Der "Tatort" im SchnellcheckPizza Mortale

Ein toter Sexarbeiter, eine Fahrradkurierin, die gefährlich lebt, und zwei Kommissarinnen, die das soziale Gewissen plagt - mit dem Züricher Fall "Könige der Nacht" geht der "Tatort" in die längste Sommerpause aller Zeiten.
Was passiert?
Auf den ersten Blick ist Moya Alemu (Nambitha Ben-Mazwi) eine ganz normale Pizza-Botin, doch einer ihrer Kunden kommt der Frau aus Äthiopien unvermittelt auf die Schliche. "Das bist doch nicht du, da auf dem Ausweis!", bemerkt Ruben (Yves Weckemann), als sie ihm und seinen Partykumpels die bestellten Pizzen in den 23. Stock eines leerstehenden Wolkenkratzers liefert. Der offensichtlich angetrunkene Mann denkt sich nicht viel dabei, gibt Trinkgeld, Moya will möglichst schnell wieder los.
Doch die Gänge des Gebäudes erweisen sich als verwirrendes Labyrinth, Moya verläuft sich und wird plötzlich Zeugin einer gruseligen Szene - zwei Männer in weißen Overalls tragen einen Plastiksack davon, darin offensichtlich ein menschlicher Körper. Moya tritt panisch die Flucht an, wird angefahren und verliert dabei ihren Ausweis. Der ist auf den Namen ihrer Cousine Sanaa Mukambo (Nancy Mensah-Offei) ausgestellt, bei der sie - als illegaler Flüchtling - zusammen mit ihrem Neffen für eine Weile untergeschlüpft ist. Kurz darauf wird Moya zufällig Zeugin, wie Rubens Leiche aus dem Fluss gezogen wird. Spätestens jetzt wird ihr bewusst, in welcher Gefahr sie sich befindet - zudem schalten sich nun auch die Zürcher Kommissarinnen Tessa Ott (Carol Schuler) und Isabelle Grandjean (Anna Pieri Zuercher) ins Geschehen ein.
Worum geht es wirklich?
Die Schweizer Asylpolitik bildet den Überbau dieses elften Falles des Teams Ott/Grandjean. Moya Alemu muss sich vor den Behörden verstecken, um nicht ausgewiesen zu werden, der Job als Pizza-Botin ist ein fortwährendes Risiko, das auch ihre Cousine gefährdet. Zudem lebt sie in ständiger Sorge um ihren kleinen Neffen, der nach dem Tod seiner Mutter während der Flucht verstummt ist. Soweit die Ausgangssituation von "Könige der Nacht", im Laufe der Ermittlungen jedoch bekommt der Fall eine ganz eigene, etwas anders gelagerte Dynamik.
Wegzapp-Moment?
Schwer bis gar nicht auszumachen, der Fall hat ausreichend Tempo, das Rätsel um Rubens Tod bietet angemessene Spannung. Zudem ist unterhaltsam anzuschauen, wie unaufgeregt, dabei dennoch präsent, Ott und Grandjean ihren Arbeitsalltag bestreiten, kleine Nicklichkeiten inklusive, ohne in branchenübliche Misanthropie zu verfallen.
Wie hoch ist der Wow-Faktor?
Eine Frage, die man im Verlauf dieses "Tatorts" sicherlich ganz unterschiedlich beantworten würde. Als Sozialdrama mit Krimi-Kante gestartet, ist das vielleicht eher ein verhaltenes "Wow". Mit seinem gesellschaftspolitischen Grundton und den etwas trockenen Erklär-Dialogen, entwickelt sich das Geschehen ein wenig zu erwartbar nach dem Motto "Been there, done that". Dann jedoch streuen Autor Mathias Schnelting und Regisseur Claudio Fäh ein paar würzige Prisen Drama auf die Plot-Pizza und es wird umgehend leckerer - ein hoher Beamter mit pikantem Geheimnis, ein Brutalo im Clinch mit Grandjean, ein neuer Kollege und eine Auflösung, die sich etwas überdrehten, dabei jedoch kurzweiligen Schmackes gönnt.
Wie war's?
7 von 10 Punkten - ein solider Abschluss der diesjährigen "Tatort"-Hinrunde, die mit dem 3. Mai so früh endet wie nie zuvor, erst im September geht es weiter.