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Der "Tatort" im Schnellcheck Reptiloiden, Chips und Aluhüte

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(Foto: WDR/Bavaria Fiction GmbH/Thomas Kost)

20 Jahre "Tatort" mit Boerne und Thiel - ein guter Grund für das ungleiche Duo, gemeinsam ein Glas Wein zu leeren. Aber auch so gibt es Anlass, sich hochprozentig durchlässig zu machen. So gaga wie in "Propheteus" ging es in Münster selten zu.

Was passiert?

Am Anfang von "Propheteus" ist ordentlich Action angesagt. Thiel (Axel Prahl) und Boerne (Jan Josef Liefers) haben es mit einem offensichtlich Geistesgestörten (Matthias Komm) zu tun, der die beiden samt Sprengstoffgürtel ins Jenseits befördern will. Als sich die Situation überraschend schnell auflöst, erfährt das Publikum im Rückblick, was es mit diesem Typen auf sich hat. Und einen normal gebräuchlichen Mord gibt es natürlich auch noch. Magnus Rosponi wird in seiner Wohnung erschlagen aufgefunden, auf dem Seziertisch fällt es Alberich (ChrisTine Urspruch) wie Schuppen von den Augen: Sie kennt den Mann aus der Schulzeit, und nicht nur das, sie war einst sogar in ihn verliebt. Derlei amouröse Erinnerungen verfliegen jedoch schnell wieder, als Professor Boerne dem Toten eine Art Chip entnimmt, den der sich hatte einpflanzen lassen.

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Die Anzugträgerinnen Muster und Mann (Melanie und Daniela Reichert).

(Foto: WDR/Bavaria Fiction GmbH/Thomas Kost)

Die Spur führt zunächst in den Bowlingclub des Ermordeten, wo man mehr rumdruckst als trauert, und schnell klar wird, dass irgendjemand hier - oder womöglich alle - etwas auf dem Kerbholz haben. Der Fall zieht plötzlich so große Kreise, dass selbst der Verfassungsschutz aufmerksam wird und mit den Anzugträgerinnen Muster und Mann (Melanie und Daniela Reichert) sein obskurstes Duo nach Münster schickt. Mir nichts, dir nichts befinden sich Thiel und Boerne plötzlich in einem Wust aus Verschwörungstheorien und Verfolgungswahn, ist von Reptiloiden die Rede, die die Welt erobern wollen, ist bald überhaupt nicht mehr klar, wer hier wie tickt und was der ganze Wahnsinn eigentlich soll.

Worum geht es wirklich?

Spätestens seit Corona und den Folgen hat der Aluhut als symbolisch aufgeladene Kopfbedeckung hierzulande fröhliche Urständ gefeiert. "Propheteus" versucht eine parodistisch-satirische Annäherung an das Thema, konterkariert die diffusen Ideen und Theorien, mit denen man so auf der dunklen Seite unterwegs ist.

Wegzapp-Moment?

Im Grunde genommen ist dieser gesamte "Tatort" ein einziger Wegzapp-Moment, wenn man denn den Münsteranern ohnehin etwas kritisch gegenübersteht. Wirr, wahnsinnig, weltentrückt - aber genau so haben sich Autorin Astrid Ströher und Regisseur Sven Halfar das wohl vorgestellt, zielt ihre Kritik im Kern doch auf eben jene Aluhut-Fraktion, deren Welt sich andersherum zu drehen scheint.

Wow-Faktor?

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Für die Freigeister unter den Thiel/Boerne-Fans sicherlich hoch, ist "Propheteus" doch ein vogelwildes Stelldichein der zerschossenen Ideen, Aluhüte, Chip-Implementierung und "Men in Black" inklusive. Eigentlich schon ein Geniestreich als solches, ein derart vom Wahnsinn gerittenes Script an allen Verantwortlichen vorbei auf die Mattscheibe zu hieven.

Wie war's?

5 von 10 Aluhüten - wer sich auf dieses verschwörerische Tutti Frutti einlässt, mag sich unterhalten fühlen, der Rest dürfte beim nächsten "Tatort" aus Münster zweimal überlegen, ob man sich zum Ausklang des Wochenendes derart durchnudeln lassen möchte.

Quelle: ntv.de

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