Reinspergers "Tatort"-AbschiedElf Fälle, eine Freundschaft, kein Happy End

"Leider hört die Party oft im besten Moment auf", sagt Jörg Hartmann über den Abschied seiner Kollegin. Nach elf Fällen als Kommissarin Rosa Herzog verlässt Stefanie Reinsperger den Dortmunder "Tatort" - auf eigenen Wunsch und mit einem starken letzten Fall.
Nein, so viel Spoiler darf erlaubt sein: Rosa Herzog (Stefanie Reinsperger) stirbt nicht den standesgemäßen Krimi-Tod einer Fernseh-Kommissarin - ein Happy End gibt es zum Ende ihrer "Tatort"-Karriere allerdings auch nicht. Aber von vorne: Als emotionaler Gegenpol zu Kommissar Faber (Jörg Hartmann) war sie über Jahre hinweg eine tragende Säule des Dortmunder Teams. Nun ist "Schmerz" Stefanie Reinspergers elfter und letzter Fall als Kommissarin Rosa Herzog - und der Abschied fällt allen Beteiligten schwer.
"Das war eine so intensive, lehrreiche, tolle Zeit", sagt Reinsperger über ihre Zeit beim "Tatort". "Ich habe die Reise mit dieser Figur und mit meinen tollen Kolleg:innen unglaublich genossen. Ein Teil von mir bleibt bei Rosa und in Dortmund und natürlich bei Faber." Der wird gespielt von Jörg Hartmann, der für seine Kollegin ebenfalls nur warme Worte übrig hat: "Ich werde Stefanie als tolle Kollegin und wunderbaren Menschen vermissen, die nicht nur ihrer Rolle, sondern dem ganzen Dortmunder Tatort viel gegeben hat." Um dann in dem ihm eigenen trockenen Ton hinzuzufügen: "Leider hört die Party aber oft im besten Moment auf."
Dabei war der Weg dorthin alles andere als gradlinig. Mit dem kantigen und bisweilen kaum auszuhaltenden Eigenbrötler Faber umzugehen, will gelernt sein - seine Launen wegzuatmen gehört dabei wohl zu den wichtigsten Skills. Reinsperger selbst sagt über das Verhältnis der beiden: "Es war ein holpriger Weg dahin, aber Rosa hat Faber immer sehr geschätzt und bewundert. Je mehr den beiden passiert ist, desto näher sind sie zusammengerückt." Am Ende, so Reinsperger, sei Faber Herzogs einziger Freund gewesen - der Einzige, der geblieben war.
Ein dezimiertes Team
Das macht den Abschied umso schwerer. "Manches ändert sich nie", grübelt Faber gegen Ende des Films. "Und manchmal ändert sich alles. Und dann wird's Zeit loszulassen", entgegnet Herzog. Ein Satz, der auch als Botschaft an das Publikum taugt - unter anderem, weil das Dortmunder Team in den vergangenen Jahren stark dezimiert wurde. Martina Bönisch (Anna Schudt), Jan Pawlak (Rick Okon), Nora Dalay (Aylin Tezel), Daniel Kossik (Stefan Konarske) - sie alle haben das Team verlassen. Kossik taucht immerhin als LKA-Beamter immer wieder mal auf, so auch in "Schmerz".
Ihren nächsten Schritt hat Reinsperger übrigens längst gemacht: Seit der Spielzeit 2024/25 ist die österreichische Schauspielerin wieder festes Ensemblemitglied am Wiener Burgtheater - einem der renommiertesten deutschsprachigen Theater überhaupt. Dort wird sie sich grundlegend anderen Stoffen widmen, um etwa in Peter Handkes "Selbstbezichtigung" das Publikum zu beschimpfen oder in "Elisabeth!" als Kaiserin Sisi einen Monolog über die feministische Seite ihrer historischen Figur halten.
Als Trostpflaster für die "Tatort"-Zuschauer bleibt die Qualität von Reinspergers letztem Auftritt: Mit 9 von 10 Punkten ist "Schmerz" ein würdiger Abschluss für eine Figur, die dem Dortmunder "Tatort" über elf Fälle hinweg ihren eigenen Rhythmus gegeben hat. Rosa Herzog geht. Der "Schmerz" bleibt.