Kino

"Richtet eure Waffen auf Snow" Ein Hoch auf "Die Tribute von Panem"

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Auf zum letzten Gefecht: Jennifer Lawrence alias Katniss Everdeen.

(Foto: Studiocanal)

Mit "Mockingjay Teil 2" erlebt die Saga über "Die Tribute von Panem" ihr großes Finale. Und eine dramatische Wendung. Die Aussage könnte dabei aktueller kaum sein - auch und gerade nach den Attentaten von Paris.

Wenige Tage nach dem Terror in Paris fällt es schwer, über so etwas Profanes wie einen Kinofilm zu fachsimpeln. Das geht auch den Stars aus "Die Tribute von Panem - Mockingjay Teil 2" nicht anders. Bei der Premiere des Films am Montagabend in Los Angeles wurden alle Interviews abgesagt. Dafür trugen die Schauspieler Schleifen mit den Farben der französischen Flagge am Revers. Und Effie-Trinket-Darstellerin Elizabeth Banks twitterte: "Unsere Herzen sind bei dir, Frankreich, wo wir so viele wundervolle Fans haben."

Doch das Leben muss weitergehen. Und tatsächlich wäre kaum ein Blockbuster geeigneter als das "Panem"-Finale, um den Kino-Alltag nach den Schrecken von Paris wieder aufzunehmen. Klar, der Streifen zeigt jede Menge Gewalt. Es wird gekämpft, geschossen, getötet und gestorben. Szenen, auf die manch einer nach den Bildern aus Frankreichs Hauptstadt womöglich so gar keine Lust hat, auch wenn sie lediglich eine Fiktion aus Hollywood sind. Doch während allzu viele Filme Brutalität und Gemetzel nur sinnlos zelebrieren, bringt "Die Tribute von Panem" eine Botschaft mit. Eine Botschaft, die in diesen Tagen aktueller kaum sein könnte.

Nichts für feuchte Teenager-Träume

Wer hätte das gedacht? Als 2012 mit "The Hunger Games" der erste Teil der Saga in die Kinos kam, herrschte erst einmal Skepsis. Ja, die zugehörigen Romane von Suzanne Collins hatten sich zuvor bereits zu Bestsellern gemausert. Allgemein verortete man sie jedoch im Genre der "Jugendliteratur" - was für Kids halt. Nachdem die "Twilight"-Welle gerade ihrem Leinwand-Höhepunkt und Ende entgegenstrebte, war Schlimmstes zu befürchten: Das "Panem"-Epos würde in die Lücke stoßen und ähnlich pubertär-verkleistert wie der Werwolf-Vampir-Kitsch in erster Linie darauf abzielen, kleine Mädchen glücklich zu machen. Oder traurig. Oder - Mädchen halt - am besten beides.

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"Die Tribute von Panem" machte Lawrence und Liam Hemsworth (l.) zu Stars.

(Foto: Studiocanal)

Doch schon "The Hunger Games" machte klar, dass es in der Welt der Tribute anders zugeht als im Gefilde der Blutsauger und beißwütigen Vierbeiner. Kristen Stewart und Robert Pattinson mögen vielleicht pickligen Teenagern feuchte Träume beschert haben, doch Jennifer Lawrence in ihrer Rolle als Amazone Katniss Everdeen brachte auch gestandene Männer und Frauen zum Schwärmen. Obwohl Gary Ross den Platz im Regiestuhl nach dem Auftakt der Saga räumte und stattdessen Frances Lawrence fortan das Zepter hinter der Kamera in die Hand nahm, wussten auch die Fortsetzungen "Catching Fire" und "Mockingjay Teil 1" zu überzeugen. Gut, manch einer bemängelte im dritten Teil die etwas zu ausgewalzte Handlung und einen Mangel an Geschwindigkeit. Doch selbst diese Kritiker dürften nun mit "Mockingjay Teil 2" versöhnt werden.

Die 76. "Hungerspiele"

Die Revolution strebt ihrem Höhepunkt entgegen. Geführt von den Strippenziehern Alma Coin (Julianne Moore) und Plutarch Heavensbee (der verstorbene Philip Seymour Hoffman in seiner letzten Rolle) stürmen Katniss, Gale (Liam Hemsworth), Finnick (Sam Claflin) & Co in Richtung Kapitol, um ein für alle Mal das Joch der Unterdrückung abzuwerfen. Auch der gehirngewaschene Peeta (Josh Hutcherson) kämpft an der Front - die Frage ist nur, für wen. Für die Ikone des Aufstands, "Spotttölpel" Katniss, indes ist klar, wem all ihr Hass gilt. "Richtet eure Waffen auf Snow", schärft sie ihren Mitkämpfern ein, den skrupellosen Präsidenten Snow zu Fall zu bringen. Der wiederum verwandelt das Kriegsgebiet in eine einzige große Arena - als befänden sich die Aufständischen inmitten der 76. "Hungerspiele". Doch ist wirklich so klar, wo die Fronten verlaufen? Die Geschichte nimmt noch einmal eine dramatische Wendung …

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Vieles in "Die Tribute von Panem" hält der Welt, in der wir derzeit leben, den Spiegel vor. Und vieles lässt sich dabei als Kritik an den kapitalistischen Gesellschaften interpretieren: das Auseinanderklaffen in Arm und Reich, in Dekadenz und Not, in Ausbeuter und Ausgebeutete. Ebenso jedoch wirkt die Geschichte beinahe wie ein Abziehbild der Freiheitskämpfe gegen die Diktaturen auf dieser Welt, wie wir sie auch und gerade beim arabischen Frühling in den vergangenen Jahren erlebt haben.

Dabei bietet die Saga im Subtext auch dem Terror die Stirn. Nicht nur einem Regime wie dem sogenannten "Islamischen Staat" (IS), sondern ebenso seinen Kommandos - indem er falsche Führer entlarvt, Schwarz-Weiß-Denken enttarnt und zeigt, dass eben in Herrgotts - oder Allahs - Namen nicht jedes Mittel recht ist, um die eigenen Ziele zu verfolgen, egal auf welcher Seite man steht. Am Ende ist "Die Tribute von Panem" eine Ode an die Menschlichkeit und die Freiheit. Klar, eine aus Hollywood. Das ist in dieser Vielschichtigkeit jedoch eher erstaunlich als eine Selbstverständlichkeit. Mal ganz zu schweigen davon, dass in der Reihe mal wirklich eine Frau die wahre Heldin ist und nicht nur schmückendes Beiwerk.

Die Macht der Bilder

Über allem schwebt dabei die Medienkritik. Eigentlich eine Kritik, die zunächst vor allem gegen unsere mediengeprägten Industriegesellschaften gerichtet scheint. Wir wissen um die Macht der Bilder nicht erst seit gestern. Wer die Hoheit über sie hat, kann Meinungen beeinflussen. Das ist spätestens seit dem Golfkrieg 1991 klar, in dem die Aufnahmen klinisch reine Militäroperationen statt verheerender Angriffe mit vielen Toten suggerierten. Doch auch die Terroristen von El Kaida oder  dem IS haben das längst begriffen und zur zentralen Strategie erhoben. Es sind die Bilder vom kollabierenden World Trade Center oder den Leichen in Paris, die ihre Saat des Schreckens überall aufgehen lassen.

Natürlich sollte man auf dem Teppich bleiben: Ein Film ist ein Film ist ein Film. Dennoch darf man die "Panem"-Saga an dieser Stelle einmal hochleben lassen. Die Reihe hätte ihr das Vertrauen in Hollywood zurückgegeben, sagte Natalie Dormer, Darstellerin der dauerfilmenden Cressida, bei der Weltpremiere von "Mockingjay Teil 2" in Berlin. Und Sie dürfen an dieser Stelle ruhig einmal uns vertrauen: Gehen Sie ins Kino - es lohnt sich.

"Die Tribute von Panem - Mockingjay Teil 2" läuft ab 19. November 2015 in den deutschen Kinos

Quelle: n-tv.de

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