Kino

Wenn das Money Monster zuschlägt Clooney - tanzen muss er nicht unbedingt

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Patty (Julia Roberts) versucht, einen kühlen Kopf zu bewahren.

Öfter mal auf das eigene Bauchgefühl verlassen, wenn nicht sogar auf den eigenen Verstand - das wäre doch mal wieder was, oder? Hat sich auch Jodie Foster gedacht und einen guten Film mit George Clooney und Julia Roberts gedreht.

Ich dachte mir nach der Pressevorführung: Endlich mal wieder ein Film, der mit George Clooney in der Hauptrolle Sinn macht - zu doof oder nichtssagend fand ich ihn in den letzten Jahren. Dann wollte ich mir konkret Gedanken machen über seine letzten Rollen, die ich so nichtssagend fand - und mir fiel gar nichts ein! George Clooney war eigentlich nur noch der Mann neben Amal, der Besserwisser, der unserer Kanzlerin sagt, wie sie es mit den Flüchtlingen zu handhaben hat und der Typ, der irgendwie politisch ambitioniert wirkt, man aber nicht genau weiß, ob auch das nur eine Rolle ist. Natürlich war er in den letzten Jahren zu sehen: in "Gravity" (2013), "Monuments Men (2014), "A World Beyond" (2015), "Hail Caesar!" (2016). Hab' ich aber irgendwie vergessen.

Nun ist er wieder da. Und zwar so, dass ich mir den Mann wieder schöngeguckt habe. Mal abgesehen davon, dass er zu Beginn recht lustig mit dem Hintern wackelt (tanzen sollte nicht seine Haupteinnahmequelle werden), ist es ihm gelungen, seiner Rolle eine wirkliche Ernsthaftigkeit zu verleihen. Von der Oberflächlichkeit, die ein Fernseh-Moderator auf der Bildfläche ausstrahlen mag, zum verzweifelten, verständnisvollen Mann entwickelt Clooney sich durchaus glaubhaft. Er spielt den ebenso erfolgreichen wie eitlen und - zumindest auf den ersten Blick - oberflächlichen Moderator Lee Gates, der mit seiner Finanzshow "Money Monster", in der er Anlegern heiße Tipps gibt, vor allem selbst reich geworden ist. Ihm zur Seite steht seine Produzentin Patty (Julia Roberts) - die Frage ist, wie lange noch. Denn mit Lee zu arbeiten - und dadurch eben auch sehr viel Lebenszeit miteinander zu verbringen - ist ja nicht immer einfach.

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Lee ist nicht unbedingt immer der Gewinner.

(Foto: Sony)

Als der wütende Geldanleger Kyle (Jack O'Connell) nun schwer bewaffnet in die Show stürmt, behält Patty jedenfalls die Nerven und bleibt auf Sendung. Lee wird zur Geisel des Mannes, der durchzudrehen droht und das aus gutem Grund: Lees Tipps haben ihn um sein Vermögen gebracht - alles, was er hatte. Das mag gar nicht mal so viel sein für einen wie Lee, für Kyle jedoch war es alles! Dieser trachtet nun nicht nur nach Rache und vielleicht auch Geld, er will vor allem eines: er will Antworten. Die kann er jedoch nicht von Lee bekommen, denn dass dieser im Fernsehen falsche Anlagetipps gegeben hat, liegt gar nicht in seinem Ermessen, sondern ist eine viel größere Nummer. Und dafür, warum genau der Aktienkurs eingebrochen ist, fängt sich im Laufe seiner Geiselnahme dann auch der Moderator an zu interessieren.

Georgie zwischen Jodie und Julia

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Clooney und die Regisseurin des Film, Jodie Foster.

(Foto: Sony)

Während also rund um das Studio die Einsatzkräfte des Sondereinsatzkommandos Stellung beziehen, versuchen Lee und Patty, den Geiselnehmer in Schach zu halten und ihn davon zu überzeugen, seine Bombe nicht hochgehen zu lassen - und bei Lee passiert noch etwas: Er entwickelt so etwas wie Verständnis, fast schon Sympathie für den Geiselnehmer. Und noch etwas, etwas lange in Vergessenheit Geratenes, passiert: sein journalistisches Gespür erwacht.

"Money Monster" wurde spannend von Jodie Foster in Szene gesetzt, mit viel Witz und Weitsicht, mit einem lockeren Händchen, das den Hauptdarstellern, die ja auch im echten Leben beste Freunde sein sollen, Raum zur Entfaltung lässt. Und so kann der Zuschauer trotz der Spannung und der Dramatik an einigen Stellen lachen, schmunzeln oder auch mal nachdenklich werden ob der Undurchsichtigkeiten der Finanzwelt. Die Erkenntnis, dass der Mensch - mit Absicht - hinter den meisten Fehlern steht, die andere in den Abgrund stürzen, ist jedoch bitter.

"Money Monster" startet am 26. Mai in den deutschen Kinos.

Quelle: n-tv.de