei lebendigem Leib der Kopf abgeschreddert wird, dann vergeht einem doch alles. Ich finde auch, dass so ein Döner lecker riecht, aber ich bin noch ein viel größerer Tierfreund (lacht).

Was sind deine nächsten Pläne?

Ach, nach den "4 Königen" erstmal ein bisschen entspannen und gucken, was das neue Jahr so bringt.

Mit Jella Haase sprach Sabine Oelmann

"Vier Könige" läuft ab dem 3. Dezember in den deutschen Kinos.

Quelle: ntv.de