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"Dancing Star" statt MarionetteAnna-Carina Woitschack: "Ich neige dazu, mich kleiner zu machen"

01.06.2026, 17:15 Uhr
imageInterview: Claudia Spitzkowski
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Anna-Carina Woitschack und Profi-Tänzer Evgeny Vinokurov freuen sich über ihren "Let's Dance"-Sieg. (Foto: picture alliance / Geisler-Fotopress)

Schlagersängerin Anna-Carina Woitschack ist die Siegerin der 19. "Let's Dance"-Staffel. Im Interview mit ntv.de verrät sie, warum sie in der RTL-Show nicht nur das Tanzen, sondern auch ganz viel über sich selbst gelernt hat.

ntv.de: Gratulation, du bist "Dancing Star" 2026! Konntest du das inzwischen realisieren?

Anna-Carina Woitschack: Nein, noch nicht wirklich. Es fühlt sich alles sehr schön an, aber ich bin gestern in Berlin im Hotel wach geworden und wusste erst gar nicht, wo ich bin. Ich dachte, dass ich alles nur geträumt habe. Muss ich zum Training? Ist das wirklich passiert? War das Finale schon? Ich verarbeite das ganz langsam.

Du hattest am Samstag nach dem "Let's Dance"-Finale direkt einen Auftritt. Konntest du überhaupt feiern - und wie wenig hast du geschlafen?

Ich habe gar nicht geschlafen. Ich habe von Freitag auf Samstag einfach komplett durchgemacht.

Aber du standest dann am Samstag trotzdem beim "SchlagerOlymp" in Berlin topfit auf der Bühne?

Meine Motivation ist immer, dass ich alles, was ich mache, mit Leidenschaft und gerne mache. Sonst kannst du das Pensum gar nicht schaffen. Und ich habe mich so gefreut, meine Fans endlich wiederzusehen, die mich jetzt ja auch seit drei Monaten nicht hatten. Da war klar: Für die rund 15.000 Menschen im Publikum gibst du jetzt trotz Schlafmangel alles.

Wie groß war denn die Aufregung vor dem "Let's Dance"-Finale?

Riesengroß. Ich habe von Donnerstag auf Freitag so gut wie gar nicht geschlafen, weil ich mega nervös war. Es geht einem so viel durch den Kopf. Aber wir sind tatsächlich entspannt ins Finale gegangen. Das Niveau war so hoch, mit Milano und Joel Mattli waren zwei so tolle weitere Finalisten dabei. Da entscheidet am Ende wirklich das Publikum, wer gewinnt.

Du hast mit deinem Profi-Tanzpartner Evgeny Vinokurov während der Staffel mehrfach 30 Punkte bekommen - und dann im Finale für jeden Tanz. Macht so eine Favoritenrolle eher Druck oder ist sie ein Ansporn?

Mich hat das eigentlich angespornt. Ich habe mir nur ganz am Anfang nach der Kennenlern-Show Druck gemacht. Da habe ich direkt die meisten Punkte bei den Frauen bekommen und gedacht, dass wir in der ersten Live-Show direkt wieder einen raushauen müssen. Und das war dann eine Katastrophe. Wir haben nur 14 Punkte bekommen. Da habe ich gemerkt, dass es nichts bringt, sich selbst so unter Druck zu setzen, weil sich das auch auf den Körper überträgt. Du bist dann steifer, das sieht einfach nicht schön aus. Als ich dann irgendwann lockergelassen habe, hat es mir auch mehr Spaß gemacht und ich konnte es mehr genießen.

Das heißt, man kann das Tanzen in den Live-Shows genießen - oder denkt man nur an die Choreografie?

Bis zur Mitte der Staffel habe ich nur an die Schritte gedacht. Wenn Evgeny mir beim Training gesagt hat, hier könnte ich mal lächeln oder mich mehr fallen lassen oder vielleicht sogar sexy sein, habe ich geantwortet: "Aber ich muss mich doch auf den nächsten Schritt konzentrieren!" In den letzten drei Shows habe ich das Tanzen aber einfach nur noch genossen.

Zwischendurch sah es kurz so aus, als hättest du den letzten Tanz getanzt, weil du nach der Rumba in Show zehn zittern musstest. Wie hast du dich danach wieder motiviert?

Ich selbst habe unseren Tanz gar nicht so schlecht wahrgenommen. Als Joachim Llambi mit seiner Kritik loslegte, habe ich zunächst noch gedacht, dass er das gar nicht ernst meint und noch eine positive Wende kommt. Aber die kam nicht. Und als Evgeny und ich dann zum ersten Mal im roten Licht standen, da ist mir so richtig bewusst geworden, dass die "Let's Dance"-Reise endlich ist. Du kannst jederzeit ausscheiden. Das hat mich motiviert. Ich habe die Kritik angenommen und sie hat mich angespornt, noch mehr Gas zu geben. Und ich bin den Zuschauern natürlich dankbar, dass sie mich damals mit ihren Anrufen gerettet haben.

Losgelöst von deinen treuen Fans - wer hat deiner Meinung nach für dich angerufen?

Das habe ich mich auch gefragt. Vor allem, als alle meine Mitstreiterinnen nacheinander bei "Let's Dance" ausgeschieden sind. Das hat mir richtig Angst gemacht. Was ist los da draußen? Warum rufen die Leute nicht an? Ich habe wirklich sehr treue Fans, die oft zehn oder sogar hundert Mal für mich angerufen haben. Aber sie allein reichen natürlich nicht. Es müssen also auch andere Leute für mich gevotet haben. Ich denke, da kommt es dann nicht nur rein auf die tänzerische Leistung an, sondern auch darauf, dass du die Menschen berührst. Bei "Let's Dance" konnte ich mich zeigen, wie ich wirklich bin. In den Einspielern hat man gesehen, dass ich eigentlich eine ganz normale junge Frau bin.

Du hast nach dem Finale erklärt, dass du bei "Let's Dance" ganz andere Seiten von dir zeigen konntest. Magst du das näher erklären?

In der RTL-Show "Die Verräter" habe ich ja quasi eine Rolle gespielt. Und im Dschungelcamp konnte ich auch nicht wirklich zeigen, was in mir steckt, weil ich zugegebenermaßen halt ein kleiner Angsthase bin. Bei "Let's Dance" hatte ich erstmals das Gefühl, dass ich hier neben der tänzerischen Leistung auch meine Persönlichkeit zeigen kann. Die Zuschauer haben mich ungeschminkt gesehen, ich lag heulend auf dem Boden des Trainingsraums. Ich durfte einfach ich sein. Losgelöst von allen Schlagzeilen und Spekulationen der letzten Jahre. Es ging nur ums Tanzen. "Let's Dance" ist bislang das schönste und intensivste Format, an dem ich teilgenommen habe, eben weil das Publikum mich endlich so kennenlernen durfte, wie ich wirklich bin.

Kostet es nicht viel Mut, sich so authentisch zu zeigen?

Absolut. Wenn ich als Schlagersängerin für drei, vier Minuten im Fernsehen auftrete, sehen die Zuschauer nur den perfekten Bühnenauftritt. Diese heile Welt möchte man ihnen ja auch gerne bieten. Die Menschlichkeit dahinter kann man bei einem so kurzen Auftritt aber oftmals nicht zeigen.

Bei "Let's Dance" hat mich das auch erst Mut gekostet. Als mich Evgeny beim Contemporary gefragt hat, was ich vertanzen möchte, also was mich in meinem Leben belastet hat, musste ich mir die Frage selbst erst einmal stellen. Wann ging es mir richtig schlecht? Wo musste ich besonders hart kämpfen? Wo habe ich gedacht, es geht nicht weiter? Es kostet Überwindung, deine Schwäche zu zeigen. Aber dann habe ich beschlossen, das jetzt nicht zu zerdenken. Und dadurch konnte ich dann ganz anders tanzen, viel mehr aus dem Herzen heraus. Außerdem habe ich gelernt, dass es keine Schwäche ist, wenn man mal schwach ist. Im Gegenteil: Es ist stark, sich auch verletzlich zu zeigen. Man ist keine Maschine, da steckt ein Mensch dahinter. Das vergessen die Menschen vielleicht manchmal, wenn sie nur die Schlagzeilen lesen.

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Anna-Carina Woitschack mit ihren Eltern Antonie Woitschack und Wendolin Woitschack nach ihrem "Let's Dance"-Sieg. (Foto: picture alliance / Geisler-Fotopress)

Du hast deinen Freestyle zum Thema "Puppenspieler" im Finale deinem Vater gewidmet. Wie emotional war das für dich beim Tanzen?

Ich bin in eine Puppenspieler-Familie hineingeboren und wollte das auch immer beruflich machen. Als ich dann bei "Deutschland sucht den Superstar" mitgemacht habe, habe ich mich erstmals ein bisschen von der Familiendynastie gelöst und die Erfüllung meiner Träume selbst in die Hand genommen. Ich habe dort zwar nicht gewonnen, aber meinen Weg dann anders gestaltet als ursprünglich geplant. Nun bei "Let's Dance" zu meinen Wurzeln zurückzukehren, war sehr emotional. Da habe ich gespürt: Krass, hier kommst du her.

Du hast aber auch erklärt, dass die Marionetten für dich eine Metapher für die unsichtbaren Fäden sind, die dich lange eingeschränkt haben?

Metaphorisch an Fäden zu hängen und fremdgesteuert zu sein, hat für mich viel mit den vergangenen 15 Jahren zu tun. Und so haben wir es dann im Finale auch umgesetzt: Die Menschen sehen nur den perfekten Auftritt, das Publikum applaudiert, aber eigentlich steht da eine Marionette, die ja gar keine Gefühle haben oder zeigen darf.

Ich hätte mir kein schöneres Thema für so einen Freestyle vorstellen können. Tatsächlich war das der Tanz, den ich am schnellsten tanzen konnte, schon im Training. Nicht, weil die Schritte leicht waren, sondern weil ich ihn am meisten gefühlt habe. Ich habe gewusst, dabei kann ich einfach ich sein. Ich glaube, das haben auch die Zuschauer gespürt.

Hast du bei "Let's Dance" etwas über dich gelernt, was du vorher nicht wusstest?

Ja, dass viel mehr in mir steckt. Ich neige manchmal dazu, mich selbst ein bisschen kleiner zu machen und zu denken, dass ich etwas nicht schaffe. Ich bin dann auch ungeduldig mit mir selbst. Bei "Let's Dance" habe ich gelernt, geduldiger zu werden und mir selbst mehr zu vertrauen. Es werden sicher noch viele Momente kommen, in denen ich glaube: Das schaffe ich nicht! Aber dann werde ich mich ab jetzt an "Let's Dance" erinnern, wo ich oftmals am Boden lag und dachte, es geht nicht weiter. Da habe ich gelernt: Du schaffst das. Du kannst das. Mach einfach.

Es gibt die Annahme, dass es Frauen bei "Let's Dance" möglicherweise leichter haben, weil sie den Profi-Tänzer an ihrer Seite haben, der sie führt. Empfindest du das als Abwertung deiner Leistung?

Ich würde eigentlich sagen, keiner hat es leichter oder schwerer. Aber vielleicht haben es die Frauen sogar einen Tick schwerer. In dieser Staffel wurden sie alle rausgewählt, und natürlich fragst du dich: Warum? Vielleicht, weil man als Frau entweder zu schön oder zu dünn oder zu blond oder - wie in meinem Fall - zu sehr Schlager ist? Du kannst es den Leuten nicht recht machen. Das habe ich zumindest beim Lesen vieler Kommentare in den sozialen Medien gedacht.

Es gibt mehr männliche "Dancing Stars" als weibliche. Rufen Frauen möglicherweise eher nicht für Frauen an?

Dass ich gewonnen habe, ist ein Zeichen dafür, dass auch Frauen einer Frau etwas gönnen können. Ich habe allerdings viele Nachrichten bekommen, in denen Zuschauerinnen mir geschrieben haben, dass sie mich zunächst nicht so recht einschätzen konnten und beispielsweise erst nach dem Final Freestyle gedacht haben: "Jetzt rufen wir für Anna an!" Du musst dir als Frau die Sympathien teilweise erst einmal hart erkämpfen. Da reicht es eben oft nicht, einfach eine gute Tanzleistung zu bringen.  

Das ist schon traurig, oder?

Das ist teilweise ein bisschen traurig. Aber ich versuche immer, mich von negativen Kommentaren nicht demotivieren zu lassen. Konstruktive Kritik ist völlig okay, damit kann ich super umgehen. Nicht jeder muss mich mögen, nicht jeder muss den Tanz verstehen und gut finden. Du wirst es eh nicht jedem recht machen können, also einfach weitermachen. Vielleicht war es aber für den einen oder anderen Hater eine kleine Klatsche, dass ich dann doch zum Schluss gewonnen habe. Am Ende siegt halt die Liebe über Hasskommentare.

Ich habe aber auch ganz viele positive Kommentare gelesen, wo beispielsweise geschrieben wurde, dass du ja offenbar einfach alles kannst. Gibt es etwas, das du tatsächlich gar nicht kannst?

Egal, in welchem TV-Format ich bislang dabei war, ob jetzt Tanzen oder Kochen: Ich konnte das alles nicht. (lacht) Aber ich lasse mich auf solche Herausforderungen immer extrem ein und nehme sie wirklich ernst. Ich bin einfach gut darin, mich auf Neues einzustellen. Das liegt sicher an meiner Kindheit, wo ich mich immer sehr schnell anpassen musste. Wir haben jede Woche die Schule gewechselt. Wir waren im Wohnwagen unterwegs, manchmal hatten wir kein Wasser oder keinen Strom. Du musst damit dann aber sofort klarkommen. Das prägt. Gib mir heute irgendeine Aufgabe und ich werde versuchen, das Beste daraus zu machen. Das ist einfach bei mir so.

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Die diesjährigen "Let's Dance"-Finalisten haben sich alle gegenseitig den Sieg gegönnt: Joel Mattli, Milano und Anna-Carina Woitschack. (v.l.n.r.) (Foto: picture alliance / Stefan Gregorowius)

Wer bei "Let's Dance" mitgemacht hat, schwärmt von der Harmonie und dem Gefühl, wie eine große Familie zu sein - trotz Konkurrenz. Kannst du das bestätigen?

Alle haben sich für den jeweils anderen gefreut. Ich hätte mir kein harmonischeres Finale wünschen können. Jeder von uns hatte den Sieg verdient. Es war wirklich wie in einer Familie. Oder wie auf einer dreimonatigen Klassenfahrt.

Wie tief ist das Loch, in das man nach der Klassenfahrt fällt?

Ich weiß, dass einige aus dem "Let's Dance"-Cast wirklich in ein Loch gefallen sind. Das will ich gar nicht zulassen, denn ich möchte die Staffel dankbar abschließen. Das hätte ich auch getan, wenn ich nicht gewonnen hätte. Aber ich werde die Menschen natürlich alle vermissen. Allerdings hätte ich auch tatsächlich gar keine Zeit, in ein Loch zu fallen, weil es jetzt natürlich mit meiner Musik weitergeht. Und die "Let's Dance"-Tour startet, die gerade mein Anker ist, weil es mit dem Tanzen weitergeht.

Wirst du deine "Let's Dance"-Tanzerfahrung vielleicht auch in dein Bühnenprogramm einbauen?

Auf jeden Fall. Wir drehen demnächst ein Musikvideo. Dafür wünsche ich mir Tänzerinnen und Tänzer. Und auch sonst möchte ich mehr Choreografie einbauen. Wer mich live gesehen hat, der weiß, dass ich auf der Bühne relativ unbeweglich bin und gerne nur am Mikrofonstativ stehe. Ich war nie so die Tanzmaus. Aber ich glaube schon, dass ich mir jetzt ein paar "Let's Dance"-Moves abspeichern werde. Und wenn die Fans zu meiner Musik Discofox tanzen, dann werde ich mich jetzt definitiv unter das Publikum mischen.

Was würdest du der nächsten "Let's Dance"-Generation raten?

Es wirklich zu genießen, weil man es nur einmal im Leben machen darf. Und wirklich durchzuhalten. Nicht aufgeben, nicht aufgeben, nicht aufgeben.

Mit Anna-Carina Woitschack sprach Claudia Spitzkowski

Wer sich Anna-Carina Woitschacks Weg zum "Dancing Star" 2026 noch einmal angucken möchte: Die 19. Staffel "Let's Dance" steht auf RTL+ zum Streamen bereit.

Quelle: ntv.de

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