Film und Serien

Kerkelings Kultfigur im Kino"Horst Schlämmer sucht das Glück" und findet Markus Söder

26.03.2026, 15:19 Uhr img_2916_720Von Nicole Ankelmann
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Auch aufm Deich sucht Horst Schlämmer (Hape Kerkeling) nach Glückseligkeit. (Foto: Leonine Studios / Sandra Hoever)

Horst Schlämmer kehrt nach 17 Jahren ins Kino zurück. Auf der Suche nach dem Glück reist der chauvinistische Chefredakteur vom Grevenbroicher Tagblatt quer durch Deutschland. Dabei taumelt die Kultfigur zwischen Politik, Kirche und Klamauk.

Fast auf den Tag genau 20 Jahre ist es her, dass sich in der Sendung "Hape trifft" die satirische Witzfigur Horst Schlämmer das erste Mal der Öffentlichkeit präsentierte. Hinter der Maskerade des schluderigen Chefredakteurs vom Grevenbroicher Tagblatt verbarg sich der damals 41-jährige Hape Kerkeling, einer der besten Comedians und im gesellschaftspolitischen Sinne stabilsten Persönlichkeiten, die Deutschland bis heute zu bieten hat.

Schnell entwickelte sich der chauvinistische Pornobalken-Träger mit Doppelsteg-Brille und unattraktivem Gebiss zur Kultfigur. Vier Jahre später brachte dieser Erfolg den Film "Horst Schlämmer - Isch kandidiere!" ins Kino. Verrissen von den Kritikern, vom Publikum aber wohlwollend aufgenommen. Immerhin kauften sich 1,3 Millionen Menschen ein Ticket dafür. Trotzdem war danach Schluss mit lustig für Schlämmer.

Nun kehrt Hape Kerkeling unter der Regie von Sven Unterwaldt noch einmal in seiner parodierenden Paraderolle zurück. In der Mockumentary "Horst Schlämmer sucht das Glück" gibt es ein Wiedersehen mit dem trotz aller Makel immer auch sympathischen Trenchcoatträger, auf das sich viele Fans von damals freuen.

Klamauk getarnt als Mockumentary

Der Titel ist unmissverständlich. Seit Covid ist die Stimmung im Land mies, und auch in Horst Schlämmers Stammkneipe "Der Wilddieb" ziehen die letzten verbliebenen Gäste ein langes Gesicht. Der Umsatz stimmt nicht mehr, der Laden muss schließen. Was nun? So kann es nicht weitergehen, findet Horst und beschließt, das Glück zu suchen. Irgendwo muss es schließlich sein. Horst selbst zieht seine Glückseligkeit auch eher aus alten Heimatfilmen und Serienepisoden, in denen seine Lieblingsdarstellerin Gabi Wampel (Tahnee Schaffarczyk) die jeweilige Hauptrolle spielt, als aus der Realität. Das ist doch so kein Zustand.

Also macht er sich auf die Suche nach dem Glück und reist dafür einmal quer durch Deutschland. Horsts erklärtes Ziel ist es, über die hoffentlich gefundene Glücksformel einen Film zu drehen, ihn in die Kinos zu bringen und mit dem so eingespielten Geld aus dem inzwischen zum Waschsalon umfunkionierten "Wilddieb" wieder eine Kneipe für alte, biertrinkende weiße Männer zu machen. So weit, so simpel.

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Sylvia (Tahnee Schaffarczyk) ist ganz für Kreuzfahrt-Gästin Hildegard Cabaret (Hape Kerkeling) da. (Foto: Leonine Studios / Sandra Hoever)

Also geht es von Grevenbroich gemeinsam mit Praktikantin Anna (Laura Thomas), die sich gottlob mit Technik auskennt, aber auf keinen Fall vor die Kamera will, erst mal in ein schickes Kur-Hotel, weil einer von Horsts Kneipenkollegen (Patrick Joswig) hier zuletzt mal glücklich war. Wegen des Essens. Das schmeckt auch Horst, anders als der obligatorische Lach-Yoga-Kurs, der hier natürlich nicht fehlen darf, aber nicht die Art von Glück ist, nach der Horst sucht. Und weil der Weg das Ziel ist, trifft er auf diesem immer wieder Menschen, die vermeintlich schlaue Dinge und wichtige Tipps beizutragen haben.

Prominente Gäste spielen sich selbst

Unter anderem sind das Bahnmitarbeiterin Mandy (Meltem Kaptan), Trucker-Babe Roswitha (Jördis Triebel), der höchst unsympathische Autor und Schlagersänger Hape Kerkeling (Hape Kerkeling) sowie ein gewaltbereiter Clan, der am Ende Horsts unverwechselbarem Charme aber auch nicht widerstehen kann.

Dann landet Schlämmer ausgerechnet im Büro des bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder (Markus Söder), mit dem er sich einen flauen Smalltalk statt eines gewitzten Schlagabtauschs liefert. Enttäuschend, wenn man bedenkt, auf welcher politischen Seite Schlämmer-Darsteller Kerkeling steht und wie ihm bei den populistischen Aussagen des CSU-Politikers privat die Hutschnur platzen dürfte. Warum auch noch Kardinal Woelki befragt wird, erschließt sich nicht so ganz, denn sein Beitrag fällt noch inhaltsleerer aus. Doch zumindest hat der Dom im Hintergrund wohl ein paar Euro von der NRW-Filmförderung in die Produktionskasse gespült.

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Der Kapitän (Ulrich Bähnk) ist froh, Horst Schlämmer (Hape Kerkeling) nach dem Übersetzen zur Insel Sylt wieder los zu sein. (Foto: Leonine Studios / Sandra Hoever)

Überhaupt fragt man sich ein ums andere Mal, was uns dieser Film erzählen will. Das Ganze ist ein Potpourri aus gelegentlich durchaus zündenden Sketchen und Horsts Einlassungen durch das Durchbrechen der vierten Wand. Wirklich unterhaltsam wird es immer dann, wenn Gabi Wampel als Stewardess in "Kreuzfahrt unter Palmen", Ermittlerin in "Kommissarin Sittich" oder Sängerin in "Fröhliche Ferien am Fichtelsee" in Erscheinung tritt und dort auf von Kerkeling gespielte Männer- wie Frauenfiguren trifft, die seine Wandlungsfähigkeit unterstreichen.

Erwartbare Conclusio

Die heile Welt aus der seichten TV-Unterhaltung existiert in der Realität nicht (mehr). Das ist die erste Erkenntnis, die Horst Schlämmer aus seiner Reise ziehen kann. Die zweite betrifft dann den eigentlichen Anlass seines Films: die Suche nach dem Glück. Und wer hätte es gedacht? Glück ist etwas Individuelles, so die Conclusio. Über dieses sensationelle Ergebnis von Horst Schlämmers investigativer Recherche sind natürlich alle überrascht. Eine Erkenntnis so erwartbar wie handzahm, was für alles in dieser Komödie gilt.

"Horst Schlämmer sucht das Glück" ist ein unproblematischer Film in problematischen Zeiten, der humorige Banalitäten aneinanderreiht und an Tiefe vermissen lässt. Mehr Gesellschaftskritik als hier findet man ja sogar in der Anfang des Jahres erschienenen Komödie "Extrawurst", in der Kerkeling als Vorsitzender eines Tennisclubs mit seinen Mitstreiterinnen und Mitstreitern die heißeren Eisen diskutierte.

Dieser Film jetzt will aber eben keine Politsatire sein, so sehr sich das auch angeboten hätte. Wer also einfach Lust auf ein Wiedersehen mit dem drolligen Chauvinisten Horst Schlämmer und 93 Minuten seichte Unterhaltung hat, in denen situationskomische Gags abgefeuert werden, ist hier gut bedient und wird kognitiv nicht überfordert. Die Realität ist schließlich gerade schon kompliziert genug. Wer Horst Schlämmer nicht kennt, weil er zu den Spätergeborenen zählt, kann sich den Gang ins Kino aber wohl eher sparen.

"Horst Schlämmer sucht das Glück" läuft ab sofort in den deutschen Kinos.

Quelle: ntv.de

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