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Mittsommer auf Finnisch Das Geheimnis der "Toten im Container"

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Die Ollikainens enführen in die wundersame Welt der Container.

(Foto: picture alliance / dpa)

Finnland ist nicht Skandinavien. Und A. M. Ollikainen ist nicht Arne Dahl oder Jussi Adler-Olsen. Dennoch ist das Thriller-Debüt des finnischen Ehepaars lesenswert – und nicht so platt, wie der Titel es vermuten lässt.

Container sind aus der heutigen globalisierenden Welt nicht mehr wegzudenken. Ohne sie läuft in der weltweit verzweigten und bis ins kleinste Detail verästelten Ökonomie nichts. Rohstoffe, Einzelteile, Vor- und Endprodukte; Autos, Unterhaltungselektronik, Bücher - alles geht in ihnen auf Reisen. Aber wehe, wenn ein solcher Container einmal im Vorgarten steht. Dann ist der Ärger vorprogrammiert. Erst recht, wenn sich im Inneren des stählernen Quaders eine Leiche befindet.

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A.M.Ollikainen ist das Pseudonym des Schriftsteller-Ehepaars Aki (re.) und Milla (li.) Ollikainen.

(Foto: Marja Kokkonen)

Es ist Mittsommer und in Finnland brennt die Sonne gnadenlos vom azurblauen Himmel. Kriminalkommissarin Paula Pihjala schwitzt, als sie auf dem Grundstück der Unternehmerfamilie Lehmusoja ankommt. Sie beäugt den blauen See-Container, der dort herumsteht und so gar nicht ins Bild passen will. Eine tote Frau, dunkelhäutig, befindet sich darin. Ertrunken, denn der Container war mit Meerwasser gefüllt. Was hat das zu bedeuten?

Der Container gehört dem Lehmusoja-Konzern, einem Familienunternehmen, das binnen weniger Jahrzehnte zu einem Imperium herangewachsen ist. Imperium für finnische Verhältnisse. Nichtsdestotrotz: Der blaue Container gehört den Lehmusojas. Und er befindet sich auf deren Grundstück. Und die Lehmusojas haben ein dunkelhäutiges Adoptivkind. Ist das nur der berühmte Zufall? Oder doch eher ein Wink mit dem Zaunpfahl? "Die Tote im Container" gibt Pihjala und ihrem kleinen Team aus Helsinki Rätsel auf, die es zu lösen gilt.

Debüt macht Lust auf mehr

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Erdacht hat sich den Krimithriller das finnische Schriftsteller-Ehepaar A. M. Ollikainen. "Die Tote im Container" ist ihr erster in Deutschland erschienener Roman, ein Bestseller in Finnland, und der Auftakt zu einer Buchreihe um Pihjala und das "Team Helsinki". Mag der deutsche Titel auch banal klingen, hat es das Werk dennoch in sich. "Die Tote im Container" ist ein plot-driven Thriller: Die Story zählt. Damit hebt es sich etwa von den charakter-driven Thrillern ab, wie etwa der "Berger & Blom"-Reihe des Schweden Arne Dahl. Beide Varianten haben ihre Fans und Kritiker.

"Die Tote im Container" muss aber auch über die Story kommen, denn die Charakterzeichnungen von Pihjala und ihrem Team, darunter ein junger Familienvater und ein Homosexueller, lassen noch deutlich Luft nach oben. Auch wenn das Buch plot-driven ist, liegen bei den einzelnen Charakteren noch die Schwächen. Diese gilt es in den weiteren Werken auszumerzen. Paula Pihjala hat bereits ihre Stärken, ist die Sympathieträgerin. Sie beobachtet, denkt und handelt erst dann – aber konsequent. Einschüchterungsversuche? Nicht mit ihr.

Twists und "nice-to-knows"

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Ihr "Sidekick" oder Partner im Dienst ist Aki Renko. Für die beiden ist die Tote im Container der erste gemeinsame Fall. Dass da Dialoge noch vereinzelt holprig wirken … geschenkt. Was dem Leser aber sofort auffällt: Die beiden verstehen sich. Sie können miteinander. Ein Wachsen an ihren Aufgaben, sprich den nächsten Fällen, ist so sicher, wie das Amen in der Kirche oder dass es an Mittsommer in Finnland immer mehrere Ertrunkene gibt. Überhaupt: Ollikainens Buch zeichnet ein wunderbares Bild des Landes und seiner Einwohner. Untypischerweise spielt es nicht im knirschend-kalten Winter, dessen Dauerdunkelheit viele zur "Finlandia"-Flasche greifen lässt. Stattdessen eitel Sonnenschein und Finnen, die schwitzen und Sonnenbrand bekommen, sobald sie ihre Häuser verlassen. Das Lieblingsaccessoire ist diesmal nicht die Wodka-Flasche, sondern die Ray Ban. Sitzt sie nicht auf den Augen, ist sie elegant ins Haar oder auf die Glatze geschoben oder ruht leger hängend im offenen Hemdkragen.

Ein bisschen Klischee darf dennoch sein: Till Lindemanns Rammstein darf in einem in Finnland, diesem rock- und metalverliebten Land nicht fehlen. Für das dazu passende coole Schmunzeln ist der Leser verantwortlich. Der irrt anfangs etwas umher, aber als der Plot Fahrt aufnimmt und nach Namibia führt, haben die Ollikainens den Lesenden am Haken – und lassen ihn bis zum Ende auch nicht mehr von der Angel. Twists, ein filmreifes Highnoon am Ende sowie ein perfekter Cliffhanger zeichnen den Plot aus. Dazu erfährt der Leser jede Menge "nice-to-knows" über Namibia, die Rolle der Finnen dort – und Container. Es braucht dazu nur eine Leiche.

Quelle: ntv.de

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