Neue Staffel "Kaulitz & Kaulitz"Bill & Toms verrückte Reise durch die Zeit

Ein Jahr ist schnell vorüber: "Kaulitz & Kaulitz" geht in die dritte Runde. Im Vorfeld war von Szenen die Rede, die Tom Kaulitz lieber nicht gezeigt hätte. Wird die Drama-Schraube diesmal überdreht?
Ein großer Reiz des Reality-Fernsehens per se liegt wohl in zwei gegensätzlichen Gefühlszuständen: Da wäre man gern dabei gewesen, der eine. Boah, um keinen Preis wollte man das mitmachen, der andere. Wie "'real" der Kaulitz-Kosmos am Ende tatsächlich ist, darüber ließe sich natürlich diskutieren, dennoch gilt auch hier: Die Kaulitz-Kerzen werden an genau diesen beiden Enden angezündet.
Dritte Staffel "Kaulitz & Kaulitz" bei Netflix, da gibt es zunächst mal wieder einiges an Dating-Drama. Hatte Tom in der zweiten Staffel versucht, eine fremdschamige Verkupplungs-Volte als Grillabend zu tarnen, verbockt Bill es sich diesmal ganz eigenständig. Der Pool ist endlich fertig, das Privatbassin in den Hollywood Hills soll adäquat eingeweiht werden - mit Diven, Drinks und Drama XL.
Im Podcast der Zwillinge hatte Tom bereits gespoilert, dass es"ganz schön krass" zugehe und man sich "nicht mit Ruhm bekleckert" hätte. In der Tat, bekleckert wird sich mit so einigem, Ruhm ist kaum darunter. Alles dreht sich um die Frage: Kommt Jannik Kontalis nun, oder nicht? Bill hat ein Auge auf den Reality-Recken geworfen, der sich in Formaten wie "Make Love, Fake Love" eine Art von Namen gemacht hat. Als der Mann dann doch noch eintrifft, wird allen schnell klar: Hätte der Typ sich in den Bergen von Hollywood nicht vielleicht lieber verfahren können?
Allen - bis auf Bill, denn für den gilt wie eh und je: Je roter die Flagge, desto höher schlägt das Herz. Dass es zwischendrin auch noch Probleme mit den sanitären Einrichtungen gibt, passt ins Bild. Am Morgen danach müssen die Reinigungsfilter des Schwimmbeckens jedenfalls ganze Arbeit leisten. Sprachen die beiden, als das alles passierte, im Podcast nicht sogar davon, dass jemand in den Pool gekackt hätte? Möglich, dass im Schneideraum dann doch mal die Ratio über die Ratings siegte.
Es passiert ja auch sonst genug: Da wäre die Hochzeit von Georg und Susi, ein cineastisches Träumchen an der Côte d'Azur. Drei Tage lang dauert die glamouröse Sause des Tokio-Hotel-Bassisten und seiner Jugendfreundin - vom Warm-up-Dinner über die Zeremonie bis zum kollektiven Auskatern, libidinöse Eisskulpturen, Hebefiguren und Promille-Meltdown inklusive. "Bill hat den Verstand verloren", entfährt es Tom an einer Stelle. In der Tat, wie sich der Bill'sche Beinahe-Zusammenbruch an Petitessen manifestiert, das ist fast schon eine Kunstform für sich.
"Ich find's schade, dass niemand auf meiner Seite ist"
Überhaupt scheinen die Reiberen zwischen den Zwillingen diesmal spürbar tiefer ans Eingemachte zu gehen. Neckte man sich zuvor auf dem schmalen Grat zwischen Liebe und Lästern, werden die Claims hier, vorrangig von Bruder Bill, mit einigem mehr an Schärfe abgesteckt. Bauchspeck und Penisgröße, Autokauf und "Marathon", Therapie-Talk und Werbe-Wirbel, für Bill geht es immer wieder darum, das bessere Ende für sich zu haben. Bewunderns - oder bemitleidenswert? - wie Tom freundliche Miene zum Bill'schen Spiel macht. Gibt es auch nur den Hauch von Gegenwind für Bruderherz, bröckelt bei diesem die Fassade wie ein Glückskeks: "Ich find's schade, dass niemand auf meiner Seite ist".
Ausgesprochen emotional gerät der Trip zurück nach Loitzsche, der Anlass ein "Vogue"-Shooting mit Bill als erstem männlichen Titelmodel. Das Elternhaus, die Busstation, die Erinnerung an die Baseballschläger-Jahre mit ihren Diskriminierungen und Bedrohungen, das sind die Stationen einer Rückführung, die nachdenklich stimmen. Und auch wenn es diesmal ruckelt und rappelt, gilt eines verlässlich wie gewohnt: Am Ende raufen sich die Mäuse-Brüder immer wieder zusammen. Bonding zwischen Elefanten-Exkrementen und Wasserfall-Selfie in Afrika, ein emotionaler Ehemaligenball - the Show must go on. Only Love. Don't hate. Die nächste Baustelle kommt bestimmt