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Schweden liegt in Babelsberg Wenn Lisbeth Salander Potsdam aufmischt

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Claire Foy als Lisbeth Salander - viele Szenen von "Verschwörung" wurden in Deutschland gedreht.

(Foto: Sony Pictures Entertainment Deutschland GmbH)

Es ist dunkel. Es ist düster. Es ist kalt. Es ist Stockholm? Nein, es ist Potsdam. Es ist Babelsberg. Es ist Berlin. "Verschwörung", die neueste Verfilmung um Stieg Larssons Antiheldin Lisbeth Salander, wurde hier gedreht. Wo auch sonst?

Die dicken Stahltüren sind verschlossen. Rote Warnlampen leuchten auf. Und alle sind mucksmäuschenstill. Zumindest alle, die in einem kleinen Nebenraum auf ein paar Monitore starren, um zu sehen, was ein paar Meter entfernt hinter Stellwänden, Abdeckungen und Absperrungen passiert. Dort wird gerade eine Szene für den Film "Verschwörung" gedreht. Eine Szene, in der es Lisbeth Salander in einer abgefuckten Toilette gleich mit mehreren Brutalos auf einmal zu tun bekommt. Es ist nahezu dunkel, doch man erhascht menschliche Schatten, flackerndes Licht, Masken und Nachtsichtgeräte. Und man hört die Kampfgeräusche herüberhallen.

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Das alles passiert in Potsdam, genau genommen auf dem dortigen Filmgelände im Stadtteil Babelsberg. Denn auch wenn der neueste Filmstreich um die von Stieg Larsson im Rahmen seiner Millennium-Trilogie erschaffene Antiheldin Lisbeth Salander natürlich wieder vor allem in Schweden und Stockholm spielt - viele Szenen des Streifens wurden hier gedreht. Hier und im benachbarten Berlin, zum Beispiel im legendären Techno-Tempel Tresor.

Von "Panem" bis Clooney

"Verschwörung" ist längst nicht mehr der erste und einzige potenzielle Kassenknüller, für dessen Entstehung die Filmemacher die Reise nach Deutschland angetreten haben. Ob das Finale des Fantasy-Hits "Die Tribute von Panem", Steven Spielbergs "Bridge Of Spies" oder der Marvel-Blockbuster "The First Avenger: Civil War" - sie alle wurden nicht zuletzt in Babelsberg erschaffen. Ob Tom Cruise, Matt Dillon oder George Clooney - sie alle gaben sich in Potsdam bereits die Klinke in die Hand.

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Sylvia Hoeks wird in "Verschwörung" zu Camilla Salander.

(Foto: imago/Independent Photo Agency)

Und auch und gerade für die finstere Geschichte von "Verschwörung", für die nach Larssons Tod der schwedische Autor David Lagercrantz die literarische Vorlage schuf, scheinen Potsdam und Berlin die optimale Kulisse zu bilden. "Es ist eine Geschichte über Wärme im Innern und Kälte im Äußeren - dazu passte die Atmosphäre hier perfekt", findet jedenfalls Robert J. Dohrmann, ausführender Produzent des Films.

Liebeserklärung an Berlin

"Ich liebe die Stadt wirklich!", sagt überdies Sylvia Hoeks. Die Niederländerin, die zuletzt unter anderem in "Blade Runner 2049" zu sehen war, schlüpft in "Verschwörung" in die Rolle von Lisbeth Salanders eiskalter Schwester Camilla. "Die Menschen in Berlin sind entspannt, frei und expressiv. Das passt auch zu diesem Charakter. Deshalb war das der beste Ort, um diesen Film zu machen", erklärt Hoeks, die an der deutschen Hauptstadt allerdings noch andere Vorzüge zu schätzen weiß: "Ich genieße es total, hier auszugehen. Es gibt das Berghain und all die Clubs - ich liebe das."

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Foys Counterpart als Mikael Blomkvist ist Sverrir Gudnason.

(Foto: Sony Pictures Entertainment Deutschland GmbH)

Das Set von "Verschwörung" ist dem Berghain gar nicht so unähnlich. Wenn man etwa durch die Kulissen von Lisbeth Salanders Wohnung läuft, kann man das düstere Flair von Industriearchitektur in dem Film erahnen. Für die eingefleischten Fans der Thriller-Reihe, die etwa auch schon die schwedischen Originalverfilmungen "Verblendung", "Verdammnis" und "Vergebung" oder aber das US-Remake des ersten Teils der Millennium-Trilogie gesehen haben, ist Hoeks ein neues Gesicht. Camillas Charakter wird in "Verschwörung" erstmals eingeführt. Doch auch sonst müssen sich die Zuschauer an neue Hauptdarsteller gewöhnen. Nach Noomi Rapace und dem inzwischen verstorbenen Mikael Nyqvist beziehungsweise Rooney Mara und Daniel Craig schlüpfen nun Claire Foy und Sverrir Gudnason in die Rollen von Lisbeth Salander und ihrem Journalisten-Freund Mikael Blomkvist.

Rätsel um den Staubsauger

An ihren Vorgängern wollen beide allerdings nicht gemessen werden. "Ich messe mich an nichts, was irgendwer irgendwann vorher gemacht hat", stellt Foy, bislang unter anderem als Darstellerin von Queen Elisabeth II. in der Netflix-Serie "The Crown" bekannt, klar. "Man kann weder versuchen, wie jemand anderer zu sein noch nicht wie jemand anderer zu sein. Ich habe mir die Darstellungen von beiden angesehen, aber nur aus Spaß an der Freude - lange bevor ich wusste, dass ich selbst mal diese Rolle spielen würde", erklärt sie mit Blick auf ihre Kolleginnen Rapace und Mara.

"Ich denke, man bekommt immer eine ganz andere Version von einem Charakter, denn ich bin nun mal ich", pflichtet ihr Gudnason bei, der sich nicht zuletzt durch seine Verkörperung von Björn Borg im Sportlerdrama "Borg/McEnroe" einen Namen machte. "Für einen Schauspieler ist es nicht so ungewöhnlich, in eine Rolle zu schlüpfen, die zuvor schon von anderen ausgefüllt wurde. Shakespeare-Darsteller machen das die ganze Zeit", fügt er mit einem Lachen hinzu.

Ob die mittlerweile dritte Inkarnation des Dreamteams Salander/Blomkvist beim Publikum ankommt, wird sich ab Donnerstag zeigen, wenn "Verschwörung" in die Kinos kommt. Dann werden die Zuschauer hier und da vielleicht auch Potsdam und Berlin wiedererkennen. Und sie werden erfahren, was es mit so ein paar Dingen auf sich hat, die am Set des Films zu bestaunen sind: zum Beispiel ein Staubsauger, dem, wie es heißt, eine so besondere Rolle in dem Film zukommt, dass darüber vorab nichts ausgeplaudert werden darf. Und in der Tat: Mit dem Staubsauger hat es etwas ziemlich Übles auf sich. Zumindest so viel kann man schon mal verraten.

"Verschwörung" läuft ab 22. November in den deutschen Kinos.

Quelle: n-tv.de

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