Kino

Mein ziemlich bekloppter Filmtitel Kleine geben sich ja mehr Mühe

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Kleiner Mann, was nun? Let's fall in love!

(Foto: dpa)

Er möchte das Interview in seinem Lieblingsrestaurant führen, in einem Vorort von Paris. Gut, dann auf nach Paris, das wird ein herrlicher Tag! Pünktlich sitzt er dort, an diesem Ort, an dem ein bisschen die Zeit stehen geblieben ist. Er ist größer als im Film - mindestens 40 Zentimeter - und er ist der Schwarm vieler Frauen. Seit seinem Oscar-Gewinn 2012 für die beste männliche Hauptrolle in "The Artist", dem Film, in dem höchstens ein Hund ihm die Beliebtheit hätte streitig machen können, weiß man aber auch über Frankreichs Grenzen hinweg, wer Jean Dujardin ist. Mal abgesehen davon, dass er eine der besten Parodien auf den geheimsten Geheimagenten aller Zeiten, James Bond, abgibt, ist er auch in "Monuments Men" und "The Wolf of Wallstreet" zu sehen gewesen.

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And the Oscar goes to ...

(Foto: REUTERS)

Nun also in "Mein ziemlich kleiner Freund" an der Seite von Virginie Efira, die als Diane brilliert. Sie ist Anwältin und geschiedener Single und erhält eines Abends einen Anruf von Alexandre (Dujardin), einem charmanten Architekten, der von ihrem Handy aus anruft, welches sie in einem Restaurant hat liegen lassen. Nach einer kleinen Plänkelei willigt Diane in ein Treffen zur Übergabe ein. Doch als sie im Restaurant auf Alexandre trifft, steht vor ihr ein Winzling, gerade mal knapp 1,40 Meter groß! Nachdem dieser allerdings äußerst unbeschwert mit seiner "Größe" umgeht und sie auf die verrücktesten Dates entführt, weicht bei Diane der anfängliche Schock einer großen Sympathie für diesen Mann. Und der Sympathie folgt Liebe. Dianes Umfeld jedoch reagiert konsterniert auf das ungleiche Paar. Und am Ende stellt sich die Frage: Besitzt Diane die Größe, die Skepsis der Umstehenden zu ignorieren und auf ihr Herz zu hören? Regisseur Laurent Tirard beweist, dass er ein Faible für zierliche Helden hat: Auf "Der kleine Nick" und "Asterix & Obelix" folgt nun diese sehenswerte Produktion.

n.tv.de: Monsieur Dujardin, in dem Film bekommt Alexandre einen ziemlich hässlichen Pullover von Diane geschenkt, der aus der Kinderabteilung ist. Gibt es ein Geschenk, das Sie in Ehren halten, obwohl es völlig daneben ist?

Jean Dujardin: (zögert) Das ist so eine typische Frage, wo einem erst mal nichts einfällt. Spontan ist eines meiner liebsten Geschenke jedoch der Moment, in dem ein Freund mich nach Hause zu sich einlud und dort Jean Paul Belmondo, den ich sehr bewundere, auf seinem Sofa saß. Also haben wir zusammengesessen, gegessen, getrunken, und das ist für mich eines der schönsten Geschenke.

Während des ganzen Films ist Alexandre wirklich winzig neben Diane - wie hat sich das angefühlt, wie haben Sie am Set getrickst?

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Mein ziemlich hässlicher Pullover aus der Kinderabteilung ...

Ich hatte natürlich an vielen Stellen einen Doppelgänger, den ich auch oft fragen konnte, wie ich mich in so einer Situation, nämlich extrem klein als Mann zu sein, anstellen sollte. Ich habe auch viel gekniet vor Virginie (lacht) und wir haben perspektivisch gedreht, mit großen Abständen. Aber vieles natürlich auch vor dem Green Screen, und da musste ich dann immer ganz viel nach oben schauen.

Am Anfang telefonieren die beiden nur, man bemerkt die Spannung und die Funken, die zwischen beiden fliegen, ohne dass sie sich kennen. Haben Sie sich auch schon mal nur in eine Stimme verliebt?

Ich achte sehr auf Stimmen, ja. Und ich hatte dann auch schon Lust, diese Person kennenzulernen, klar. Punkt. (lächelt)

Französische Filme, Komödien wie zum Beispiel "Ziemlich beste Freunde", greifen in den letzten Jahren gern das Thema "Inklusion" auf. Das ist schon erstaunlich, denn Menschen mit Behinderung kommen in den Filmen fast wie das Normalste der Welt vor. Ist das kein Thema mehr in Frankreich?

Naja, das ist nach wie vor ein gesellschaftliches Thema. Sie sehen es ja selbst, hier in so einem Vorort von Paris, da ist es nicht selbstverständlich, dass es überall Bürgersteige gibt, die für Rollstuhlfahrer geeignet sind. Und ich denke, es ist gut, dass sich die Kunst, dass sich Filme damit auseinandersetzen. Aber im Fall von unserem Film hier handelt es sich doch eher um ein Märchen und keine "Behinderung". Sonst hätte der Regisseur vielleicht doch wirklich einen kleinwüchsigen Schauspieler genommen und er wäre eher in die Doku-Schiene gegangen, um zu zeigen, was es mit einem macht, wenn man so klein ist. Wir haben aber auch wirklich viel getrickst (lacht). Und, ganz wichtig: Es geht in diesem Film um einen Menschen mit Handicap, aber nicht um einen Gehandicapten, das ist ein Unterschied.

Vielleicht eine Metapher für einen Mann, der Komplexe hat? Waren Sie denn schon immer der selbstsichere Typ, der Mann ohne Komplexe, oder haben Sie in Ihrer Jugend auch an der einen oder anderen Malaise gelitten? War Ihnen die Meinung anderer grundsätzlich egal oder waren Sie auch mal verunsichert?

Niemand ist immer selbstsicher. Niemand ist immer glücklich. Das gibt's doch gar nicht. Natürlich hatte ich auch Momente, in denen ich Komplexe hatte. Das war bei mir die ganze Schulzeit so, die Schule war einfach nicht mein Ding. Und die Kindheit wirft ein Echo auf das spätere Leben. Ich war leider eher so der Typ "Blödmann" (lacht) und ich wollte auch gar kein Streber sein, aber irgendwas dazwischen wäre ganz schön gewesen.

Wie wichtig ist es Ihnen, was über Sie gedacht wird? Im Film kommt das ungleiche Paar super miteinander aus, solange es allein ist. Sobald andere dazustoßen, wird es kompliziert, weil alle ihre Meinung dazu haben, wie eine normal große Frau denn nur mit einem so kleinen Mann zusammen sein kann.

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Gegen Windmühlen kämpfen ...

Es geht zumindest nicht spurlos an mir vorbei, was andere denken. Die Welt hat sich aber auch so sehr verändert, man wird ständig damit konfrontiert, was andere über einen denken könnten. Oder was sie schreiben. In den sozialen Netzwerken wird das natürlich am deutlichsten. Mir ist vollkommen bewusst, dass mich nicht alle Leute toll finden, auch wenn sie so tun. Mit ist auch bewusst, dass ich eine öffentliche Person bin und oft werden Debatten vom Zaun gebrochen, die vollkommen sinnlos sind, und dann wird einem haarklein vorgerechnet, was man hier gesagt hat und was da, und es wird auf die Goldwaage gelegt, das ist schlimm. Man muss sehr aufpassen. Ansonsten versuche ich mich nicht darum zu kümmern, was andere denken. Aber ich bin im Großen und Ganzen ganz ok, denke ich. Ich bin gut erzogen worden und ich versucht, mich möglichst nicht aufzuregen. Ich raste allerdings aus, wenn man mir Unehrlichkeit vorwirft.

Warum gerade bei diesem Thema?

Da würde sich doch jeder wehren, wenn ihm Dinge unterstellt werden. Dann antworte ich auch schon mal auf Kommentare oder Posts, um Dinge klarzustellen. Ich habe tatsächlich große Angst davor, meine Freiheit zu verlieren. Das fängt damit an, dass einem ständig Menschen folgen und auch Unwahrheiten verbreiten.

Können Sie sich in Frankreich denn noch frei bewegen? Ohne Paparazzi?

Das mache ich einfach! Und wenn ich mitbekomme, dass jemand heimlich ein Foto aus zehn Metern Entfernung machen möchte, dann sage ich lieber, er soll herkommen und wir machen das zusammen (lacht). Ansonsten schränke ich mich überhaupt nicht ein.

Im Film sagt Alexandre: "Ich habe es so satt, klein zu sein." Was tut man, wenn etwas nicht zu ändern ist? Und ist es einfacher, mit so einer Situation klarzukommen, wenn man so wohlhabend ist, so schick lebt, wie Alexandre im Film?

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Mein Freund George ...

(Foto: AP)

Sein einziges Problem in der Hinsicht ist eigentlich das Thema Liebe, alles andere gelingt ihm ja. Wenn er da eine Bilanz zieht, fällt es ihm schwer, es ermüdet ihn. Mein Double hat mir aber bestätigt, dass es tatsächlich manchmal so ist, dass man buchstäblich die Schnauze voll hat vom Kleinsein, von den immer gleichen Witzen. Das macht einen wütend. Und dass es der Filmfigur Alexandre gut geht, liegt einfach daran, dass er Talent hat, da hat seine Größe ja nichts mit zu tun. Er wird für sein Talent eben gut bezahlt.

Eine Frage, die mit Ja oder Nein beantwortet werden kann: Werden Sie sich um die Rolle des nächsten James Bond bemühen? Sie sind im Gespräch …

(lacht) Ich habe ja meinen eigenen James Bond, nämlich "OSS117" ("Der Spion, der sich liebte"), der ist schön albern, der ist Franzose, und ich hoffe, dass ich aus dem noch ein bisschen was machen kann.

Und wie sieht es mit weiteren "Ausflügen" nach Hollywood aus?

Ja, ja, ja (lacht), natürlich mach' ich das gerne weiter. Aber ich liebe es, mich in meiner eigenen Sprache auszudrücken. Und ich finde, das französische Kino hat eine ausgezeichnete Qualität. Warum sollte ich es mir schwerer als nötig machen? Es geht mir gut hier! Vielleicht sollte ich aber auch einfach zugeben: Mein Englisch ist nicht so doll (lacht). Was mich nach dem Oscar echt genervt hat, war, in der Presse zu lesen, dass ich jetzt nach Hollywood gegangen sei. Das stimmt einfach nicht. Wenn ich Frankreich den Rücken kehre, dann muss sich das lohnen. Oder wenn ein Freund wie George Clooney mich bittet, dann komme ich.

Mit Jean Dujardin sprach Sabine Oelmann

"Mein ziemlich kleiner Freund" startet am 1. September in den deutschen Kinos

Quelle: n-tv.de

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