Musik

"Peace x Peace" - Festival "Wir wurden an die Hand genommen"

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Fetsum Sebhat und Teddy Tewelde - zwei äußerst bescheidene Helden!

(Foto: PhilipNuernberger)

Ja, Adel Tawil und Lena Meyer-Landrut sind dabei. Für Adel Tawil wird es übrigens der einzige Auftritt in Berlin dieses Jahr sein! Lena Meyer-Landrut hingegen feiert tatsächlich ihre Live-Premiere beim diesjährigen PxP Festival. Und Backstage kocht Tim Mälzer ein ganz besonderes TV-Süppchen - er übernimmt die Moderation hinter der Bühne. Eines steht jetzt schon fest: Strahlende Augen und jede Menge Spaß sind sicher, die Veranstalter haben auch in diesem Jahr wieder für einen mächtigen Almauftrieb gesorgt. Am 1. Juni performen neben Lena Meyer-Landrut und Adel Tawil Künstler*Innen wie Gentleman, Silbermond, SDP, Alligatoah, Fettes Brot, Drangsal, Matthias Schweighöfer, Die Orsons, Nico Santos, Megaloh, Ilira, Lea, Alli Neumann, Chefket, Lary und garantiert noch andere auf der Parkbühne Wuhlheide in Berlin, um sich gemeinsam für Kinder einzusetzen. Für den guten Zweck verzichten die Musiker komplett auf ihre Gage. Der Reinerlös des Festivals kommt der Kindernothilfe- und Bildungsprojekten von Viva con Agua, Unicef sowie der PxP Embassy e.V. zugute. In den vergangenen Jahren besuchten rund 40.000 Gäste das PxP Festival, um SEEED, Beatsteaks, Herbert Grönemeyer, die Fantastischen Vier oder die Beginner zu sehen. Dabei wurde ein Reinerlös von insgesamt über 800.000 Euro erzielt. Bisher konnten mit diesen zur Spende gewandelten Einnahmen über 100.000 Kinder in Krisengebieten wie Syrien, Irak, Somalia und Jordanien, sowie benachteiligte Kinder in Deutschland unterstützt werden. Mit den Festival-Organisatoren Fetsum Sebhat und Teddy Tewelde spricht n-tv.de über das, was sie am glücklichsten macht und über ihre Hoffnungen.

n-tv.de: Was braucht man eigentlich am meisten, wenn man so ein Riesenfestival stemmt, auf dem alle Künstler ohne Gage auftreten?!

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Lena ist dabei! Großartig!

(Foto: imago images / Future Image)

Fetsum: Glück und Nerven (lacht). Und gute Kontakte. Wir haben in den letzten Jahren viel gelernt. Wir sind aber total glücklich, dass wir das machen, was wir machen. Wir sind ja keine klassischen Veranstalter, wir sind eher Selfmade-Typen. Wir hatten keine Erfahrung in der NGO-Welt, wir haben vorher noch nie solche Projekte kreiert. All die Fragen, die damit einhergehen, mussten wir uns aneignen. Was wir immer brauchen, ist weitere Expertise. Und - wir greifen gern auf Netzwerke zurück, da sind wir froh über jede Unterstützung. Wir können übrigens Dinge abgeben (lacht), loslassen, wir krallen nicht.

Ist das ein Ganzjahresjob?

Teddy: (lacht) Ja, auf jeden Fall. Wir haben uns dafür entschieden, aber das ist eine Menge, was da zusammenkommt. Wir lieben unseren Job, aber es hängt eben auch eine Menge dran: Das Festival ist das eine, damit erwecken wir Aufmerksamkeit, aber dann gibt es Folgeprojekte, die wir begleiten. Wir machen das ja aus einem Grund, nämlich Kindern zu helfen, und das ist das, was an den anderen Tagen im Jahr gemacht werden muss und gemacht werden will.

Trotz der ganzen Arbeit - PxP ist euch eine Herzensangelegenheit, oder?

Teddy: Ja, wir brennen dafür. Wir gehen viele neue Wege, bringen neue Menschen zusammen, das passt dazu, dass wir den Geist der Freiheit erhalten wollen. Und wenn wir mit unserem Projekt ein kleines Beispiel dafür sein dürfen, dass andere das auch können - muss ja nicht gleich so groß sein und in der Wuhlheide stattfinden - dann haben wir schon viel erreicht. Denn tatsächlich kann jeder etwas tun.

Das ist ein bisschen wie ein Virus, oder? Wenn es einen erstmal gepackt hat, dann muss man es einfach machen: Du Teddy, lässt deine Mode ruhen, und du, Fetsum, deine Musik …

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Da ist was im Gange!

(Foto: Christian Mentzel)

Teddy: Ja, es geht nicht um uns, sondern darum, was wir tun können, damit es anderen besser geht. Denn wir wissen ja, wie das ist, wenn man nicht in seinem Land lebt, wenn man sich neu orientieren muss.

Fetsum: Wenn man sich mal die Zahlen anguckt der letzten dreißig Jahre, wie viele Menschen auf der Flucht sind, dann sind deutlich mehr Menschen unterwegs als früher. Laut UNHCR sind 65 Millionen Menschen auf der Flucht. Davon 80 Prozent innerhalb ihres Landes. Und weil einige dieser Flüchtenden nun bei uns gelandet sind, haben wir es erst so richtig gemerkt, als die "Welle" sozusagen bei uns angekommen ist, 2015: Mensch, da ist was im Gange, das ist nicht mehr zu übersehen.  

Man kann jeden verstehen, der flüchtet und ein besseres Leben will, oder?

Fetsum: Na klar, wenn man jung ist und sich fragt, wie die Welt nicht sehen kann, was in manchen Ländern passiert, dann ist das natürlich zu verstehen, dass man da weg will. Und was für unsere Arbeit und unser Engagement ganz wichtig ist - wir haben viel mehr zurückbekommen als wir gegeben haben. Teddy und ich haben Familien - jeder möchte, dass seine Kinder friedlich und glücklich aufwachsen dürfen, dass sie Chancen haben.

Teddy: Wir, Fetsum und ich, sind als Kleinkind nach Deutschland gekommen. Ich weiß gar nicht mehr, wie ich aufgenommen wurde. Aber woran ich mich sehr gut erinnere sind die Leute, einzelne Akteure, die mich gefördert haben: In der Nachbarschaft, im Sportverein, in der Schule, Nachbarn. Wir wurden an die Hand genommen. Das heißt, wenn jeder nur einem anderen helfen würde, dann hätten wir keine Probleme. Uns geht es jetzt vor allem darum, Kindern eine Perspektive zu geben, Raum, Möglichkeiten.  

Was ist das Niederschmetterndste, was ihr in letzter Zeit erlebt habt?

Adel Tawil

Adel Tawil ist auch dabei - sein einziger Auftritt dieses Jahr in Berlin!

(Foto: Britta Pedersen/dpa-Zentralbild/dpa)

Fetsum: Dass die Kinder sich teilweise gar nicht in der Zukunft sehen. Ihre Worte werden nicht gehört, sie werden nicht wahrgenommen, sie sehen keinen Freiraum, wo sie leben können. Sie sehen keine Chancen. Und das fängt bei der Bildung an. Und jetzt kann man sagen, das muss der Staat machen, aber das reicht hinten und vorne nicht.

Helft ihr auch anderen armen Kindern?

Fetsum: Natürlich. Das mischen wir. Denn wir wollen, dass alle gemeinsam aufwachsen und Chancen haben. In Berlin zum Beispiel gibt es wahrlich genug Bedarf auch für hier geborene Kinder. Kinder, die aus gewissen Verhältnissen kommen, kriegen oft keinen Zugang zu Bildung. Auch denen wollen wir helfen. Und da sind wir mit unseren ACE-Projekten dran: All Children Empowerment, zum Beispiel in Reinickendorf.

Teddy: Vor allem wollen wir etwas tun, bevor etwas passiert - also präventiv arbeiten, nicht erst eingreifen, wenn es fast schon zu spät ist.  

Fetsum: Das ist ganz einfach die Pflicht von Bürgern einer globalen Welt - wenn ich sehe, anderen geht es nicht so gut, dann helfe ich. Wenn man nur einer Person hilft, dann hilfst du der Welt. Manche können das mit Geld machen, andere mit Ideen oder auch mit Zeit. Unser Antrieb ist, dass wir wollen, dass dieses Festival funktioniert, und das klappt nur, weil wir so viel Hilfe bekommen, von anderen Menschen und anderen Institutionen.

"Groß träumen" ist euer Motto, oder?

Fetsum: (lacht) Ja, aber unsere Kampagne heißt "Give Love Get Peace" oder auch "Your Voice For Children" - alles was wir machen ist nur ein Angebot. Wir sind angewiesen darauf, dass andere mitmachen und ihre Ideen und ihre Kraft geben. Wenn man konstant bleibt, dann klappt das.

Es sterben so viele Kinder, das ist tatsächlich unvorstellbar. Ihr helft konkret, arbeitet zum Beispiel mit Unicef zusammen …

Teddy: Ja, weil die vor Ort sind, weil die wissen, was sie tun. Die wissen, wo man gerade die meiste Erdnusspaste braucht, weil Kinder am Verhungern sind. Die haben Distributionswege, die wir gar nicht hätten. Das unterstützen wir. Und wir wollen uns perspektivisch kümmern.

Man muss umdenken, in so vielen Bereichen.

Teddy: Ja, zum Beispiel in der Mode fragen sich inzwischen zum Glück viele Leute: Brauche ich das? Wo kommt das her? Wer hat das hergestellt? Und wenn ich Arbeitsbedingungen verbessere und Menschen sich und ihre Familien ernähren können von ihrer Arbeit, dann müssen sie auch nicht fliehen und ihr Land verlassen. Das spielt alles zusammen. Niemand flieht freiwillig - nur wenn wirtschaftliche Nöte, Naturkatastrophen oder Krieg herrschen geht man ins Ungewisse. Wenn unsere Lebensgrundlage weg wäre, dann würden wir auch gehen.

Ich denke, dass es ein neuer "Trend" ist, ein gutes Gewissen haben zu wollen, auch wenn ich konsumiere.

Fetsum: Ja, und trotzdem ist es eine Frage des Geldes. Mir hat neulich ein Taxifahrer erzählt, dass er sich Sneaker für 20 Euro kauft, aber für sein Kind müssen es Markenschuhe sein, weil das Kind in der Schule sonst unten durch ist. Das ist für viele gar nicht zu stemmen. Das heißt, wir reden darüber, ob Kinder dazugehören dürfen oder nicht.

Eurer Motto ist Peace by Peace – also Frieden durch Frieden, als Wortspiel aber auch als "Stück für Stück" (Piece by Piece") auslegbar …

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Letztes Jahr gab es kein PxP, weil Teddy und Fetsum den Tag der Deutschen Einheit kuratiert hatten.

Fetsum: Ja, es gibt so viel zu tun! Ich kenne Leute, die kochen für Obdachlose, obwohl sie selbst kaum etwas haben. Und ja, wir haben jetzt wieder viele bekannte Leute am Start, aber es gibt unendlich viele, die man nicht kennt, und die trotzdem helfen. Denen gebührt unser Dank ganz besonders.

Worauf freut ihr euch am meisten bei eurem Festival, das nun endlich wieder stattfindet am 1. Juni?

Teddy: Darauf, dass wir gemeinsam feiern. Wer schon da war wird bestätigen können, dass es ein unglaubliches Zugehörigkeitsgefühl gibt. Da springt ein Funke über zwischen Künstler und Publikum. Dass da so viele Bands und Künstler auftreten ohne Gage, das ist für uns immer wieder ein Wunder.

Fetsum: Wir konnten mit bisher zwei Festivals 100.000 Kinder unterstützen - das ist die größte Freude. Und wir haben wieder Top-Künstler - manche Überraschung wird auch noch dabei sein.

Mit Fetsum Sebhat und Teddy Tewelde sprach Sabine Oelmann.

Das Festival für die ganze Familie startet um 16:30 Uhr (Einlass ab 14:30 Uhr), es gibt noch ein paar Karten. Wer am 1. Juni schon eher Zeit hat, kann bereits ab 10 Uhr auf das unmittelbar angrenzende Gelände des FEZBerlin in der Wuhlheide kommen. Hier findet den Tag über das "Internationale Kindertagsfestival" mit vielfältigem Angebot zum Spielen, Ausprobieren und Spaß haben für alle Kinder statt. 

Quelle: n-tv.de

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