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Ab ins "Meeresdunkel"Ein Malle-Urlaub, der tödlich endet

13.06.2026, 11:46 Uhr Thomas-BadtkeVon Thomas Badtke
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Schön entspannt: So hatte sich Henrike ihren Urlaub auf Mallorca eigentlich vorgestellt. (Foto: picture alliance / Noah Wedel)

Meer, Sonne, Strand, eine idyllische Finca und ihre Familie - mehr braucht Henrike nicht zu ihrem Urlaubsglück. Doch das Haus wurde an eine weitere Familie vermietet. Ein Versehen? Purer Zufall? Eine Leiche im Haus lässt sie daran zweifeln. Der Tote ist ihr Bruder.

"Es wird ein schöner Urlaub." Das scheint Henrikes Mantra des Sommers zu sein. Sie muss raus. Einfach nur weg. Etwas anderes sehen. Zeit mit der Familie verbringen, mit ihrem jüngeren Bruder Freddy, mit ihren beiden Teenie-Zwillingen und ihrem Mann Hans. Mit dem ganz besonders, denn es kriselt gewaltig in ihrer Ehe. Eine Finca auf Mallorca, malerisch thronend über einem Steilküstenabschnitt, ist Henrikes Ziel.

Aber als sie und ihre Familie samt Mietwagen vor dem Haus ankommen, erleben sie ihr blaues Wunder - und das gleich doppelt. Zum einen ist die idyllische Finca eine heruntergekommene Bruchbude, die wohl schon seit Jahren keine Gäste mehr beherbergt hat - außer Katzen vielleicht, die zu Dutzenden auf dem Gelände herumstromern. Eine knorrige alte Pinie und diverse Löcher im Asphalt der Zufahrt lassen Henrike an ihrem "schönen Urlaub" zweifeln.

Als dann auch noch ein zweiter Mietwagen hält und die Finca offenbar doppelt vermietet wurde, ist bei Henrike der Ofen aus. Aber vor allem ihr immer positiv zu denken scheinender Bruder Freddy und die Kinder wollen sich den Spaß nicht verderben lassen. Kurzerhand ist man sich einig: Auch die andere Familie - Samuel, Marie und ihr kleiner Sohn Juri, der immer seine Puppe Hedwig im Schlepptau hat und mit ihr spricht - bleibt. Zumindest über Nacht. Morgen kann man dann weitersehen, so man denn jemanden bei der Vermietungsfirma erreicht, denn ein Mobilfunknetz scheint es hier nicht zu geben.

Zwei Familien, viele Geheimnisse

Freddy kocht. Die Kinder erkunden das Haus und die Umgebung. Die Erwachsenen versuchen, das Beste aus der Situation zu machen und lernen sich kennen. Irgendwie komisch, scheint jede der zwei Familien über die andere zu denken: ein kleiner Junge, der mit einer Puppe spricht; Samuel und Marie, die ebenso Eheprobleme zu haben scheinen wie Henrike und Hans, wobei Letzterer noch eine ganz andere Macke zu haben scheint.

Hans wollte nicht nach Mallorca. Nicht an diese Küste. Nicht in diese Finca. Den Grund behält er aber erst einmal für sich. Auch Marie hütet ein Geheimnis, das besser nicht gelüftet werden sollte. Und selbst Samuel und Henrike haben wenig später etwas vor den anderen zu verbergen.

So endet der Sommer

Doch erst als ein Sturm aufzieht und mehrere Dinge gleichzeitig passieren, bricht sich die Katastrophe Bahn: Hans ist mit den Kindern auf einem Tretboot in der Bucht unterwegs, als sie um ihr nacktes Überleben in den meterhohen Wellen kämpfen müssen. Samuel und Henrike bekommen davon nichts mit, sie sind nach einem "Techtelmechtel" eingeschlafen. Erst als Freddy in ihr Zimmer stürmt und sie anschreit, werden sie des Sturms und des Überlebenskampfes gewahr. Sie rennen aus dem Haus, zum Strand. Es hagelt.

Wenig später liegt Freddy erstochen in der Finca - und die Pinie im Garten ist umgestürzt, eine Flucht raus aus der vermeintlichen Urlaubsidylle nicht möglich. Samuel hat Freddy als Erster gefunden. Hat er ihn umgebracht? Wollte er den Urlaubsflirt zwischen Henrike und ihm verraten? Oder befindet sich ein Fremder im Haus? Versteckt er sich irgendwo, vielleicht auf dem Dachboden? Allen ist klar: Der Tod könnte überall lauern. Ein Gedanke beginnt zu reifen: War es vielleicht doch kein Zufall, dass die beiden Familien zur gleichen Zeit in der gleichen Finca gelandet sind?

Der vollkommene Urlaubsthrill

Die Antwort hat Bestsellerautor Till Raether in seinen brillanten Psychothriller "Meeresdunkel" gepackt, erschienen bei Rowohlt und Argon und gelesen von Eva Becker und Peter Lontzek. Zwei Familien, ein Ferienhaus - und ein tödliches Geheimnis: Ein starker Plot braucht nicht mehr, zumindest wenn er im Kopf von Raether erdacht wurde. Anfangs sieht es nach einem Holliday-Feel-Good-Roman aus. Zugegeben, mit recht schrägen Charakteren. Dann dreht die Stimmung. Und urplötzlich verwandelt sich die Ferienidylle in einen düsteren Mordschauplatz - mit einer noch dunkleren Vergangenheit.

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Becker und Lontzek geben den Figuren Tiefe, Sympathie, laden zum Schmunzeln und Stirnrunzeln gleichermaßen ein. Man fühlt die unheimliche Stimmung, bekommt Gänsehaut, kann den modrigen, abgestandenen Geruch in der Finca fast schon schmecken ebenso wie den Duft von Paella, Sonnencreme und meeresnasser Haut.

"Meeresdunkel" ist ein Thriller - mit Cliffhanger. So viel sei an dieser Stelle verraten. Ob Henrikes Mantra vom "schönen Urlaub" am Ende Bestand hat, allerdings nicht. Wer im Urlaub auch Thrill haben will, ist bei "Meeresdunkel" absolut richtig!

Quelle: ntv.de

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