Kino

"Captain America" und die Feinde im Innern Amerika, mir graut vor dir

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"The Return of the First Avenger" kommt ins Kino - und Captain America und Black Widow müssen an einem Strang ziehen.

(Foto: 2014 Marvel)

"Vertraue niemandem!", sagt Nick Fury im Angesicht des Todes zu Captain America. Ein weiser Ratschlag, denn schon bald muss sich der Superheld vieler Feinde aus den eigenen Reihen erwehren. Aber zum Glück gibt's ja Scarlett Johansson.

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Im "Winter Soldier" erwächst Captain America ein starker Gegner.

(Foto: 2014 Marvel)

Es gab eine Zeit, da waren die großen Hollywood-Blockbuster die pure Unterhaltung. Sicher, man konnte anhand von "Jurassic Park" auch gekonnt über Sinn und Unsinn der Klontechnik diskutieren. Aber unterm Strich wollten dieser und viele weitere Filme vor allem Eins: Die Zuschauer in den Kinosesseln fesseln, sie mit den neuesten Tricks wegblasen, sie zum Lachen und zum Weinen bringen.

Seit dem 11. September 2001, seit den Anschlägen auf das World Trade Center, hat sich das gewandelt. Natürlich gibt es sie trotzdem noch, die leichten Kinoknüller, die Actionfilme und Abenteuerstreifen, die nichts weiter als Ablenkung vom Alltag sein wollen. Doch viele Großproduktionen wollen inzwischen mehr.

Krieg gegen den Terror und Massenüberwachung

"The Return of the First Avenger", wie der zweite Solofilm mit Captain America in Deutschland etwas umständlich heißt, ist so ein Blockbuster. Neben die technisch ausgefeilten Tricks, bei denen nicht an Computerleistung gespart wurde, tritt eine politische Aussage: Es geht um den Krieg gegen den Terror und die uneingeschränkte Überwachung der Bevölkerung, also zwei politische Kernthemen der letzten Jahre.

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Mit neuen Luftgleitern will "S.H.I.E.L.D." dem weltweiten Terror Einhalt gebieten.

(Foto: 2014 Marvel)

Ganz neu ist das natürlich nicht. "Iron Man", auch er ein Superheld aus dem Hause Marvel, kämpfte im fulminanten dritten Teil der Reihe gegen den Mandarin, der sich als kleiner Bruder von Osama bin Laden gerierte. Auch das hatte - inklusive der überraschenden Wendungen des Films - einen politischen Unterton.

Nun ist es also an Captain America, sein drittes Abenteuer zu bestehen - und gleichzeitig das Marvel Kino-Universum ein Stückchen weiter zu drehen. Wobei der Supersoldat erneut weitaus bodenständiger und realistischer erscheint als seine Kollegen von den Avengers. Während "Iron Man" von seiner finanziellen und technischen Unabhängigkeit profitiert und Gottheit Thor durch die Dimensionen und Welten jagt, bleibt Captain America der brave Soldat, der in einer bescheidenen Wohnung wohnt und die Aufträge seiner Dienstherren erfüllt.

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Vor allem der erste Teil des Films besticht durch klassische Kampfszenen ohne viel Tricktechnik.

(Foto: 2014 Marvel)

Im ersten Teil ging es noch darum, die von Chris Evans dargestellte Figur einzuführen, ihre Vorgeschichte zu erzählen und seinen Erzfeind "Red Skull" zu besiegen. In "The Avengers" kämpfte er bereits an der Seite seiner Superhelden-Kollegen gegen eine außerirdische Invasion. Zu Beginn des neuen Films ist er nun Soldat der von Nick Fury (Samuel L. Jackson) geführten Sonderdivision "S.H.I.E.L.D.". Als ein Schiff der Organisation von Piraten entführt wird, soll er es befreien, zusammen mit Superagentin Natasha Romanoff alias Black Widow (Scarlett Johansson), der im Film die undankbare Rolle des Sidekicks zufällt.

Erinnerungen an einen alten Freund

Doch bald merken Captain America und Black Widow, dass mehr hinter der Entführung steckt, als ihnen erzählt wurde. Dieser Eindruck verstärkt sich, als Nick Fury das neueste Projekt von "S.H.I.E.L.D." enthüllt: Riesige Fluggleiter sollen der Welt Ruhe und Ordnung bringen. Forciert wird der Plan von "S.H.I.E.L.D."-Einsatzleiter Alexander Pierce (Robert Redford). Fury dagegen ist skeptisch - und zahlt einen hohen Preis, denn er stirbt bei einem Attentat. Auch Captain America und Black Widow werden angegriffen. Auf sich allein gestellt versuchen sie, der Verschwörung auf die Spur zu kommen - und Captain America beginnt daran zu zweifeln, ob er für die richtige Sache, für das richtige Amerika kämpft. Und dann stellt sich ihm auch noch ein starker Gegner in den Weg: Der Winter Soldier (Sebastian Stan), der bei Captain America Erinnerungen an einen alten Freund heraufbeschwört.

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Alexander Pierce (l.) ist der neue starke Mann bei "S.H.I.E.L.D.".

(Foto: 2014 Marvel)

Robert Redford und Verschwörung? Da war doch was. Richtig: In "Die drei Tage des Condor" war es der Ausnahmeschauspieler, der einer Intrige in der CIA auf die Spur kam, in "Die Unbestechlichen" deckte er als Journalist die Watergate-Affäre auf. Dass er nun in einem Comic-Action-Blockbuster ist nicht verwunderlich, sondern nur logisch. Denn die Regisseure, die Brüder Anthony und Joe Russo, wollten in den Blockbuster bewusst Elemente der Politthriller aus den 70ern einflechten, sie wollten eine kalte Welt darstellen, in der man niemandem trauen kann. Diese Anzeichen sind unübersehbar: Kampf gegen den Terror hier, Überwachungsstaat da und mittendrin zwei Superhelden, die sich gegen Feinde auch aus den eigenen Reihen wehren müssen. Unterstützung erhalten sie nur von zwei Agentinnen (die Serienstars Cobie Smulders und Emily VanCamp) sowie von Sam Wilson (Anthony Mackie), der als Falcon ungeahnte Flugkünste offenbart.

Chris Evans bleibt in dieser Schauspielerriege leider etwas blass. Er hat eben weder das Charisma von "Iron Man" Robert Downey Jr. noch die physikalische Präsenz von "Thor" Chris Hemsworth. Er profitiert vielmehr von der wesentlich präsenteren Scarlett Johansson, die erneut mit viel Charme und Schlagfertigkeit zu überzeugen weiß. Das zahlt sich aus: Black Widow soll demnächst einen eigenen Film bekommen. Zumindest gibt es entsprechende Planungen des Studios.

Fäuste fliegen, Knochen krachen

Black Widow bereichert den Film aber nicht nur durch ihre Präsenz, sondern auch durch ihre Nahkampferfahrung. Denn trotz des politischen Überbaus kracht es natürlich auch in diesem Film wieder ordentlich. Vor allem der erste Teil des Films überzeugt dabei durch erfrischende, toll choreographierte Zweikämpfe, in denen Beine und Fäuste statt Granaten fliegen. Die Kamera bleibt nah dran am Geschehen und verleiht den Szenen - vor allem jenen auf dem Schiff und in einem Fahrstuhl - eine ungeheure Dynamik. Diese altmodisch anmutenden Kämpfe sind eine höchst willkommene Abwechslung zum Computertrick-Gewitter, das im weiteren Verlauf des Films mehr und mehr Platz einnimmt.

Trotz dieser Kampfszenen, trotz der hintergründigen, wendungsreichen Handlung - während der der strahlende Held die dunkle Seite seines geliebten Heimatlandes kennenlernt - und auch trotz Robert Redford ist "The Return of the First Avenger" nicht der beste Film aus der Marvel-Schmiede. Dafür sind der erste und zweite Teil zu unterschiedlich. Die Regisseure schaffen es nicht, politische Nachdenklichkeit und bombastische Action in eine einheitliche Form zu gießen. Zudem bleibt der ironische Humor - ansonsten ein Markenzeichen vieler Comic-Verfilmungen - auf der Strecke. Vielleicht ist Captain America in seinem blau-weiß-roten Anzug als Symbol von amerikanischer Freiheit und Übermacht einfach zu patriotisch für solche Witze.

"The Return of the First Avenger" startet am 27. März in 2D und 3D in den deutschen Kinos.

Quelle: ntv.de