Liebe machen mit Sophie MarceauWenn ein Augenblick zur Ewigkeit wird

Sie war der Schwarm aller mittlerweile mittelalten Männer, er ist der Dustin Hoffman der Franzosen: Wenn Sophie Marceau und der ziemlich beste Freund François Cluzet aufeinanderprallen, dann fliegen die Funken.
Ein ungewöhnliches Paar. Und doch meinen wir, dass es uns vertraut ist. Wir kennen ihn, François Cluzet, vor allem in seiner Rolle als Querschnittsgelähmter in "Ziemlich beste Freunde" - da hatte er nicht viel mehr als sein Gesicht, mit dem er arbeiten konnte. Und auch in "Ein Augenblick Liebe" ist es vor allem sein Gesicht, das fasziniert, obwohl es hier tatsächlich auch körperlich zur Sache geht.
Körperlich ist sie auf jeden Fall: Sophie Marceau. Frisch aus dem Sportstudio, gibt die "La Boum"-Darstellerin, die jeder Mann aber vor allem in ihrer Rolle der Prinzessin Isabelle in "Braveheart" vergöttert, eine selbstbewusste, taffe Frau, die sich trotz Berufstätigkeit und drei Kindern das Quäntchen Mädchenhaftigkeit bewahrt hat, die einen so gestandenen Familienvater wie Pierre ins Straucheln bringen können. Und auch die Zuschauerin darf sich wiedererkennen in der soeben noch total gestressten Mutter, die nicht weiß, wo ihre Autoschlüssel liegen und was sie anziehen soll und die auf der Party mit ihren Freundinnen zu einer komplett anderen Person mutiert: tanzend, flirtend, feiernd.
Die Story ist simpel, sie passiert jeden Tag: Mann trifft Frau, sie wollen sich, aber mindestens einer ist verheiratet, man zappelt ein wenig umeinander herum, und dann tut man es doch. Oder eben nicht, auch wenn der Wunsch noch so groß ist. Genau das spielen diese beiden Parade-Franzosen ziemlich gut.
"Die Ewigkeit ist für Loser"
Es geht darum, dass etwas, was man nicht tut, obwohl man es unbedingt möchte, etwas ist, das einem immer bleibt. Ein Ideal, das nicht kaputtgehen kann. In der Geschichte von Lisa Azuelos spielt die "LOL"-Regisseurin gekonnt mit den verschiedenen Ebenen von Realität und Fantasie - und ganz nebenbei spielt sie auch noch die Ehefrau ihres im Ansatz untreuen Gatten. Mit diesem Pierre (François Cluzet) ist sie immerhin seit 15 Jahren glücklich verheiratet und hat zwei Kinder. Seine Zeit als Schürzenjäger hat er hinter sich, er ist mit seinem Leben eigentlich sehr zufrieden. Bis er eines Abends auf einer Buchpremiere die erfolgreiche Schriftstellerin Elsa (Sophie Marceau) kennenlernt. Es knistert gewaltig zwischen ihnen. Sie flirten, lachen, lassen sich nicht mehr aus den Augen. Aber für Elsa sind verheiratete Männer tabu. Und auch Pierre will seiner Frau nicht untreu werden.
Zwei Wochen später treffen sie sich unerwartet wieder: Dieselbe magische Anziehung wie beim ersten Mal. Als sie sich trennen, beschließen sie, ein weiteres Wiedersehen dem Zufall zu überlassen. Natürlich spielt fortan der Zufall eine große Rolle in diesem französischen Film, vielleicht eine zu große, aber wenn zwei Menschen sich so zueinander hingezogen fühlen, wie die beiden das glaubhaft verkörpern, dann kann es schon sein, dass es eine überproportionale Anhäufung von Zufällen geben kann.
Ist der Film typisch französisch? Irgendwie schon, jedenfalls glaubt man das als Nicht-Franzose. Französische Komödien treffen anscheinend gerade einen besonderen Nerv des Kino-Publikums. Die Figuren scheinen echter, lebensnaher zu sein und sie schlagen sich nur selten mit Aliens oder "dem Feind" herum, sondern sie müssen die Abenteuer des Alltags bestehen: Sie müssen gegen die Multi-Kultisierung in ihrer Familie bestehen ("Monsieur Claude und seine Töchter") oder der Versuchung in Form von Sophie Marceau und knuffigen verheirateten Männer widerstehen.
Dass die Liebe nicht nur junge Menschen schlimm erwischen kann, zeigen französische Filme auch immer wieder gerne. Neu ist jedoch, wie vernünftig mit dem "Coud de foudre" - diesem Blitz aus Lust und Liebe - umgegangen wird. "Damit eine Geschichte niemals aufhört, darf sie gar nicht erst beginnen", sagt sich Pierre, und: "Die wahren Helden heutzutage sind nicht die Männer, die ihre Frauen betrügen, sondern die, die bei ihnen bleiben." Das klingt zwar eher nüchtern - kommt in der Komödie, die bereits großen Erfolg in Frankreich feierte, zum Glück ganz anders rüber.
"Ein Augenblick Liebe" startet am 7. August 2014 in den deutschen Kinos.