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Der "Tatort" im SchnellcheckMetal, Mord und Mummenschanz

10.01.2026, 15:25 Uhr
imageVon Ingo Scheel
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Max Ballauf (Klaus J. Behrendt) und Freddy Schenk (Dietmar Bär, l.) nehmen am Fundort der Leiche eine erste Bestandsaufnahme vor (Foto: WDR/Thomas Kost)

Ballauf und Schenck gehen in die Oper: Dort ist ein Mord geschehen, es bleibt nicht der einzige. "Die Schöpfung" bietet einiges an schicken Schauwerten - das Timing in der "Tatort"-Planung wirft jedoch Fragen auf.

Was passiert?

Im Kölner Opernhaus laufen die Vorbereitungen für die Premiere von Haydns "Die Schöpfung" auf Hochtouren. Irgendwelche Komplikationen oder Verzögerungen kann Intendant Darius Henning (Stephan Grossmann) überhaupt nicht gebrauchen. Doch dann kommt es ganz dicke, denn plötzlich liegt Rüstmeisterin Elli Zander (Ines Lutz) ermordet im Lastenfahrstuhl, drapiert wie für eine Theaterszene, in einem edlen Kleid aus der "Zauberflöte", ein Loch im Stoff und in der Brust. Auftritt Ballauf (Klaus J. Behrendt) und Schenk (Dietmar Bär) - ersterer kann wenig, letzterer umso mehr mit dem Opern-Sujet anfangen. Ein Interessenkonflikt, der sich wohl auch durch deutsche Wohnzimmer ziehen dürfte.

Die beiden Kommissare machen zunächst mal dicke Backen, große Augen, denn was auf der Bühne zumeist so selbstverständlich und elegant aussieht, entpuppt sich hinter den Kulissen als vielköpfiger Apparat, in dem es zuweilen gar nicht so geschmiert läuft, wie es vonnöten wäre. Es dauert nicht lang, da gibt es den nächsten Toten: Schuhmacher Willi Köpke (Aljoscha Stadelmann), zu Lebenszeiten ein knorriger Typ mit Hang zum Heavy Metal. Eine erste Spur könnte zum geschassten Countertenor David Deycks (Marcel Jacqueline Gisdol), wenn der denn auffindbar wäre. Bleibt die Frage, was die Sopranistin Valerie Schmitt (Hannah Schiller) - außer den Flachmännern im Spind - noch so zu verbergen hat.

Worum geht es wirklich?

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KTU-Leiterin Försten (Tinka Fürst) und Kommissar Scheink (Diermar Bär) untersuchen den Toten, Schuhmacher Köpke (Aljoscha Stadelmann). (Foto: WDR/Thomas Kost)

Die Kölner Oper ist so etwas wie das "Stuttgart 21" der Domstadt. Groß gedacht, noch größer geplant, das Timing jedoch ein Fass ohne Boden. Kein Zufall, dass einer der ersten Treffer bei der Google-Suche die Frage aller Fragen stellt: Wann wird die Oper Köln fertig? Im Sommer 2012 haben die umfangreichen Sanierungsarbeiten des riesigen Baus auf dem Offenbachplatz begonnen, etliche Male wurde die Wiedereröffnung im Zuge von Fehlplanungen, Insolvenzen und einigen Fußangeln mehr verschoben. Im September 2026 soll es soweit sein - jetzt aber wirklich. Für die Dreharbeiten des 94. Falles der Kölner Kommissare durfte zum Teil im Allerheiligsten gedreht werden.

Wegzapp-Moment?

Oper, Theater, Tote, Schnaps zur Stärkung - da war doch was? Genau, erst vor zwei Wochen hieß es "Vorhang auf" beim Münchner "Tatort". Dort drehte sich "Das Verlangen" um Tschechows "Möwe", diesmal also mit Haydns "Die Schöpfung" erneut klassisches Vorlagenmaterial. Wiederum geht es hinter die Kulissen und auf die Bühne eines Schauspielhauses, erneut gibt es einiges an szenischen Einspielern, diesmal als Metaloper-Variante zwischen Lord of the Lost und Wave-Gotik-Treffen. Erneut dürfte das die Spreu vom Weizen trennen, was die Theater-Toleranz in Reihen des "Tatort"-Publikums angeht.

Wow-Faktor?

Autor Wolfgang Stauch, Regisseur Torsten C. Fischer und Kameramann Christoph Krauss ziehen alle Register, um auch "Tatort"-Gucker ohne Opern-Abo in den Bann zu ziehen. Der fast fertige Bau der Kölner Oper ist spektakulär, die riesige Halle, die verwinkelten Gänge, das Labyrinth der Räume, alles noch drei, vier Nummern größer als in München, von daher ein "Wow" mit Ausrufezeichen. Warum diese ähnlichen Settings in München und Köln jedoch so dicht aufeinanderfolgen, bleibt rätselhaft. Zudem überzeugt der Mix aus Opernszenen und scheinbar endlos Gesprächen nicht vollends - das zieht sich immer wieder in die Länge und geht zu Lasten der Spannung. In diesem symbolbeladenen Mummenschanz wäre erneut mehr drin gewesen.

Wie war's?

5 von 10 Punkten - großes Drama, kleiner Kitzel, keine Zugaben-Rufe.

Quelle: ntv.de

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