Musik

Bastille sind zurück "Die Revolution kommt halt nicht wie erhofft"

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(Foto: Universal Music)

Drei Jahre sind vergangen, seit die Band Bastille mit ihrem Debütalbum "Bad Blood" international Erfolge feierte. Mit Songs, die mit ihrer Hymnenhaftigkeit schon damals nach Stadien verlangten, spielen Dan Smith, Kyle Simmons, Chris Wood und Will Farquarson mittlerweile tatsächlich die ganz großen Gigs. Jetzt ist das zweite Album der Band fertig. Im Gespräch mit n-tv.de erklären Bastille, wie viel Konzept hinter ihren Ohrwürmern steckt und wieso es derzeit manchmal komisch ist, Brite zu sein.

n-tv.de: Euer Debütalbum war ein Megaerfolg. Seit der Veröffentlichung sind drei Jahre vergangen. Habt ihr euch manchmal Sorgen gemacht, dass das neue Material nicht mehr so gut ankommt?

Chris Wood: Macht man vermutlich immer ein bisschen. Wir haben versucht, aufregende Musik zu produzieren, hoffentlich gefällt es den Leuten.

Dan Smith: Als wir die neuen Songs den Sommer über auf Festivals gespielt haben, wurden wir jedenfalls nicht ausgebuht.

Chris: Ich wurde mal mit einem Schoko-Muffin abgeworfen. Der ist auf meinem Schlagzeug explodiert!

Dan: Ha, brotiges Konfetti! (grinst zufrieden) Aber mal im Ernst: Wir wollten mit den neuen Songs Hörgewohnheiten aufbrechen und das ist uns auch gelungen.

Was heißt das konkret?

Dan: Ich meine zum Beispiel schmissige Songs mit deprimierendem Text. "Good Grief", unsere Leadsingle, klingt euphorisch, aber es geht um Trauer und Verlust.

Dazu gibt es auch ein abgedrehtes Video. Dein Kopf, Dan, spielt darin eine wesentliche Rolle - allerdings ohne Körper. Es gibt einen Banküberfall und nackte Brüste. Was ist die Geschichte hinter diesem Bewegtbildwahnsinn?

Dan: Grundsätzlich wollen wir einen Song mit dem dazugehörigen Musikvideo nie erklären. Wir mögen es, wenn er mehr von den Bildern begleitet wird. Bei "Good Grief" sollte es ein bisschen irre aussehen, auf jeden Fall befremdlich und offen für Interpretation. Wir versuchen, Bilder zu kreieren, die man so noch nicht kennt. Einfach so als Band in einem Raum spielen und das filmen, ist doch langweilig.

Du hast dich in deiner Bildsprache immer gern von Kinofilmen inspirieren lassen ...

Dan: Das stimmt. Ich mag besonders gern prätentiöse Filme. In "Eraserhead" gibt es zum Beispiel eine Szene, in der ein Kopf auf dem Küchenboden liegt.

Da bist du ja sofort wieder bei David Lynch gelandet. Einer der ersten Songs, der mir von euch einfällt, ist "Laura Palmer". Welcher Regisseur darf denn als nächstes als Inspirationsquelle herhalten?

Dan: Ach, bei unserem ersten Album war die Lynch-Nummer einfach eine hervorragende Geschichte, um nicht von uns selbst erzählen zu müssen. Wir wollten einfach lieber über Filme und Serien reden, die wir mögen.

Offensichtlich düstere! Scheint eine Richtung zu sein, die euch auch musikalisch gefällt.

Dan: Wir wollen von Dingen erzählen, die man so nicht oft zu hören bekommt - und zwar mit Alternative-Pop. Die Welt kann einem manchmal ziemlich abgefuckt vorkommen. All die Grausamkeiten, von denen die Medien so berichten - das kann einen überwältigen.

Kyle Simmons: Im Song "Warmth" geht es genau darum: Man guckt Nachrichten, sieht, was alles in der Welt passiert. Das wirkt so niederschmetternd. Da kann man sich schon mal hilflos fühlen.

Dan: Ich glaube, jeder empfindet gelegentlich so. Die Frage ist: Wie gehst du damit um? Schluckst du es runter, gehst du aus und betrinkst dich oder machst du einfach weiter mit deinem Leben und versuchst, nicht darüber nachzudenken?

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"Wild World" ist nach "Bad Blood" das zweite Studioalbum von Bastille.

(Foto: Universal Music)

Ihr habt derzeit ja ganz schön ärgerliche Nachrichten zu verdauen: Großbritannien verlässt die Europäische Union. Am Tag nach dem Brexit-Votum habt ihr auf dem legendären Glastonbury Festival gespielt. Bei einem Auftritt habt die Lyrics zu "Pompeii" zur Situation passend abgewandelt.

Dan: Da kann man echt nicht zu schweigen. Glastonbury ist unser absolutes Lieblingsfestival und dann passiert diese niederschmetternde Sache, die unser Leben so gravierend verändern wird. Niemand von uns wollte, dass das so kommt. (stockt) Aber es ist schwierig, als Musiker über Politik zu sprechen. Man klingt immer wie ein verdammter Idiot oder wie ein selbstgerechter Trottel.

Kyle: Die Sache ist auf menschlicher Ebene ernüchternd. Ich bin mir sicher, dass es so viele Freundschaften gibt, die nur deswegen bestehen, weil die europäischen Staaten zusammengerückt sind. Die Entscheidung jetzt fühlt sich an, wie ein Schritt zurück.

Dan: Aber so funktioniert eben Demokratie.

Will Farquarson: Tja, ihr kennt ja die Geschichte von Sokrates. Er war einer der größten Denker aller Zeiten und der Mob hat ihn vernichtet. Aber wie Churchill mal gesagt hat: Demokratie ist die schlechteste aller Regierungsformen - abgesehen von all den anderen.

Hat sich denn für euch seit der Entscheidung schone etwas verändert?

Kyle: Die ganze Brexit-Debatte hat so viel Hass gebracht. Rassisten haben jetzt keine Hemmungen mehr, ihren Rassismus zu zeigen. Die glauben, sie leben in einem Land, das sich von anderen Kulturen abgrenzen will. Menschen, die seit 20 oder 30 Jahren in Großbritannien leben, sind plötzlich Anfeindungen ausgesetzt.

Chris: Interessant ist doch, dass es gerade überall auf der Welt diese Tendenzen gibt, sich abzugrenzen. Man braucht ja nur mal nach Amerika gucken. Die Leute sind korrumpiert vom Kapitalismus, von all dem Luxus des 20. Jahrhunderts.

Dan: Die Revolution kommt - halt nur nicht die, auf die wir gehofft hatten. Es ist so eine seltsame Zeit, um Brite zu sein.

Dafür gibt es andere Sachen, auf die ihr gerade ein bisschen stolz sein könnt.

Dan: Stimmt. Wir haben da jetzt echt ein paar Pop-Songs zusammen, auf die wir sehr stolz sind.

Ha, du hast ja gerade Pop gesagt. Ist das das Genre, dem ihr euch selbst zuordnet?

Dan: Ich finde, alles kann Popmusik sein. Große Nirvana-Songs sind Popmusik. Es ist spannenderweise ganz vom Land abhängig, welches Label einem verpasst wird. In den USA sind wir eine coole Alternative-Band, in Großbritannien sind wir mehr Mainstream, in Deutschland sind wir wieder etwas anderes.

Will: Musik sollte für sich stehen. Dafür braucht es keine Labels, keine Zugehörigkeit.

Aber wenn man seine Platten nach Genre sortiert ...

Will: Wenn man sich zu viele Gedanken darüber macht, was die Leute von der Musik halten werden, kann man nichts authentisches mehr produzieren.

Dan: Wir schreiben unsere eigenen Songs, spielen die Instrumente, eigentlich machen wir alles selbst. Hoffentlich kommt ein denkwürdiges Ergebnis dabei heraus.

Mit Bastille sprach Anna Meinecke.

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Quelle: ntv.de

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