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Sommerhaus der Stars - Folge 7 Herr C. und der Tod der Schmetterlinge

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Mag weder "Ökos" noch "respektlose" Leute: Mike C. an der Seite seiner Frau (RTL)

"Ökos", die in Bioläden gehen und demonstrieren, weil ein Schmetterling vom Baum fällt: das sind Themen, die Mike Cees stören. Wer meint, schlimmer kann es nicht werden, hat Folge 7 noch nicht gesehen. Aber bitte: "Immer schön den Ball flach halten!"

Da sitzt er, der Mann, über den viele Trash-TV-Fans dieser Tage sprechen: Mike Cees. Der vermeintliche Michelle-Beschützer, der bestimmt, mit wem seine Frau spricht, was sie anzieht und wie ihre Außenwirkung zu sein hat. Viel wurde inzwischen über dieses Paar geschrieben, von toxischer Beziehung war oft die Rede, von falschen Schnitten und mutmaßlichen Morddrohungen erboster Zuschauer, die den 34-Jährigen auf seinen Social-Media-Kanälen erreicht haben sollen.

Forderungen nach einer Trigger-Warnung werden immer lauter, dazu die Frage, welche soziale Verantwortung die Macher des Formats haben und welche wir, die Zuschauer. Dachten wir doch, man habe nach der Kritik am Sommerhaus 2020 seine Lehren gezogen. Nun also Folge 7 vom "Sommerhaus der Stars": Wer meint, Mike Cees kann sich nicht noch mehr ins Aus schießen, irrt. Der Maulheld kennt kein Limit. Aktuelles Problem: der freundlich gemeinte Hinweis von Nachzüglerin Jana Pallaske, seine Gattin möge doch bitte nicht das Mückenspray in der Nähe der Speisen benutzen.

Zu viel für den Windbeutel. Und überhaupt: diese "Ökos" wie Jana! Pallaske sei so eine, die "bestimmt nur in so Bioläden" reingeht. (…) "Das sind doch solche Leute, die demonstrieren, wenn ein Schmetterling tot vom Baum fällt." All dieses weltfremde, infantile Platzhirsch-Gebaren, es geht einem schwer auf den Zeiger.

"Du quatschst kein Wort mehr mit der!"

Bei dem Versuch, Cees Verhalten einzuordnen, stößt man auch auf ein Interview aus dem Jahre 2020, bei dem er sich über gesellschaftliche Themen äußert. So sei Black Lives Matter für ihn "wie 'ne Instagram-Facebook-Geschichte" - ein "Modetrend". Die Leute sollten "mal den Ball flach halten" und "fünfe grade sein lassen". Auch "so ein Greta-Thunberg-Syndrom müssen wir nicht jede Woche haben". Genau Mike: "Alles easy", wenn Schmetterlinge vor dem Aussterben bedroht sind und die Polkappen schmelzen.

Folge 7 im Sommerhaus ist auch die Folge, in der Maritta mit ihren privaten Problemen nervt und gefühlt pausenlos ihre Meinung ändert, zwei neue Spiele gespielt werden, die für Kurzweil sorgen und die Karten neu gemischt werden. Es ist aber auch die Folge, in der man sich fragt, wieso Jana Pallaske die Einzige ist, die Mike Cees die Stirn bietet, als er sie verbal attackiert. "Immer locker bleiben!", pfeffert er ihr über den Abendbrottisch entgegen.

"Ich bin sehr locker. Und du bist ziemlich angespannt!", sagt Jana, die Cees "negative Energie" schon lange spürt. "Wenn die mich noch einmal anfaucht, hat die 'n richtiges Problem!", so der Choleriker, der die naturverbundene Schauspielerin als "ekelhaft" bezeichnet, die "doch'n Schaden" habe. Zack, da wird Michelle prompt Redeverbot erteilt: "Du quatschst kein Wort mehr mit der!"

Der Mensch ist keine Maschine

Man kann sich diese Staffel weder schönreden noch schönsaufen. Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass das problematische Verhalten des Berliners auf den gesamten Cast negativ abfärbt. Dies liegt vor allem daran, dass es dem Zuschauer nicht gelingt, mit seinen Emotionen zu jonglieren. Eben noch herrscht Fassungslosigkeit ob eines Mannes, der seine Frau, wie er selbst sagt, "an der Leine hat", zwei Sequenzen weiter soll man aber wieder lachen, weil ein Almklausi sich tollpatschig anstellt.

Der Mensch ist keine Maschine. Emotionen hallen nach, aber hey, lasst uns alle den Schalter umlegen und fröhlich sein! Denn die Männer stecken schließlich gerade in lustigen Tierkostümen und dieses Spiel hat doch in den Vorjahren immer so viel Spaß gemacht! Es macht aber keinen Spaß, wenn man zusehen muss, wie eine Frau pausenlos heruntergeputzt, angebrüllt und kleingemacht wird.

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Und da stehen wir wieder genau an derselben Stelle wie vor einem Jahr. Und wieder müssen wir uns dieselbe Frage stellen: Was bitte soll an einer Sendung unterhaltend sein, die den Zuschauer so triggert, dass ihn das Gesehene nur noch anwidert? Was ist unterhaltend daran, einem Mann dabei zuzuschauen, wie dieser seiner Frau emotionale Gewalt antut? Der ihr buchstäblich seine Faust in ihre Schulter hineindrückt, um sie massiv daran zu hindern, den Gewinnern des Kreuzworträtsel-Spiels (Jana und Sascha) zu gratulieren? Diese Entwicklung, fragwürdigen Figuren eine so große Plattform zu bieten, in einer Gesellschaft, in der es an allen Ecken und Enden brodelt, muss kritisch hinterfragt werden.

Die Entwicklung der Reality-Formate für die Quote zu ignorieren, ist nicht der richtige Weg. Und wenn Menschen unter dem Deckmantel der Unterhaltung emotionale wie psychische Gewalt ausüben, sollten wir ihnen ganz klar die Grenze aufzeigen. Derweil ließ eine große Boulevardzeitung auch noch durchsickern, wer die vermeintlichen Sieger dieser Staffel sind. Man muss sich aber auch fragen, ob man das nach all dem Geschrei eines Menschen, der mutmaßlich mehr als nur Ego-Probleme hat, überhaupt noch wissen möchte.

Quelle: ntv.de

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