Kino

Helden aus dem Bilderbuch The Avengers retten die Welt

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Jetzt aber mal schnell husch, husch: Captain America alias Chris Evans in "The Avengers".

(Foto: Marvel / Walt Disney Pictures)

Iron Man, Hulk, Captain America, Thor, Black Widow, Hawkeye - sie alle sind altbekannte Einzelkämpfer aus dem Universum der Marvel-Comics. Doch gegen Bösewicht Loki hilft nur ihre vereinte Kraft. Als "The Avengers" werden sie nun im Kino zu Bilderbuch-Helden - im doppelten Sinn.

Okay, wenn man kein ausgesprochener Comic-Enthusiast ist, dann fällt es wirklich ziemlich schwer, im Universum der Superhelden den Überblick zu behalten. Superman, Batman und Spider-Man kennt wahrscheinlich jedes Kind, aber Typen wie Thor, Hawkeye oder Iron Man haben sich erst in den vergangenen Jahren ins Massen-Bewusstsein geprügelt, geschossen und geballert - dem Kino sei Dank.

Wer keine Ahnung von Comics hat, wird zudem kaum verstehen, weshalb manch einer bei Superman und Batman laut "Pfui, Spinne" ruft, während er Spider-Man ganz super findet. Doch der Hintergrund ist simpel: So wie in ihren Geschichten zumeist Gut und Böse um die Vorherrschaft ringen, so konkurrieren die Helden-Schmieden Marvel (Spider-Man) und DC Comics (Superman, Batman) seit Ewigkeiten im Kampf um die Publikumsgunst.

Geballte Helden-Power

Nachdem wir das geklärt haben, komme jetzt bitte keiner auf die Idee, mit der Frage, weshalb denn Spider-Man nicht zur Truppe der Avengers (zu Deutsch: "Die Rächer") gehört, die Sache erneut zu komplizieren. Belassen wir es bei der Information, dass dieses Superhelden-Rollkommando eine Erfindung aus dem Hause Marvel ist. Eine Erfindung, die in jeglicher Hinsicht Sprengkraft birgt - so viel geballte Helden-Power auf einem Haufen war schließlich noch nie.

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Die Frau im Helden-Team: Scarlett Johansson als Black Widow.

(Foto: Marvel / Walt Disney Pictures)

Da wären zum einen Iron Man (Robert Downey Jr.), Captain America (Chris Evans), Thor (Chris Hemsworth) und natürlich Hulk (Mark Ruffalo). Sie alle haben in den vergangenen Jahren von den eigens für Comic-Verfilmungen gegründeten Marvel Studios schon ein bis zwei Solo-Einsätze spendiert bekommen. Dann wären da noch Black Widow (Scarlett Johansson) und Hawkeye (Jeremy Renner). Ihnen waren bis dato lediglich Nebenrollen in einer der anderen Helden-Sagas beschert. Und schließlich nicht zu vergessen Nick Fury (Samuel L. Jackson), ebenfalls bereits als Nebenfigur bekannter Chef des mächtigen Geheimdienstes S.H.I.E.L.D., der in "The Avengers" keine andere Möglichkeit sieht, als das gesamte Ensemble zusammenzutrommeln. Schließlich geht es um kein geringeres Problem als das, die Welt zu retten - vor dem unfassbar bösartigen Loki (Tom Hiddleston) aus der extraterrestrischen Welt Asgard.

Keine Frage, wer bereits den 2011 veröffentlichten Marvel-Streifen "Thor" gesehen hat, ist im Vorteil, die nicht ganz einfachen Hintergründe der an nordische Mythologie angelehnten Handlung zu entwirren. Nachdem Loki den Kampf mit seinem Stiefbruder Thor um die Herrschaft in Asgard verloren hat, sinnt er auf Rache. Mit Hilfe des wundersamen kosmischen Energiewürfels "Tesserakt", einer außerirdischen Armee und ganz viel eigener Hinterfotzigkeit plant er, die Erde zu unterjochen.

Stuttgart liegt in Cleveland

Den ersten Anlauf zur Umsetzung seines Vorhabens nimmt Loki ausgerechnet in Stuttgart. Wo auch sonst? Die Ortswahl bringt Schauspieler Tom Hiddleston im Gespräch mit n-tv.de in Verbindung mit dem Charakter des von ihm gespielten Bösewichts. Während Thor wie eine amerikanische Sportskanone daherkomme, habe Loki eher den Charme eines wahnwitzigen Künstlers mit "europäischer Eleganz". So sei die Idee entstanden, ihn erstmals  "in einem schönen europäischen Anzug in einer edlen Umgebung" in Aktion treten zu lassen. "Ein paar Leute haben mir gesagt, dass es kein bisschen wie Stuttgart aussieht", räumt Hiddleston lachend ein. Gedreht wurde die Szene schließlich in Wahrheit im umdekorierten Cleveland im US-Staat Ohio.

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Achtung, Gefahr! Tom Hiddleston als Loki.

(Foto: Marvel / Walt Disney Pictures)

Allerdings dürfte das selbst vielen Deutschen gar nicht weiter auffallen. Und der Imposanz des diabolischen Auftritts von Loki tut das selbstredend auch keinen Abbruch. Schon eher macht da Captain America die Show zunichte, als er dem außerirdischen Satansbraten das erste Mal so richtig in die Parade fährt. Schließlich hat es Nick Fury tatsächlich geschafft, die Allianz der Avengers zu schmieden, auch wenn nicht alle Beteiligten im ersten Moment begeistert "Auf Loki mit Gebrüll" rufen.

Bei aller Action in dem Streifen, die zum Showdown hin schon stark an "Transformers 3" erinnert  - die eigentlichen Highlights des Films sind die Dialoge und das Gezicke der Hauptfiguren untereinander, die neben ihren Super-Fähigkeiten auch alle ihre ganz eigenen Super-Macken haben. Das ist nicht nur wohltuend, sondern bitter nötig. Erst Humor und Selbstironie machen aus dem schrillen Helden-Klimbim am Ende ein fulminantes Kino-Spektakel.

Glaubt man Hiddleston, "Thor" Chris Hemsworth und Hulk-Darsteller Mark Ruffalo, ging es zwischen den Schauspielern am Set harmonischer zu als zwischen den Superhelden im Film. "No diva!", versichert Hiddleston - angesichts des Star-Aufgebots, das "The Avengers" vereinigt, ja nicht unbedingt eine Selbstverständlichkeit.

Ein smarter Fiesling

Dabei sind es - abgesehen vom wieder mal brillant aufgelegten Iron Man Robert Downey Jr. - weniger die Hollywood-Schwergewichte wie Samuel L. Jackson oder Scarlett Johansson, die in dem Film herausragen. Stattdessen sind es mit Hiddleston und Ruffalo ein noch relativer Newcomer in der Traumfabrik und ein Darsteller, der bei der Wahl seiner Rollen nicht nur auf potenzielle Blockbuster schielt.

Wenn der 31-jährige Brite Tom Hiddleston, der größere Auftritte zuletzt auch in Woody Allens "Midnight in Paris" und Steven Spielbergs "Gefährten" hatte, einem gegenübersitzt, wirkt er ausgesprochen smart. Nur bei der Frage, ob er es denn genieße, den Bösewicht zu spielen, blitzt kurz das vermeintlich hinterhältige Grinsen auf, das auch seinen Loki auszeichnet: "Extreeem!" Die Rolle des Leinwand-Fieslings steht ihm definitiv außerordentlich gut zu Gesicht.

"Der Hamlet unserer Generation"

Ruffalo indes hat in "The Avengers" die undankbare Aufgabe übernommen, den gerne mal zu einem grünen Monster-Wrestler namens Hulk mutierenden Wissenschaftler Bruce Banner zu imitieren. Mit Eric Bana und Edward Norton haben sich vor ihm bereits zwei andere in Filmen mit Beteiligung der Marvel Studios an der Rolle versucht - mit eher mäßigem Erfolg. Und auch Ruffalo wehte von Anfang an ein eisiger Wind entgegen. " Ich habe noch nie eine Rolle gespielt, die so argwöhnisch beäugt wurde und bei der es so negative Beurteilungen gab, noch bevor ich auch nur eine Szene gedreht habe", sagt der US-Amerikaner. Mit Blick auf die Doppelrolle als scheuer Wissenschaftler und brachiales Grünzeug fügt er hinzu: "Viele trauten mir nicht zu, die beiden Charaktere zu spielen."

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Kein Grund zur Aufregung - das ist doch nur Hulk (Mark Ruffalo).

(Foto: Marvel / Walt Disney Pictures)

Auch er selbst habe zunächst gezweifelt, räumt Ruffalo ein. Nicht nur habe er versucht, Regisseur Joss Whedon die Besetzung der Rolle mit seiner Person auszureden. Er habe auch seinen Freund Edward Norton, der im Streit über die Gründe für die überwiegend negative Beurteilung seiner Hulk-Verkörperung mit den Marvel Studios auseinanderging, erst einmal um dessen Segen gebeten: "Er sagte: Klar, das wird der Hamlet unserer Generation werden - wir alle werden einmal die Chance bekommen, ihn zu spielen", verdeutlicht der 44-Jährige ironisch die Zwiespältigkeit des Unterfangens.

Doch siehe da: Ruffalo meistert die Aufgabe mit Bravour. Sicherlich kommt ihm dabei die moderne Technik zugute. Während Bana und Norton mit der computergenerierten Darstellung des Hulk in ihren Filmen wenig zu tun hatten, schlüpft Ruffalo mit Hilfe des Motion-Capture Verfahrens, das die Erfassung und digitale Überarbeitung menschlicher Bewegungsabläufe erlaubt, selbst in die Rolle des Monsters. Das Ergebnis: Einen realistischeren und charakterstärkeren Hulk gab es noch nie.

Große Charaktere

Die Gemeinsamkeiten von Hamlet und Hulk wirken auf den ersten Blick überschaubar. Gleichwohl sieht der auch als Shakespeare-Darsteller aktive Tom Hiddleston durchaus manche Parallelen zwischen den dramatischen Klassikern und modernen Science-Fiction-Comics: "Das Interessante ist: Am Ende gehen beide Genres auf Mythologie zurück." Und: "Shakespeare schrieb über Könige und Königinnen. Comic-Bücher handeln von Helden und Bösewichtern. Im Grunde ist es das Gleiche: Es geht um große Charaktere."

Mit Blick auf "The Avengers" trifft das fraglos zu. Ja, der Streifen ist schrill, laut, bunt, überdreht und von der Handlung her natürlich kompletter Kokolores. Doch angesichts der großen Charaktere, die diese wilde Mixtur tragen, macht er einfach nur Spaß. Comic-Freak Joss Whedon hat als Regisseur ganze Arbeit geleistet - und die Helden aus den Bilderbüchern zu Bilderbuch-Helden auf der Leinwand gemacht.

"The Avengers" läuft ab sofort in den deutschen Kinos.

Quelle: n-tv.de

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