Kino

Ehemann Pierre in "Marie Curie" Sam Riley hat keine Angst vor starken Frauen

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Rosamunde Pike und Sam Riley als Marie und Pierre Curie in "Marie Curie - Elemente des Lebens".

(Foto: imago images/ZUMA Press)

Man kennt Sam Riley aus Filmen wie dem Gangsterdrama "Brighton Rock", der deutsch-österreichischen Produktion "Das finstere Tal" oder seinem Kinodebüt, dem von Anton Corbijn inszenierten Schwarzweiß-Film "Control" über Ian Curtis, den Sänger der legendären Post-Punk-Band Joy Division. Bei diesem Dreh lernte er seine deutsche Kollegin Alexandra Maria Lara kennen. Die zwei heirateten 2009, fünf Jahre später kam Sohn Ben zur Welt. Für diese Liebe ist der aus Yorkshire stammende Brite seinerzeit nach Berlin gezogen.

Mit "Maleficent", der Realverfilmung des Disney-Klassikers "Dornröschen", schaffte es Riley 2014 auch nach Hollywood und spielte in beiden bislang erschienenen Teilen den treuen Gefährten von Angelina Jolie. Ganz ähnlich angelegt ist nun auch seine Rolle als Ehemann der Wissenschaftlerin Marie Curie, gespielt von Rosamunde Pike. Wieder ist Riley der Sidekick einer starken Frauenfigur. Im Interview mit ntv.de verrät der 40-Jährige, warum er damit überhaupt kein Problem hat.

ntv.de: In einem Interview hast du kürzlich erzählt, du würdest bis heute von vielen Leuten aufgrund deiner Rolle in "Control" erkannt. Nervt dich das? Immerhin hast du in den letzten 13 Jahren viele andere Filme gemacht.

Sam Riley: Es wäre gelogen, würde ich behaupten, ich hätte nicht für jeden Film gern immer dieselbe Anerkennung (lacht). Interessanterweise werde ich hier in Deutschland von jüngeren Menschen oft auf "13" angesprochen. Der Thriller mit Mickey Rourke, Jason Statham und 50 Cent ist so was wie ein Kultfilm geworden, in Großbritannien aber kennt ihn quasi niemand. Kinder kennen mich dann eher von "Maleficent". Ich kann mit all dem gut leben. Es ist zwar schon schön, wenn einen die Leute erkennen, aber andererseits bin ich auch froh, mich überall frei bewegen zu können. Mich erkennen nämlich gar nicht so viele, das ist ganz anders als bei meiner Frau. Sie wird öfter angesprochen. (lacht)

Glaubst du, dass das auch etwas mit Berlin zu tun hat? Hier sind die Leute vielleicht aufgrund der Promidichte cooler als in anderen Städten?

Es ist hier definitiv anders als in Frankreich zum Beispiel, wo sie ihre Stars wie Götter verehren. Und in England ziehen sie es vor, sie zu terrorisieren. (lacht) In Deutschland ist den Leuten das alles einfach egal.

Wie viel wusstest du über Radioaktivität und das Ehepaar Curie, bevor du diesen Film gemacht hast?

Ich finde es immer gut, wenn ich für einen Film noch etwas lernen kann, was ich vorher nicht wusste oder nicht konnte - wie zum Beispiel Reiten, Schwertkampf oder etwas in der Art. Ich lese dann viel über das entsprechende Thema und die Zeit, in der die Geschichte spielt. Ich lege Playlists mit Musik aus der Epoche an, um mich in die Rolle einzufinden. Ich schaue mir außerdem Dokumentationen bei Youtube an. Praktischerweise hat Marie Curie über ihren Mann eine Biografie verfasst, die sehr detailliert von seiner Kindheit, seiner Ausbildung und der Beziehung zu seiner Familie erzählt. Das ist natürlich schon ungewöhnlich, aber es hat mir sehr viele Informationen geliefert. Vorher wusste ich nicht viel über die zwei. Auch in der Schule hat man uns nicht groß was über sie erzählt.

Berühmte männliche Wissenschaftler kennt dagegen nahezu jeder aus dem Unterricht. In dem Film geht es vor allem auch um genau diese Ungerechtigkeit, um Curies Kampf um Anerkennung in der von Männern dominierten Welt der Wissenschaft …

Ich denke auch, dass dieses Ungleichgewicht bei den Geschlechtern einer der Gründe dafür ist. Wir haben alles über Einstein, Edison und die Wright-Brüder erzählt bekomme, über Curie oder Florence Nightingale quasi nichts. Ich hoffe, dass der Film nun endlich auch mal Marie Curie die verdiente Anerkennung beschert.

Immerhin ist sie heute namentlich bekannter als ihr Ehemann.

Aber Pierre und sie waren ein Team. Er hatte das bessere Equipment, sie konnte besser damit umgehen. Zusammen waren sie stärker als allein. Und er hat den Nobelpreis so lange nicht angenommen, bis auch ihr Name danebenstand. Ihm wurde das so beigebracht, so wurde er erzogen. Darum hat er das in seinem Leben so fortgesetzt.

Pierre Curie ist also eine Art Sidekick für Marie alias Rosamunde Pike. Die von dir gespielte Figur Diaval ist ein enger Vertrauter von Maleficent alias Angelina Jolie. Offenbar hast du kein Problem damit, der Mann im Schatten einer starken Frau zu sein?

Ich habe mit vielen fantastischen Schauspielerinnen gearbeitet und das gleich von Beginn an. Und das ist ein großes Glück, denn davon kann man doch nur profitieren. Da bin ich ein bisschen wie Pierre, schätze ich. Auch meine Arbeit wird durch das Zusammenspiel mit meinen tollen Kolleginnen besser. Ich wollte unbedingt mal mit Regisseurin Marjane Satrapi arbeiten, ebenso wie mit Rosamunde. Aber es gibt sicherlich viele männliche Kollegen, die nicht die zweite Geige spielen möchten. Doch das ist zu ihrem eigenen Nachteil. Selbst schuld. Die müssen ganz schön unsicher sein, wenn ihnen das Angst macht. (lacht)

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Alexandra Maria Lara und Sam Riley bei der Berlinale.

(Foto: imago images/Future Image)

Privat macht es dir demnach auch keine Probleme, dass deine Frau häufiger erkannt wird als du?

Wir haben uns in England kennengelernt und mir war zu dem Zeitpunkt gar nicht klar, dass sie in Deutschland so ein großer Star ist. Für mich war das eine neue Erfahrung, mit jemandem zusammen zu sein, der viel erfolgreicher ist als ich selbst. (lacht) Also ich fand das eher spannend, ich mag es. Und ich habe viel von ihr gelernt.

Auch Deutsch?

(auf Deutsch) Sie versucht es. Ich kann auch Deutsch, aber in einer solchen Situation wie einem Interview höre ich mich selbst und all die Fehler, die ich mache. Ich bin plötzlich nervös, ich kann nicht gut antworten.

Glaubst du, dass die Entscheidung, in Berlin zu leben, deine Karriere beeinflusst hat?

Klar wurde mir gesagt, ich solle nach Los Angeles oder London gehen, aber irgendwas hat mich davon abgehalten. Und es wollten ja auch so alle mit mir arbeiten, Geld mit mir verdienen. Ich hatte vielleicht zu viel Angst, die Kontrolle zu verlieren und nicht richtig einschätzen zu können, was diese Leute überhaupt von mir erwarten. Ich habe eine gute Karriere mit tollen Leuten und das schon für eine lange Zeit. Und privat war es die beste Entscheidung meines Lebens, nach Berlin zu kommen.

Glaubst du, dass der Brexit für dich persönlich irgendwann Konsequenzen haben könnte?

Niemand weiß das. Nicht einmal die Idioten von der britischen Regierung. Für die Leute in England wird das sicher persönliche Folgen haben. Aber wenn ich mich jetzt für eine Nationalität entscheiden müsste, hätte ich kein Problem damit, Deutscher zu werden. Sofern mich die Deutschen überhaupt akzeptieren würden. (lacht) Mein Humor und mein Blut machen mich für immer zu einem Typen aus Yorkshire, aber ich hätte gern denselben Pass wie meine Frau und mein Sohn.

Und daran haben auch mehrere Wochen Lockdown und Quarantäne nichts geändert?

(lacht) Nein. Wir haben glücklicherweise einen Garten. Damit war es für uns sicher viel einfacher als für viele andere Familien. Das Schlimmste für mich war, zu sehen, was in Großbritannien passiert. Hier in Deutschland ist die Lage viel besser unter Kontrolle. Aber Familie und Freunde in der Heimat sind zumindest alle wohlauf.

Mit Sam Riley sprach Nicole Ankelmann

"Marie Curie - Elemente des Lebens" läuft ab dem 16. Juli im Kino.

Quelle: ntv.de, nan