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Runen, Nazis, Trolle, Mobbing J. K. Rowling strikes back

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J. K. Rowling schreibt als Robert Galbraith die seit Jahren erfolgreiche Privatdetektiv-Serie um Cormoran Strike. Mehrere Bücher der Reihe wurden von der BBC bereits als Serie verfilmt.

(Foto: Debra Hurford-Brown)

Wenn Nazi-Terror auf homophobes Cyber-Mobbing trifft, ist das kein leichter Stoff. Wenn dieser aber aus dem Hirn von J. K. Rowling stammt, die ihren erfolgreichen Privatdetektiv Cormoran Strike in alle Richtungen ermitteln lässt, verspricht das Spannung, Humor und Charaktere mit Tiefgang.

Strike is back! Und das ist gut so. Der Cormoran Strike ist kein Mann, er ist eine Erscheinung. Ein Mensch, den man, wenn man ihm begegnet ist, nie wieder vergisst. Das liegt zum einem an seinem Äußeren: Er hat im Krieg ein Bein verloren, besitzt die Frisur von Ludwig von Beethoven und auch dessen Gesichtszüge, nur das mittendrin eine Boxernase prangt, die aus Strikes Collegezeit in Oxford stammt. 1,90 Meter groß, Übergewicht, Benson-&-Hedges-Raucher durch und durch sowie Fast-Food-Liebhaber und leidenschaftlicher Pub-Gänger. Da ist aber auch sein Inneres: humorvoll, direkt, pointiert. Beruflich verbissen und ehrgeizig, menschlich ein Teddybär-Typ zum Kuscheln.

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Apropos: Ginge es nach Strike, würde er am liebsten mit Robin Ellacott kuscheln. Die fing vor fünf Jahren, von einer Zeitarbeitsfirma kommend, bei ihm an. Mittlerweile ist die Quereinsteigerin seine Detektei-Partnerin und das Detektivbüro über die Londoner Stadtgrenzen hinaus bekannt. Mal ein Scheidungsfall hier, mal ein kleiner Betrugsfall da. Aber immer wieder kommt auch ein Monsterfall um die Ecke und klopft an die gläserne Bürotür der Detektei Strike & Ellacott. So auch diesmal.

Das Internet vergisst nichts

Ellacott ist im Büro, als ein menschliches Wrack die Dienste der Detektei in Anspruch nehmen will: Edie Ladwell, Mitentwicklerin der überraschend erfolgreichen Animationsserie "Das tiefschwarze Herz". Ladwell wird gemobbt. Seit Jahren. Tief, tief unter der Gürtellinie. Ein Grund ist der Erfolg der ehemaligen Undergroundserie, die von Youtube mittlerweile bei Netflix gelandet ist und nun für die große Kinoleinwand inszeniert werden soll. Die Fans der Serie sind empört, allen voran die Nutzer eines von Anhängern der Serie erschaffenen Onlinespiels. Wie die Serie spielt es auf dem Highgate Cemetary.

Und dort wird Ladwell kurz nach dem Besuch in der Detektei auch ermordet. Ein Unbekannter sticht sie mit einer Machete ab, verletzt ihren Ex-Partner und Co-Entwickler zudem schwer. Wer steckt hinter dem feigen Anschlag? Ladwells Familie und die Filmfirma aus Hollywood beauftragen Strike und Ellacott mit der Suche nach dem Täter und den Hintergründen. Und die Detektei setzt alle Hebel in Bewegung.

Strike und Ellacott beleuchten Ladwells Familie, aktuelle und ehemalige Freunde, geschasste Mitarbeiter. Sie landen aber immer wieder beim Onlinespiel, wo sich einer der führenden Köpfe rühmt, Ladwell ermordet zu haben. Er heißt Anomie. Aber wer sich hinter dem Usernamen verbirgt, weiß keiner. Auch die anderen Moderatoren des Spiels tappen im Dunkeln oder geben es zumindest vor.

Nazi-Runen und Fascho-Trolle

Es gibt Gerüchte, dass eine rechte Terrorgruppe, ein Kennzeichen sind tätowierte Runen, das Spiel unterwandert hat und die dortigen Chaträume zur Planung von Anschlägen nutzt. Ist Ladwell ihnen auf die Schliche gekommen? Musste sie deshalb sterben? Oder hat sich doch ein ehemaliger Mitarbeiter an ihr gerächt, der mittlerweile selbst ein Youtube-Star geworden ist, basierend auf makabren Scherzen und rassistischen Äußerungen? Strike lässt ihn überwachen.

Ellacott verschafft sich als User Zugang zum Game und versucht über diverse Chats mehr zu erfahren. Doch dann wird auf die Detektei ein Briefbombenanschlag verübt, das Büro zerstört und Strike überlebt nur mit viel Glück. Sind die beiden Privatdetektive also auf der richtigen Spur? Wird sie immer heißer? Oder ist der Mörder eher in einer künstlerischen Kommune zu suchen, die ein verschrobener niederländischer Millionär aufgebaut und in der Ladwell zeitweise gelebt, geliebt und gearbeitet hat?

Hörbuch des Jahres!

Strike und Ellacott ziehen an vielen Strippen, bis sie den roten Faden finden, der zur Lösung des Falls, zum Mörder Ladwells und zur wahren Identität Anomies führt. Mehr als 30 Stunden zieht das bei Randomhouse Audio erschienene Hörbuch in den Bann, gelesen von "007"-Synchronstimme Dietmar Wunder. Die Spieldauer ist eine Ansage! Sie könnte einige Hörer auch abschrecken. Aber denjenigen sei gesagt: "Das tiefschwarze Herz" ist jede Stunde, jede Minute, jede Sekunde wert!

Es ist der mittlerweile sechste Fall der Privatdetektivreihe um Cormoran Strike und Robin Ellacott. Entsprungen dem Hirn von "Harry-Potter"-Erfinderin J. K. Rowling, die hier unter dem Pseudonym Robert Galbraith schreibt. Wer zu "Das tiefschwarze Herz" greift, kann also zum einen auf absolute schriftstellerische Expertise bauen und ebenso auf eine der bekanntesten Hörbuchstimmen Deutschlands. Ein perfektes Paket, wenn man den Plot, die knackigen Dialoge und die Charaktertiefer der Hauptprotagonisten und Nebendarsteller miteinbezieht. Man hört einfach gern zu, von der ersten Minute an. Man ist sofort drin im Stoff und gefesselt von der Erzählweise.

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Als Schriftstellerin ist Rowling und damit auch Galbraith eine absolute Menschenfängerin, die bei gesellschaftlich relevanten Themen, die Menschen also unter den Nägeln brennen, immer up-to-date ist. "Das kalte Herz" ist zwar im Jahr 2015 angesiedelt, die Themen Cyber-Mobbing, rechte Terrorzellen, Fake News in sozialen Netzwerken, Internet-Trolle, Onlinespiele-Konsum, Verkauf von Idealen, Gier und fehlende Moral existieren heute aber immer noch, sind sogar noch drängender geworden. Sprich: Rowling/Galbraith hat ein gesellschaftlich heißes Eisen angepackt und in äußerst lesenswerter Pageturner-Manier (Buch erschienen bei Blancalet) umgesetzt. Als Hörbuch ist "Das eiskalte Herz" sogar noch einen Deut besser geraten, der deutschen Stimme Daniel Craigs sei Dank.

Als Menschenfänger agieren aber auch die Figuren der beiden Hauptprotagonisten Strike und Ellacott. Sie fungieren - trotz oder gerade wegen ihrer Ecken und Kanten - als perfekte Sympathieträger. Dass es zwischen den beiden immer wieder knistert und ab und auch mal scheppert, eröffnet eine zweite interessante Ebene: Kriegen sich die beiden? Wenn ja, wann und wie und überhaupt? Hier zu viel zu sagen, wäre, als würde bereits nach fünf Minuten des Hörbuchs der Mörder genannt und die Identität von Anomie verraten werden. Kurzum: Das als spoilern zu bezeichnen, wäre noch untertrieben. Was verraten werden kann, ist aber das: Strike will be back, irgendwann, mit dem siebten Fall.

Quelle: ntv.de

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