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Kölner "Tatort"-Jubiläum Keine Currywurst zum 80.

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80 Fälle und ein bisschen weise - Max Ballauf und Freddy Schenk (v.r.).

(Foto: WDR/Thomas Kost)

Vor einem knappen Vierteljahrhundert gestartet, zählen Max Ballauf und Dietmar Bär zu den dienstältesten "Tatort"-Kommissaren. "Der Tod der Anderen" bedeutete ihren 80. gemeinsamen Fall - eine Kölsche Zwischenbilanz.

Die Welt im Oktober 1997: In Bonn einigt man sich auf den Abbau des Solis. Der Hurrikan "Pauline" verwüstet die Pazifikküste Südmexikos. Gerhard Schröder heiratet Doris Köpf. Mary McAleese wird Staatspräsidentin von Irland. In Bilbao eröffnet das Guggenheim Museum. Jacques Villeneuve wird Formel-1-Weltmeister. Im Kino startet "Scream" und in den deutschen Charts steht Elton John mit "Candle In The Wind", für die verstorbene Lady Di neu eingespielt, ganz oben. Und in Köln? Dort machen sich zwei hoffnungsvolle neue Ermittler ans Werk.

Die Rhein-Metropole als "Tatort"-Revier, das taugte zuvor nur sporadisch als sonntägliche Krimi-Location. Unvergessen der eigenwillige Zollfahnder Kressin (Sieghardt Rupp), der in den 70er-Jahren hier unter Regisseur Wolfgang Menge agierte. Ansonsten gab es für die TV-Kommissare hier lediglich temporär zu tun. Saalfeld (Simone Thomall) und Keppler (Martin Wuttke) verschlug es mal von Leipzig in die Domstadt, auch Bruno Ehrlicher (Peter Sodann) musste einst aus dem Osten gen Kölle.

Mit Max Ballauf (Klaus J. Behrendt) und Dietmar Bär (Freddy Schenk) soll im Oktober '97, fast ein Vierteljahrhundert nach Kressin, die Krimi-Kontinuität in Köln Einzug halten. Die Rechnung wird aufgehen, das weiß man heute, dabei sind die Vorzeichen beim Start fast in Vergessenheit geraten. Oder erinnert sich noch jemand daran, dass Ballauf aus den USA rübergemacht hatte? In Miami war der gebürtige Düsseldorfer für die örtliche Drogenfahndung im Einsatz. Als auf der Jagd nach Drogenbossen erst Ballaufs Freundin ums Leben kommt, er später noch zwei Cops über den Haufen fährt und Trost an der Flasche sucht, wird er schließlich des Landes verwiesen und soll sich in Köln bewähren.

Und der gute Freddy Schenk? Der Familienmensch mit Hang zu schicken Schuhen und coolen Karren wollte eigentlich selbst King der Kölner Koppel werden, bekommt stattdessen den latent promillisierten Ballauf vor die Nase gesetzt. Es dauert ein wenig, bis es sich zwischen den beiden zurechtruckelt, aber eigentlich waren sich Kritik und Publikum schon beim Abspann ihres ersten gemeinsamen Falles, "Willkommen in Köln" (Regie: Niki Stein), einig: Dies ist "der Beginn einer wunderbaren Freundschaft" (TV Spielfilm).

In den Fängen eines unterschwelligen Stockholm-Syndroms

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Max Ballauf (Klaus J. Behrendt) und "die Neue vom Revier", Natalie Förster (Tinka Fürst), stellen die Situation nach, in der Kathrin Krampe starb.

(Foto: WDR/Thomas Kost)

79 Fälle später hat sich die Welt einige Runden weitergedreht. Jetzt erst wird der Soli eingedampft, Gerhard Schröders Ehefrau ist heute Soyeon Schröder-Kim, in Irland regiert McAleeses Nachfolger Michael D. Higgins. Villeneuve dreht seine Runden in einem Nascar-Auto. Im Kino startet momentan kaum noch etwas, dafür läuft Lady Di en masse auf Netflix. Auch die beiden Kölner Kommissare haben in der Zwischenzeit einiges durch- und mitgemacht. Bereits für die 4. Folge ("Bildersturm") gab es eine Grimme-Preis-Nominierung, Bär und Behrendt erhielten den Goldenen Gong. Anna Thalbach gewann 2001 den Deutschen Fernsehpreis für ihre Rolle in "Kindstod", "Odins Rache" wurde 2004 für den Civis-Fernsehpreis nominiert. 2007 gab es den Marler Fernsehpreis für Menschenrechte ("Minenspiel") und als wäre das alles nicht schon spektakulär genug, schauten in "Platt gemacht" (2009) auch noch De Höhner vorbei.

Heute sind Klaus J. Behrendt und Dietmar Bär stolze Besitzer der Ehren-Kriminalmarke, die ihnen vom Bund Deutscher Kriminalbeamter (BDK) für ihr "besonderes Engagement bei der professionellen Kriminalitätsbekämpfung" im Kölner "Tatort" verliehen wurde. Und wenn gar nichts mehr geht, dann gibt es ja immer noch die telegenste Wurstbude Deutschlands, in dessen Lichtschatten es sich bei feierabendlichem Kölsch und Currywurst dann doch wieder ganz gut zusammenraufen lässt.

Ein reizvoller Kniff, dass die Jubiläumsfolge "Der Tod der Anderen" sich auf diesen konventionellen Pfad gar nicht erst begeben hat. Im Gegenteil, Freddy bekommt es mit der Venusfalle Bettina Mai (glanzvoll: Ulrike Krumbiegel) und verhakt sich fast in den Fängen seines unterschwelligen Stockholm-Syndroms. Überhaupt: So wie die beiden sich am Morgen nach der gemeinsamen Hotelnacht - und der flüchtigen Berührung auf dem Bett - anlächeln, muss die Frage erlaubt sein: War da was, Freddy? Seinen Buddy Behrendt dagegen lässt man solide im Dunkeln tappen, bis in diesem Jubiläumsfall dann sogar noch ein neues Kapitel aufgeschlagen wird, als die Neue vom Revier, Natalie Förster (Tinka Fürst), einen überaus gelungenen Einstand feiert.

Fazit: 80 Fälle und ein bisschen weise - Herzlichen Glückwunsch, Max Ballauf und Freddy Schenk. Und beim nächsten Fall dann gerne auch wieder ein Bierchen.

Quelle: ntv.de