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Bruce Springsteen wird 70 Wir brauchen dich, Boss!

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Kult! Ein Mann und seine E-Gitarre - Springsteen in Ostberlin am 21. Juli 1988.

(Foto: dpa)

Als Musiker, Sänger und Texter hat kaum einer den "American Dream" so durchleuchtet wie er, die Schattenseiten, die Verheißungen, die Liebe und das Leid. Weltweit hat ihm sein Schaffen Legenden-Status eingebracht - völlig zu Recht. Jetzt feiert Bruce Springsteen seinen 70. Geburtstag.

Bruce Frederick Joseph Springsteen wird am 23. September 1949 in Long Branch, New Jersey, geboren, seine Eltern Douglas und Adele sind streng katholisch, zwei Geschwister folgen ihm, beides Mädchen. 70 Jahre später ist der einstige Problemschüler einer der größten Rockstars des Planeten. Nimmt man einmal diese runde Zahl zum Anlass und schaut auf die verschiedenen Phasen seiner Karriere, dann bilden die Dekadenschritte seine Entwicklung ziemlich passend ab: Aufstrebender Songwriter in den 70ern, Superstar in den 80ern, Sinnsuchender in den 90ern, Nationalheld in den 00ern - und heute eine der Ikone der Rock-Geschichte überhaupt.

Dass er als derartige Lichtgestalt immer einer von der Straße geblieben ist, ein Held zum Anfassen, ein verständnisvoller Begleiter, Kommentator, Ideengeber, dafür haben all seine vertonten Geschichten über die Jahre gesorgt, darin viele der gebrochenen Helden des amerikanischen Traums, aber immer auch jene Empathie und Nähe, aus denen seine Fans immer wieder Kraft schöpften. Die dafür sorgten, in Springsteen nicht nur einen Rockmusiker mit einem Händchen für euphorisierende Melodien zu sehen, sondern einen der ihren, einen Kumpel, einen Motivator, einen Tröster - und eben einen, nein, DEN Boss.

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Der Boss macht auch im Anzug eine gute Figur.

(Foto: dpa)

Wer in diesen Tagen den Geheimnissen in Springsteens Texten auf die Spuren kommen will, greift womöglich zu den soeben erschienenen Übersetzungen aus der Feder von Heinz Rudolf Kunze. 100 Songs hat Kunze sich vorgenommen, sie mit viel Liebe und Engagement ins Deutsche übersetzt und ist dem Kern der Persona Springsteen - und seinem Narrativ - womöglich ein Stück näher gekommen, wie er im Interview mit dem "Rolling Stone" erzählte: "Springsteen benutzt die Sprache als Transportmittel für Szenen, Bilder, traumartige Hörfilmsequenzen, er denkt eher cineastisch als linguistisch, in vielen seiner Songs könnte man den handelnden Personen Gesichter wie James Dean, Marlon Brando, Montgomery Clift oder Robert Mitchum zuordnen."

Aber auch ohne detaillierten sprachlichen Zugang waren und sind Springsteens Lieder immer Geschichten gewesen, die man fühlen konnte, die einen direkten Weg ins Unterbewusstsein suchten, um dort einen Platz für die Ewigkeit zu finden. Die hoffnungsvollen Liebenden aus "Born To Run" oder "Tunnel Of Love", die tragischen Heimkehrer in "Downbound Train" oder "Gypsy Biker". Die hungrigen Herzen, die Tänzerinnen und Tänzer im Dunkel, die Finsternis am Rande der Stadt, all die Flüsse, die einsamen Städte entlang der Highways. Wendy, Jenny und Mary Lou, Outlaw Pete, James, Danny, Little Jack und all die anderen.

Einer von uns - sowas von!

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Doch nicht nur die poetische Seite macht sein Schaffen aus, Springsteens hochgekrempelte Ärmel finden immer wieder dort einen Platz im täglichen Leben, wo es gilt, Stellung zu beziehen. Legendär ist die Geschichte vom Autofahrer in Sea Bright, der Springsteen nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 auf der Straße anspricht: "Bruce, wir brauchen dich!".

Und Springsteen nimmt diese Worte auf, um mit "The Rising" ein Hoffnung spendendes Album zu veröffentlichen. Auch in der Folge packt Springsteen an, unterstützt Barack Obama etwa im Wahlkampf. Als späterer US-Präsident schließlich weiß auch Obama die Hierarchie zwischen beiden richtig einzuschätzen: "Ich bin der Präsident - aber er ist der Boss".

Zuletzt hatte Springsteen zwei Seiten von sich gezeigt, die seinen Fans bislang eher unbekannt waren. Da war zum einen die Geschichte langanhaltender Depressionen. In seiner 2016 erschienenen Autobiografie "Born To Run" erzählte der Musiker zum ersten Mal - und das überaus ausführlich und schmerzhaft ehrlich - von seinen immer wiederkehrenden seelischen Problemen. Zum anderen sein Engagement am Broadway, als Raconteur mit jener Kondition, die immer schon seine zuweilen vier Stunden langen Konzerte auszeichnete: Im Walter Kerr Theatre stand er sage und schreibe 230 Mal auf der Bühne, um vor ausverkauftem Hause von seinem Leben zu erzählen - und zu singen natürlich.

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Springsteen und seine Frau Patti Scialfa 2017 in New York nach der Premiere von "Springsteen On Broadway".

(Foto: dpa)

Es passt in die Zeit, dass just ein Film in den Kinos läuft, der auf höchst unterhaltsame Weise von der Kraft eben jener Springsteen-Klassiker erzählt. "Blinded By The Light" von der Regisseurin Gurindher Chadra erzählt die Geschichte eines erfolglosen Jungautors im englischen Luton, der schließlich Springsteens Lieder entdeckt und aus ihnen die Kraft zieht, um es endlich "zu schaffen".

Und während der Boss selbst in diesen Tagen die Huldigungen zum runden Geburtstag entgegennimmt, dürften seine Fans weltweit mit einem Auge bereits Richtung 2020 gucken. Für das nächste Jahr nämlich hat Springsteen nach dem Orchesterpop-Album "Western Stars" in diesem Jahr endlich wieder eine neue Platte zusammen mit seiner legendären E-Street-Band angekündigt. Wie hatte es sein späterer Manager Jon Landau damals nach einer Show so treffend konstatiert: "Ich habe die Zukunft des Rock'n'Roll gesehen, ihr Name ist Bruce Springsteen."

In diesem Sinne: Happy Birthday, Boss. Keep running. Wir brauchen dich!

Quelle: n-tv.de

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