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Prinz Pi: "Ich will einfach nur ehrlich und authentisch rüberkommen."
Prinz Pi: "Ich will einfach nur ehrlich und authentisch rüberkommen."(Foto: Keine Liebe Records)
Samstag, 04. November 2017

Prinz Pi erhellt das Rap-Dunkel: "Nur die wenigsten rappen besser als ich"

Vor den goldenen Toren des Deutschrap-Olymps parken Ferraris und aufgemotzte Geländewagen. Überall rennen leichtbekleidete Frauen rum. Ein Blick durchs Schlüsselloch verrät: Wer sich hier heimisch fühlt, der blickt auf den Rest der Gesellschaft herab. Begrüßt wird jeder mit denselben Worten: "Was guckst du?" schallt es Freund und Feind entgegen.

Friedrich Kautz alias Prinz Pi kann über derartige Zustände nur schmunzeln. Der Rapper aus Berlin-Kreuzberg hat mit dem breitbrüstigen Gehabe seiner Kollegen schon lange nichts mehr am Hut. Spätestens seit der Geburt seines ersten Kindes im Sommer 2009 setzt Prinz Pi in puncto Musik und Attitüde andere Prioritäten. Die Beats und Rhymes wurden zunehmend massentauglicher. Der Lohn: drei Nummer-1-Alben in Folge. Dieser Tage veröffentlicht Prinz Pi sein neues Studiowerk "Nichts war umsonst". n-tv.de traf den zum Hip Pop konvertierten Storyteller in Berlin zum Interview und plauderte mit ihm über Protestwähler, meckernde Rap-Kollegen und Mark Forster.

n-tv.de: Friedrich, dein neues Album trägt den Titel "Nichts war umsonst". Nach dem eher düsteren Vorgänger kommst du jetzt sowohl musikalisch als auch inhaltlich mit der geballten Hoffnung um die Ecke. Wie kommt's?

Prinz Pi: Jedes neue Album spiegelt ja irgendwie einen bestimmten Lebensabschnitt wider. Diesmal war es einfach so, dass ich mich während des Produktionsprozesses immer wieder gefragt habe: Ist diese ganze Panikmache eigentlich berechtigt? Müssen wir Angst um alles und jeden haben? Müssen wir uns tagtäglich darüber auskotzen, dass die AfD so einen Schub bekommen hat? Ich habe das große Ganze einfach ein bisschen intensiver hinterfragt. Schlussendlich war meine Antwort: Nein, müssen wir nicht. Punkt.

Warum nicht?

Weil die Relation nicht stimmt. Beispiel: Natürlich ist es besorgniserregend, dass eine Partei wie die AfD mit einem zweistelligen Wahlergebnis ins Parlament einzieht. Aber wir alle wissen doch auch, dass ein Großteil der AfD-Wähler nur aus Protest gehandelt hat. Medial kommt es allerdings so rüber, als stünde Deutschland vor dem Abgrund. Dabei ist das totaler Quatsch. Es gibt so viele tolle Entwicklungen in unserem Land, über die aber niemand spricht.

Zum Beispiel?

Wir haben die geringste Arbeitslosenquote seit der Wende. Der Dax steht derzeit bei 13.000 Punkten. Die Wirtschaft ist stabiler denn je. Hallo? Ich finde, man könnte durchaus sagen: Das feiern wir jetzt erstmal eine Woche. So läuft es aber leider nicht. Statt eine Lobeshymne anzustimmen, wird nur rumgemeckert. Das finde ich problematisch. Ich bin ein Mensch, der sich lieber mit den positiven Dingen im Leben beschäftigt. Das heißt jetzt nicht, dass ich vor all den nicht so tollen Entwicklungen die Augen verschließe. Aber wenn ich mich umgucke, sehe ich einfach viel mehr Licht als Schatten.

Deine Positionierung als heller Lichtschweif im ellbogengesteuerten Dunkel der Deutschrap-Szene hat dir in den letzten Jahren nicht nur Freunde eingebracht. Während dich der Mainstream mehr und mehr abfeiert, zeigen viele Deutschrap-Fanatiker mit dem Daumen nach unten. Hinterlässt das Spuren bei dir?

Nicht wirklich. Es wird immer Leute geben, die was zu meckern haben. Mich tangiert das aber nicht. Sicher, ich könnte mich jetzt auch hinsetzen und haufenweise Superlative-Reime aus den Ärmeln schütteln. Aber das bin ich nicht. Mir ist es völlig schnuppe, wie viele Pumpguns einer daheim im Schrank zu stehen hat oder wie viele Nutten einer am Laufen hat: Besser rappen als ich können nur die wenigsten dieser harten Jungs. Fakt ist: Ich komme nun mal nicht aus einem Milieu, in dem man als Kind abends ins Bett fällt und von einer Laufbahn als rappender Kokain-Dealer träumt. Ich bin in einem bürgerlichen Bildungshaushalt groß geworden. Wir hatten auch nicht viel Geld, aber dafür jede Menge Bücher.

Auf deinem neuen Album ist auch Bosse zu hören. Der soll ja privat auch viel lesen.

Ja, das stimmt. (lacht) Wir sind uns schon ziemlich ähnlich. Ich denke, wenn Bosse rappen würde, wäre er der perfekte Prinz-Pi-Klon. Mir ist es bei den Gästen immer wichtig, Leute am Start zu haben, mit denen ich auch menschlich etwas anfangen kann. Bosse kenne ich einfach schon seit Jahren. Da lag es natürlich auf der Hand, irgendwann auch mal musikalisch was gemeinsam auf die Beine zu stellen.

Mark Forster zählt auch zu deinen Buddies?

Bei Forsti lief das anders. Der ist ein enger Freund meines Produzenten. Ich selbst kannte ihn vorher nicht. Mittlerweile bin ich aber voll im Bilde und kann sagen: Mark Forster hat's richtig drauf. Er ist ein total angenehmer Zeitgenosse, immer gut drauf, und er hat eine krasse Stimme. Das passte innerhalb des Songs "Das Original" einfach super zusammen.

Man wühlt sich ja als Hörer immer sofort ins Vergleiche-Archiv, wenn man mit neuer Musik konfrontiert wird. In deinem Fall habe ich nicht viel gefunden. Wer oder was inspiriert dich musikalisch?

Ich orientiere mich da eher an Büchern oder Filmen. Das Gelesene oder Gesehene versuche ich dann in Musik umzuwandeln.

Verstehe. Dein neues Album: Welches Buch? Welcher Film?

Das Album "Nichts war umsonst" ist ab sofort erhältlich.
Das Album "Nichts war umsonst" ist ab sofort erhältlich.(Foto: Keine Liebe Records)

(lacht) Erich Kästners "Fabian" wäre wohl das Buch. Ein toller Gesellschaftsroman mit autobiografischen Zügen. Und der Film … Das ist schon schwieriger. Da würde ich mich wahrscheinlich für "Spur der Steine" entscheiden. Das ist so ein alter DDR-Film mit Manfred Krug in der Hauptrolle.

Kultureller Input fernab des Deutschrap-Standards.

Gut möglich. Sogar wahrscheinlich. Aber wie gesagt: Mich juckt Kritik von außen nicht. Ich will einfach nur ehrlich und authentisch rüberkommen. Und wenn ich viel lese und bestimmte Filme gucke, dann spiegelt sich das natürlich auch in meinen Texten und in meiner Musik wider.

Respekt. Find ich gut. Weitermachen!

Danke. (lacht) Ist notiert.

Mit Prinz Pi sprach Kai Butterweck

Das Album "Nichts war umsonst" bei Amazon bestellen oder bei iTunes downloaden

Quelle: n-tv.de

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