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"Good Omens" in Serie Männerliebe in Zeiten der Apokalypse

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Regisseur Douglas Mackinnon, die Schauspieler David Tennant und Michael Sheen sowie der Autor Neil Gaiman (v.l.) machen die Amazon-Serie "Good Omens" zu dem, was sie ist.

(Foto: Amazon)

Die Welt geht unter. Statt sich auf ihre jeweiligen Seiten zu schlagen, werfen sich ein Engel und ein Dämon schmachtende Blicke zu. Als Buch hat "Good Omens" Kultstatus. Nun hat Autor Neil Gaiman daraus eine Serie gemacht und seinem Co-Autor damit den letzten Wunsch erfüllt.

Mit einer Box fing alles an. Eigentlich stimmt das nicht ganz, "Good Omens" war lange geschrieben, als Neil Gaiman besagte Box packte und an Michael Sheen verschickte. Doch die Serie zum Buch hätte es ohne die Box so nie gegeben. Darin waren Bücher, allesamt von Gaiman geschrieben, genauso wie die Karte. "Von Fan zu Fan: Danke", stand darauf.

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Gaiman ist Fantasy-Autor, einer der berühmtesten überhaupt. "Michael war nicht mein erster berühmter Fan - nicht mal einer der ersten Tausend", sagt Gaiman im Gespräch mit n-tv.de. "Ich mache das alles schließlich schon eine ganze Weile". 1984 veröffentlichte der Brite seine erste Kurzgeschichte. Viele seiner Bücher sind heute Kult, die Comic-Serie "Sandman" zum Beispiel, "American Gods" oder das Kinderbuch "Coraline", das auch verfilmt wurde. Gailman adressierte Sheen als Fan, doch gerührt hatte ihn der Hollywoodstar als sein Verteidiger.

Michael Sheen wuchs in Wales auf, eroberte als junger Mann die Londoner Bühne, zog in die USA und zählt auch dort seit Jahren zu den ganz großen Namen. Er ist kein Brad Pitt, kein Matt Damon, kein Actionheld, sondern einer, den die Fans aufgrund seines feinen Spiels lieben, aber eben auch, weil er als Shakespeare-Veteran für viele den Intellektuellen unter den Celebrities verkörpert. Dabei kennt Sheen keinen Dünkel, jedenfalls keinen allzu banalen.

Eine glorreiche Schimpftirade

Sheen war zum Beispiel im "Twilight"-Franchise zu sehen. Während der Pressetour fragte ihn ein Journalist sinngemäß, ob dieser Genrekram nicht unter seiner Würde sei. Sheens Reaktion wird Gaiman, der Wind von dem Interview bekam, nie vergessen. "Michael ist an die Decke gegangen, wie nur Michael das kann", erinnert sich Gaiman. "Sehr sanft und höflich, aber eben auch bestimmt." Gaimans Augen funkeln, wenn er von Sheens Reaktion erzählt. "Es war diese glorreiche Schimpftirade darüber, wie einige der besten Bücher der letzten 50 Jahre von Steven King und mir geschrieben wurden. Im Grunde sagte er, der Interviewer könne ihn mal kreuzweise. Ich bin nie zuvor so enthusiastisch verteidigt worden." Also packte Gaiman eine Box Bücher zusammen und sagte danke.

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Michael Sheen und David Tennant spielen in "Good Omens" den Engel Aziraphale und den Dämon Crowley.

(Foto: Amazon)

"Ich hätte nie gedacht, dass sich daraus nochmal etwas ergeben würde", beteuert Gaiman. Genauso aber kam es. Sheen spielt eine der beiden Hauptrollen in der Serienadaption von "Good Omens", einer Geschichte über die Apokalypse, über Himmel und Hölle und die Liebe zu den Menschen, die Gaiman 1990 gemeinsam mit dem britischen Autoren Terry Pratchett verfasst hat. Pratchett ist 2015 im Alter von 66 Jahren verstorben. Die Serie, die auf Amazon Prime Video zu sehen ist, ist Gaimans Tribut an seinen Freund.

"Good Omens" beginnt bei Adam und Eva und wirft den Blick auf das nahende Ende der Welt. Himmel und Hölle machen sich bereit für die letzte große Schlacht. Doch ein Engel und ein Dämon, die Repräsentanten der beiden Reiche auf Erden, möchten noch nicht Abschied nehmen von all den Vorzügen der menschlichen Existenz. Der Engel und der Dämon sind Aziraphale und Crowley, gespielt von Michael Sheen und seinem schottischen Kollegen David Tennant. Die Dynamik der beiden Ungleichen, die über die Zeit einander immer ähnlicher geworden sind, ist das Herzstück der Serie. Sheen und Tennant sind das Duo, um das niemand gebeten hat und das dennoch bitternötig war.

Wie Kumpels, nur mehr

"Für gewöhnlich werden wir für dieselbe Rolle in Betracht gezogen. Deswegen ist es etwas Besonderes, dass wir beide gleichzeitig in einer Produktion zu sehen sind - erst recht, dass wir den Gegenpart des anderen einnehmen", erzählt Sheen n-tv.de. Ursprünglich sollte er den Dämon Crowley spielen. Gaiman hatte ihm erste Entwürfe des Serien-Skripts geschickt und als er Sheen an Bord geholt hatte, waren beide zunächst davon ausgegangen, dass er in die Rolle des Höllenvertreters schlüpfen würde. Doch es fühlte sich nicht richtig an. Wer die Serie gesehen hat, wird verstehen, dass Sheen wie gemacht war für den verklemmten Buchnarr mit Hang zu Garderobe im viktorianischen Stil. Und auch, dass er in Tennant den perfekten Partner gefunden hat.

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Die Serie "Good Omens" basiert auf dem Roman von Neil Gaiman und Terry Pratchett.

(Foto: Amazon)

"Wir kannten uns schon ewig", sagt Tennant im Gespräch mit n-tv.de. "Man weiß natürlich nie, ob man auch als Kollegen gut harmoniert. Aber ich hatte so ein Gefühl, dass wir einander gut aus der Reserve locken würden." Am ersten Drehtag saßen die beiden stundenlang gemeinsam auf einer Parkbank herum. Das sollte so. Der Parkbankdialog von Aziraphale und Crowley ist in der Serie ein wundervoller Ausgangspunkt, um die Beziehung dieser beiden Charaktere zu verstehen. Sheen und Tennant sind der Grund, "Good Omens" auch dann zu gucken, wenn man mit apokalyptischen Märchen nichts anzufangen weiß oder wenn man gerade mit apokalyptischen Märchen etwas anzufangen weiß, von der Serie aber nur bedingt begeistert ist.

"Good Omens" glänzt, wo sich zwei Männer schmachtende Blicke zuwerfen, als gehe es nicht um Weltrettung, sondern vielleicht einfach um gemeinsame Familienplanung oder dergleichen. Ob "Good Omens" auch eine Liebesgeschichte ist? "Oh, unbedingt! Auch wenn uns das so vorher niemand gesagt hat", ist sich Tennant sicher. Und Sheen ergänzt: "Sie lieben die Welt und sie lieben Menschen. Und weil sie mit denen keine angemessenen Beziehungen unterhalten können, lieben sie einander." Dann grinst er verschwörerisch: "Es ist ein echtes Buddy-Movie - nur geht es eben noch ein bisschen weiter."

"Good Omens" ist abrufbar über Amazon Prime Video.

Quelle: n-tv.de

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