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Balkonien, Park, "Central Park" Hier ist die Welt noch in Ordnung

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In der Animations-Serie "Central Park" ist die Welt noch einigermaßen in Ordnung.

(Foto: Apple TV)

Wer sich etwas Gutes tun will, schaut jetzt "Central Park". In der neuen Animations-Serie von Loren Bouchard steckt genau die Portion Herzlichkeit und Humor, mit der vergleichbare Formate nicht dienen können.

Selten wurde so viel über Parks geredet wie in den vergangenen Wochen. Sind da jetzt schon zu viele Leute? Treffen sich Gruppen? Atmen da Jogger? Wo es im Privaten einsam wird, gewinnt der öffentliche Ort an Bedeutung. Vor allem der grüne öffentliche Ort, denn der muss nun als Refugium herhalten, wo der Flieger einen nicht mal eben fix in den Süden verfrachten kann. Es ist natürlich reiner Zufall, aber die neue Animations-Serie "Central Park" passt so richtig gut zur gegenwärtigen Wertschätzung für Grünflächen. Wobei das Park-Motiv an dieser Stelle nicht weiter überstrapaziert werden soll.

"Central Park" ist die neue Serie von Loren Bouchard. Der Name dürfte hierzulande nur Fans geläufig sein. Wer allerdings etwas für Animations-Serien für Erwachsene übrig hat, der kennt Bouchards erfolgreichstes Werk: "Bob's Burgers". Die Serie um eine fünfköpfige Familie und deren schwankend erfolgreiches Burger-Business spielt sich innerhalb ihres Genres seit Jahren nach vorn und wurde gerade um eine elfte Staffel verlängert. Anders als noch bekanntere Formate wie "Southpark", "Family Guy" oder die Mutter alles erwachsen Animierten "Die Simpsons" kommen "Bob's Burgers" und nun auch "Central Park" gänzlich ohne humoristische Schärfe aus und sind trotzdem zum kringelig Lachen. Ein Alleinstellungsmerkmal, das Bouchard im Interview beinahe unter den Tisch kehrt.

"Gemeinheiten sind nicht unser Ding"

"Gemeinheiten können sehr lustig sein, aber das ist einfach nicht unser Ding", sagt er. "Wir kreieren Welten, in denen die Charaktere einander gegenüber ganz fundamental Liebe und Respekt empfinden - ob sie das nun zugeben oder nicht." Und wie schon "Bob's Burgers" ist auch "Central Park" heil und herzlich, liebevoll und lustig, leidenschaftlich und voller Hoffnung, ohne dabei an Witz einzubüßen. Dass es Mut braucht, menschliche Zugewandtheit anstelle von Zynismus ins Feld zu führen, mag Bouchard nicht betonen. Doch es ist genau dieses Bekenntnis zum im Kern Guten, das ihm seine große Fangemeinde beschert. Seine Figuren sind Außenseiter, aber sie stehen mit der Welt nicht auf Kriegsfuß, sondern machen einfach ihr eigenes Ding.

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Bei "Central Park" steht eine Familie im Mittelpunkt - und eine Grünfläche.

(Foto: Apple TV)

Warum also sich "Central Park" anschauen? Es ist die Geschichte eines Parkwächters und seiner Familie, es geht um einen vermisst gemeldeten Hund namens Champagne und ambitionierten Lokaljournalismus. Es wird außerdem eine Menge gesungen - es ist ja auch ein Musical. Die Serie ist etwas für die ganze Familie - schon allein insofern, als eine Familiengeschichte immer Anknüpfungspunkte für die Projektion eigener Erfahrungen für ganz unterschiedliche Personen diverser Altersgruppen bietet. Es ist vor allem eine Serie, die durchweg positive Emotionen auslöst. Und wer kann die gerade nicht gut gebrauchen?

Besondere Wirkung von Animation

"Eines Tages werden Neurologen beweisen, dass unser Gehirn Animation anders verarbeitet als Realverfilmungen", ist sich Bouchard sicher. "Wir verarbeiten die Bilder anders. Vielleicht ist es so ähnlich wie bei Musik, die unterschiedliche Bereiche des Gehirns aktivieren kann?" Die Wirkung jedenfalls ist, wenngleich schwer zu beschreiben, unmittelbar spürbar. Animation schafft Distanz und Nähe zugleich. Distanz, die vor Überidentifikation bewahrt, Nähe, wie man sie sonst vielleicht nur zu Figuren in Kindergeschichten aufgebaut hat.

New York bedeutet in Serien und Filmen meist die große, weite Welt. "Central Park" kommt ohne Taxi-Kolonnen und Coffee-Runs in Straßenschluchten aus. Die Skyline Manhattans ist gerade so nah, dass man sie hinter den Baumkronen erahnen kann. Der beschränkte Raum, auf dem sich die Handlung abspielt, hat etwas Heilsames - auch wenn das so gar nicht unbedingt geplant war. Eigentlich sollte es eine Folge über den New-York-Marathon geben, erzählt Bouchard. Aber der Produktion war es zu teuer, all die Menschen und Autos zeichnen zu lassen. "Central Park" braucht das Rauschen gar nicht. In einer Zeit, in der wir alle nicht sonderlich weit wegkönnen, ist es eigentlich ganz beruhigend, dass auch die Welt fiktiver Figuren beschränkt ist.

Wirklich nichts spricht dagegen, in diesem Moment ein paar Folgen "Central Park" zu gucken. Die Serie hat keine Antworten auf die Probleme des echten Lebens, aber sie spendet Trost und Freude, und damit Energie, denjenigen Problemen zu begegnen, die eine Fernsehserie naturgemäß nicht zu lösen vermag.

"Central Park" ist ab dem 29. Mai abrufbar über AppleTV+.

Quelle: ntv.de