Musik

Genug von "Billie Jean" & Co Es geht auch ohne Michael Jackson

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Michael Jackson war ein Ausnahmekünstler. Das sollte ihn nicht vor Kritik schützen.

Auch schlechte Menschen können gute Kunst machen. Nur wie geht man damit um? Zehn Jahre nach dem Tod von Michael Jackson steht der "King of Pop" in der Kritik wie nie zuvor. Zeit, nicht mehr permanent seine Hits zu spielen.

Man muss den Künstler von der Kunst trennen, sagen die Leute - und damit machen sie es sich herrlich leicht. Als ob das einfach so möglich wäre! Michael Jackson ist eine Legende. Er hat nicht nur drei bis sieben unsterbliche Partyhits zu verantworten. Er hat mit seiner Stimme, seinem Tanzstil, seiner Gesamtinszenierung Kultur geprägt wie kaum ein anderer. Er hat andere Künstler inspiriert, für deren Werk wir dankbar sind. Er hat Leben berührt. Es sollte keine Überraschung sein, dass auch schreckliche Menschen schöne Dinge tun können. Aber es fühlt sich eben nicht so gut an, wenn der Lieblingssong von einem Pädophilen stammen könnte und deswegen fühlen sich nicht nur Hardcore-Fans auch so verdammt angegriffen.

Michael Jackson hat herausragende Musik gemacht und er hat vermutlich Kinder missbraucht. Beides wissen wir seit ewigen Jahren. Dafür spielt es übrigens auch keine Rolle, ob Wade Robson und James Safechuck, die Männer aus dem viel beachteten Dokumentarfilm "Leaving Neverland", die Wahrheit gesagt haben. Niemand bestreitet, dass Jackson sich ins Leben der Familien dieser Kinder eingewoben hat, dass er ihnen mit Geschenken Gefallen abgerungen und dass er mit ihnen Nacht für Nacht das Bett geteilt hat. Über viele Details lässt sich in Zusammenhang mit Jackson streiten. Darüber, dass er einen Umgang mit Kindern pflegte, die kein verantwortungsbewusster Erwachsener jemals hätte tolerieren dürfen, nicht.

Missbrauch kann nicht entschuldigt werden. Was wir als Gesellschaft konsumieren und zelebrieren, steht in direkter Verbindung mit den Werten, für die wir stehen wollen. Wir können die Erinnerung an Michael Jackson nicht tilgen. Kulturgeschichte ungeschehen machen zu wollen, ist sogar hoch problematisch. Michael Jackson ist zu groß, zu besonders, zu streitbar, um nicht über ihn zu reden. Allerdings wird man einem Gespräch über seine Kunst immer voranstellen müssen, was wir abseits seiner musikalischen Unternehmungen über ihn wissen. Und das wird die Bedeutung seiner Musik verändern.

Nicht mal seine Opfer wollen Michael Jackson als Monster zeichnen - jedenfalls nicht nur. In "Leaving Neverland" nennt Safechuck Jackson "einen der nettesten, sanftesten, warmherzigsten, liebevollste Menschen", die er je kannte. Wir wollten nie zugeben, dass unsere Helden fehlbar sind. Deswegen haben wir sie weitermachen lassen. Das ändert sich gerade - und es ist anstrengend. Wie aber können wir nach all dem, was wir über Jackson erfahren haben, bewusst die Entscheidung treffen, seine Songs zu spielen oder dazu zu tanzen? Das kann sich unmöglich gut anfühlen.

Quelle: n-tv.de

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