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Faber spürt den "Zorn" Der Dortmunder "Tatort" im Schnellcheck

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Bei seinen Ermittlungen nimmt Kommissar Faber (Jörg Hartmann, r.) auch Reichsbürger Friedemann Keller (Götz Schubert) ins Visier.

WDR / Thomas Kost

Es herrscht Aufruhr unter den Kumpels, ihre Zeche soll in einen Erlebnispark umgewandelt werden. Als einer von ihnen tot aufgefunden wird, kocht der Zorn vollends über. Ein explosiver Fall aus den Tiefen des Potts, latent überfrachtet, dennoch lokalkoloriert stimmungsvoll.

Das Szenario

Als wäre die Lage in der Zeche Sophie-Charlotte, die endgültig dichtgemacht werden soll, nicht schon katastrophal genug, gibt es am Rande der abgewirtschafteten Zechen-Siedlung auch noch einen Toten. Der ehemalige Bergmann Andreas Sobitsch (Daniel Fritz) wird erschossen am Flussufer aufgefunden. Knall auf Fall sind Peter Faber (Jörg Hartmann), Martina Bönisch (Anna Studt) und ihr Dortmunder Team mittendrin in einer untergehenden Welt.

Verzweifelt versuchen die ausgemusterten Zechen-Arbeiter, darunter auch die Sobitsch-Kumpel Ralf Tremmel (Thomas Lawinky) und Stefan Kropp (Andreas Döhler), etwas Besseres auszuhandeln als die angebotenen 20.000 Euro Abfindung pro Bergarbeiter. Auf Kropp fällt schließlich ein erster Verdacht, als bekannt wird, dass seine Frau Frederike (Mona Kloos) eine Affäre mit Sobitsch hatte. Dann jedoch wird auch Kropp tot aufgefunden.

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Ob Reiki da hilft? Kommissarin Bönisch (Anna Schudt) hat Rücken.

(Foto: WDR/Thomas Kost)

Eine Spur führt zum "Reichsbürger" Friedemann Keller (Götz Schubert), den selbsternannten Kanzler des "Freien Reichs Frieden". Wenig hilfreich ist es bei den Ermittlungen, dass die Diskrepanzen zwischen Nachwuchs-Bulle Jan Pawlak (Rick Okon) und Nora Dalay (Aylin Tezel) eskalieren und Bönisch Rücken hat.

Die eigentliche Botschaft

Davon haben sich im Themenknäuel so einige versteckt: Die sogenannten "Reichsbürger" mögen zwar normal aussehen, haben aber einen Sprung in der Schüssel. Reiki mag ein bisschen albern wirken, biegt aber sogar der größten Skeptikerin den Rücken gerade. Und wenn drumherum alle durchdrehen, dann kommt ein mental Angeschlagener wie Faber als der normalste Typ überhaupt daher.

Darüber wird in der Mittagspause geredet

Wer sind die "Reichsbürger"?

"Zur 'Reichsbürgerbewegung' zählen uneinheitliche Gruppen und Einzelakteure, die sich selbst als 'Reichsbürger' bezeichnen. Unter den Anhängern dieser Strömung befinden sich Verschwörungstheoretiker ebenso wie Querulanten und Geschäftemacher, aber auch politisch Motivierte. Sie alle eint die Behauptung, das Deutsche Reich bestehe fort, sowie die Ablehnung der Bundesrepublik Deutschland." (Quelle: Bayerisches Landesamt für Verfassungsschutz)

Über Alkohol im Dienst zum Beispiel. Wo alle Kommissare und Kommissarinnen - den guten, alten Schimanski früher mal ausgenommen - immer brav ablehnen, wenn Spirituosen auf den Tisch kommen (Stichwort "Bin im Dienst"), trägt Faber keine falsche Beflissenheit vor sich her. Vielleicht nicht so verwunderlich, wenn man Schaumwein im Familiennamen trägt. "Erstmal 'n lecker Pils" ist die Devise im Pott. Prost!

Der Plausibilitätsfaktor

Jeder Aspekt für sich besteht den Lackmus-Test "Reality Check" durchaus überzeugend. Über Reiki gibt es viel Gutes zu berichten. Soeben hat das Innenministerium Zahlen veröffentlicht, nach denen es allein in NRW um die 3200 "Reichsbürger" gibt, zudem hat erst im vergangenen Dezember in Bottrop die letzte Zeche ihren Dienst eingestellt.

Die Bewertung

7 von 10 Punkten. #MeToo, "Reichsbürger", Reiki und das Ende des Bergbaus - alles ein bisschen viel auf einmal, von Faber und Bönisch dennoch ganz gut in der Balance gehalten.

Quelle: n-tv.de

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