Musik

Neues Album "This Wild Willing" Glen Hansard rettet wieder Leben

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Ire mit Songs, die einfach nur gut tun: Glen Hansard.

(Foto: imago/MediaPunch)

Beim Blick in die Charts bezweifeln viele Fans von Rock und gutem altem Pop, dass aktuelle Musik noch hörbar ist. Doch da gibt es den wunderbaren Oscar-Preisträger und "Commitments"-Star Glen Hansard, der nun mit neuem Soloalbum auf Deutschland-Tour geht.

Wer nicht mehr für Klassenarbeiten büffelt, nicht gerade im Hip Hop zu Hause ist und Musik nicht vorrangig dafür braucht, um sich von seinen Eltern abzugrenzen, ja, was kann der - oder die - eigentlich noch für Musik hören? Die Charts jedenfalls bieten schon lange keine Anhaltspunkte mehr. Aber wer sich nach Melodien, nach Tiefe, nach gutem Songwriting sehnt, für den gibt es da etwas im Plattenladen - oder Streamingdienst des Vertrauens: Glen Hansard.

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Der mittlerweile 49-jährige Ire hat nun mit "This Wild Willing" sein viertes Soloalbum vorgelegt. Auf mehr als einer Stunde Spielzeit breitet er darauf zwölf Songs aus, die einfach nur gut tun. Man legt die CD ein, die Platte auf oder drückt einfach Play und kann sich wie immer bei Hansard darauf verlassen, dass hohe Qualität aus den Boxen kommt. Da sind die wunderbaren Arrangements, die perfekt eingesetzte Trompete, das lässige Klavier im Hintergrund, die Klangfarben seiner Stimme. Das neue Album ist eine Auszeit aus dem Krach und dem Stress des Alltags, es kommt überraschend leise daher.

Melodien, die nicht ausgelutscht klingen

Dass der Sänger einst als 18-Jähriger im Kult-Musikfilm "The Commitments" (1991) die Gitarre spielte und mit "Dublin-Soul" ungeahnte Hüftbewegungen provozierte, wirkt im Vergleich zu den aktuellen Aufnahmen fast wie eine Jugendsünde. Nur, dass es keine Sünde war. Aber auch die sensationell-großartigen Songs des Soundtracks für die Kino-Romanze "Once" (2007) klingen nun kaum noch an. Für die Ballade "Falling Slowly" hatte er mit seiner Film- und dann auch Lebenspartnerin Marketa Irglova den Oscar gewonnen.

Glen Hansard auf Deutschland-Tour 2019

8. Mai Köln, Philharmonie

9. Mai Frankfurt am Main, Alte Oper

16. Mai Berlin, Admiralspalast

17. Mai Berlin, Admiralspalast

19. Mai Berlin, Admiralspalast

Das ist lange her und die beiden gehen schon lange getrennte Wege. Doch seitdem ist jedes neue Album von Hansard ein Ereignis. Großartig war die erste Solo-Platte "Rhythm and Repose" (2012), deren Songs leicht und tief zugleich waren, wunderbare Melodien und Refrains aufwiesen ("High Hope"), die ins Ohr gingen, ohne ausgelutscht zu klingen. Lieder, die aus den Tiefen der Seele kommen, ohne teenagerhaft vor Pathos zu triefen. Hansard hat die seltene Gabe, Songs zu komponieren, die aktuell klingen und trotzdem diejenigen glücklich macht, die das Gestrige lieben.

Das folgende Album "Didn't he Ramble" hatte etwas von einer Fortsetzung, war aber spürbar leiser. Doch die Mischung funktionierte noch immer. Stücke wie "Wedding Ring" mit ihrem entspannten Groove, die plötzlich einsetzende irische Tanzmelodie am Ende von "McCormack's Wall", das war Glen Hansard at its best. Wieder drei Jahre später folgte dann "Between two Shores" (2018) und damit ging es weg von den eher sparsamen Arrangements, hin zu mehr Wums. Hansard vertraute auf die Power einer Liveband, die Songs haben mehr Sonne in sich, die einsamen Momente an der Gitarre sind seltener.

Es braucht zwei, drei Runden - aber dann

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This Wild Willing
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Nun also "This Wild Willing". Und wieder ist Hansard auf die Bremse getreten. Und wie: Über weite Strecken flüstert er nur, erst das allerletzte Stück "Leave a Light" erinnert an die früheren Alben. Stattdessen eröffnet Hansard das Album mit einem Beat, der programmiert klingt, aber tatsächlich vom eher unbekannten Queen-Song "Cool Cat" vom Album "Hot Space" (1982) stammt. Die Stücke sind atmosphärischer, Hansard vertraut auf viele verschiedene Musiker, reiche Arrangements, langsam aufbauende Spannung.

Auf einem großen Foto im Inneren des Album-Booklets ist Hansard zu sehen, wie er einen riesigen Haufen aus Zweigen, Ästen und Blättern aufschichtet - offenbar um es anzuzünden. Das passt zu dem Album - Hansard hat alte Gewohnheiten zurückgelassen, vielleicht sich gar vom Ballast befreit? Es ist etwas Neues entstanden und das fühlt sich genau richtig an, denn so gut alles Vorangegangene war, mehr vom Gleichen ist selten eine gute Idee. "Don't settle" ruft Hansard dann auch zu Beginn des Albums seinem Publikum zu. Es ist kein Album, das sich beim ersten Hören erschließt, es braucht zwei, drei Runden, bis man ganz auf "This Wild Willing" ankommt. Aber dann sind auch diese zwölf Songs wieder solche, die manch einem in Zeiten der Krise das Leben retten können.

Quelle: n-tv.de