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"Verlieren ist keine Schande" S!sters für den ESC, Schwestern für immer

Der ESC hat sie zusammengeschweißt. Als Duo namens S!sters gehen Carlotta Truman und Laura Spinelli für Deutschland in Tel Aviv an den Start. Vor dem Finale sprechen sie mit n-tv.de über die Konkurrenz, Tipps von Lena und die Erwartungen an ihre Platzierung.

n-tv.de: Was war denn bisher das Beste in Tel Aviv für euch - Shoppen, Essen, Baden oder dann doch die ESC-Proben?

Laurita: Oh, ich kann mich gar nicht entscheiden. Ich finde alles gleich gut.

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Carlotta: Für mich ist es, einfach rumzugucken und alles zu sehen. Jetzt hier zum Beispiel: Wir sind gerade im 19. Stock unseres Hotels. Wenn man draußen auf dem Balkon steht und sich umguckt, sieht man dieses unfassbar blaue Meer. Auch die Stadt schaut von hier aus total schön aus.

Aber auch vom ESC-Trubel habt ihr ja schon einiges mitgenommen, zum Beispiel am Sonntag auf dem "orangenen Teppich". Ist es so, wie ihr es erwartet habt?

Laurita: Ich würde lügen, wenn ich nicht sagen würde, dass es auch stressig war. (lacht) Es sind ja doch sehr, sehr viele Menschen. Und Carlotta und ich hatten noch nie so viel Aufmerksamkeit. (lacht) Davor hat man natürlich Respekt. Aber es war auch ein sehr schönes Gefühl. Netta ist zum Beispiel an uns vorbeigegangen. Das war eine ganz große Ehre. Sie ist wirklich eine Erscheinung und ein Riesenstar. Sie kommt rein und automatisch ist Stimmung da.

Aber um euch haben sich die Leute doch auch gerissen ...

Laurita: Stimmt. Wir haben zwei Stunden geredet und es gar nicht gemerkt. (lacht) Die Zeit ist wie im Flug vergangen.

Wie ihr zusammengekommen seid, ist bekannt. Ihr seid keine Schwestern, sondern wurdet für den ESC zum Duo. Wie habt ihr euch seither zusammengerauft?

Laurita: Wir sind zu Schwestern geworden.

Carlotta: Am Anfang haben wir nur miteinander telefoniert. Doch schon da haben wir gemerkt, dass es zwischen uns total gut passt. Dann haben wir uns im Studio getroffen, um den Song das erste Mal einzusingen. Und dann kam auch schon die Woche vor dem Vorentscheid in Berlin.

Da gab es dann praktisch kein Zurück mehr ...

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Ihr Triumph im Vorentscheid brachte Laurita (l.) und Carlotta nach Tel Aviv.

(Foto: imago images / Sven Simon)

Carlotta: Ja, von da an haben wir ständig gemeinsam Entscheidungen getroffen. Da wächst man unfassbar schnell zusammen. Zumal uns die Musik verbindet: Wir singen beide schon unser Leben lang und sehen das als unsere Berufung. Das trägt sicher auch dazu bei, dass wir uns so gut verstehen.

Laurita: Außerdem sind wir füreinander da. Als wir zum Beispiel auf dem "orangenen Teppich" waren, gab es Phasen, in denen die eine oder die andere von uns mal müde wurde. Da konnten wir uns gegenseitig Kraft geben. Wir sind hier beim ESC das einzige Duo. Ich glaube, sobald man eine größere Gruppe ist, wird es mit der gegenseitigen Unterstützung schwieriger. Ich merke auf jeden Fall sofort, wenn mit Carlotta etwas nicht stimmt, und sie, wenn bei mir etwas nicht passt. Dann sind wir füreinander da.

Ihr wirkt vom Typ eigentlich eher unterschiedlich. Was schätzt ihr an der jeweils anderen besonders?

Laurita: Wir sind tatsächlich ziemlich unterschiedlich, ticken dann aber doch bei so vielen Dingen wieder unglaublich gleich. Unsere musikalischen Ansichten etwa sind sehr ähnlich. Aber beim Musikgeschmack gehen wir auseinander. (lacht) Am meisten schätze ich an Carlotta, dass ich durch sie neue Dinge kennenlerne. Sie macht mich zum Beispiel auf Musik aufmerksam, die ich mir vorher nie angehört hätte - und jetzt total cool finde.

Carlotta: Ich schätze an Laurita am meisten, dass sie so tough ist. Ich kann das manchmal einfach nicht sein. Von daher ist es super, diesen Ausgleich zu haben und mich immer an sie wenden zu können.

Lena hat mal verraten, dass sie gar nicht so richtig wusste, für was sie sich seinerzeit beim ESC beworben hat. Wie ist das bei euch? Hattet ihr vorher schon eine Beziehung zu dem Contest?

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Vom Casting-Duo sind sie zu Schwestern geworden.

(Foto: eurovision.tv)

Carlotta: Ich auf jeden Fall. Wir haben den ESC in unserer Familie immer geguckt. Die erste Berührung damit hatte ich mit dem Vorentscheid in Deutschland 2003 - da war ich drei Jahre alt. (lacht) Damals ist die Gerd-Show (ehemalige Comedy-Formation, Anm. d. Red.) angetreten und ich hatte so Angst vor dem Gerhard-Schröder-Männchen ... (lacht) Das war mein Albtraum als Kind. Wirklich!

Klingt echt traumatisch ...

Carlotta: Ja, aber seither gucke ich trotzdem jedes Jahr und habe immer auch meine Favoriten und Lieblingssongs. Aber es stimmt schon: Ich habe auch ein bisschen das Gefühl, gar nicht gewusst zu haben, wofür ich mich beworben habe. Denn gerade wenn man den ESC jedes Jahr guckt, mutet es total surreal an, selbst einmal bei ihm dabei sein zu können.

Laurita: Ich war als Kind ein riesiger ABBA-Fan - durch meine Eltern, die für ABBA schwärmten. Irgendwann habe ich einen Song von ABBA auf der Bühne gesungen. Da fragte mich meine Mutter: "Weißt du eigentlich, dass sie durch den ESC berühmt wurden?" Ich hatte keine Ahnung. Da bekam ich den ESC das erste Mal so richtig auf den Schirm. Vorher war er für mich eine Selbstverständlichkeit. Man wächst ja damit auf, dass es den ESC gibt, so wie den Morgen und die Nacht. (lacht)

Ihr habt beide unterschiedliche Verbindungen zu Lena - Laurita als ihre Background-Sängerin, Carlotta als Lena-Double in einer TV-Show. Ist sie ein Vorbild für euch?

Carlotta: Zur ESC-Zeit war ich ein Riesenfan von ihr. So wie es jetzt Leute gibt, die von uns Fans sind, war das meine Zeit, in der ich von jemandem geschwärmt habe - und das war Lena.

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Sie wollen nach dem ESC vor allem eins: in den Spiegel gucken können.

(Foto: picture alliance/dpa)

Laurita: Für mich haben viele Menschen in meinem Leben eine Vorbildfunktion. Lena ist einer davon, aber auch Carlotta. Auch bei ihr würde ich mir gerne viele Dinge abgucken. Ich glaube, als Künstler nimmt man viele Einflüsse auf - sei es, ob es um den Gesang geht oder nur darum, wer sich am roten Teppich am besten präsentiert. Gesanglich ist zum Beispiel Stevie Wonder mein größtes Vorbild.

Lena hat euch vor dem ESC jetzt auch ein paar Tipps gegeben. Zum Beispiel den, authentisch zu bleiben. Hat euch das geholfen?

Laurita: Auf jeden Fall.

Euer Bühnenbild hier in Tel Aviv sieht ganz anders aus als beim Vorentscheid. Wie kommt das?

Laurita: Das hängt natürlich mit dem speziellen Bühnenaufbau hier zusammen. Aber ich finde, die Bühne hier ist wie für uns gemacht. Es gibt ja zwei Stege, die sich in der Mitte treffen, auf denen wir aufeinander zugehen. Das bietet sich unglaublich dafür an, die Geschichte des Songs auch außerhalb der Musik im Bild zu erzählen.

Wenn ihr auf eure Mitbewerber aus den anderen Ländern guckt, was sind dann eure Favoriten?

Laurita: Mein Favoritensong ist "Arcade" aus den Niederlanden. Aber das ist so eine Sache. Als ich vor Kurzem Michael Rice aus Großbritannien gehört habe, hat es mich in dem Moment so gepackt, dass auf einmal er bei mir ganz vorne lang. (lacht) Gefühle ändern sich nun mal situationsbedingt. Wenn ich zum Beispiel müde bin, brauche ich einen Aufwecksong. Dann finde ich "Friend of a Friend" aus Tschechien total gut ...

Carlotta: Mein Lieblingssong!

Laurita: Aber Italien hat zum Beispiel auch einen Supersong. Am Ende ist es eine Frage der Laune im jeweiligen Moment. So wird es am Ende auch bei unserer Bewertung am Samstag sein. Man kann überhaupt nicht sagen, was die Leute dann gut finden werden.

Trotzdem kommt ihr um diese Frage natürlich nicht herum: Was ist euer Ziel für das ESC-Finale?

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Der Countdown läuft - am Samstagabend geht es für S!sters um alles.

(Foto: picture alliance/dpa)

Laurita: Unseren Auftritt so gut zu machen, wie wir es können.

Carlotta: Dass wir beide zufrieden sind. Dann kann kommen, was will.

Laurita: Verlieren ist doch auch keine Schande. Man sollte deshalb keine Angst vor einer schlechten Platzierung haben. Am Ende heißt das doch nur, dass man nicht den Zeitgeist getroffen hat, der gerade in den verschiedenen Ländern gleichzeitig vorherrscht. Aber wir nehmen doch so oder so etwas unfassbar Tolles mit nach Hause. Wie viele Menschen können schon von sich sagen, beim Eurovision Song Contest Deutschland auf der Bühne vertreten zu haben?

Ihr werdet aber natürlich mit einer gewissen Erwartungshaltung konfrontiert, was die Platzierung angeht ...

Laurita: Ja, natürlich! Aber das ist dann die Sache der anderen. Wir müssen unserer Erwartungshaltung standhalten. Wir müssen mit uns klarkommen, wenn wir in den Spiegel gucken. Das ist das, was für uns zählt.

Wie geht es mit euch nach dem ESC weiter? Auch als Duo?

Laurita: Ich habe zu Carlotta gesagt: "Du wirst mich jetzt nicht mehr so schnell los." (lacht)

Carlotta: Wir werden erstmal unseren Kopf sortieren und gucken, wie wir unsere verschiedenen Musikstile zusammenführen können. Wir werden uns sicher mal zusammensetzen und versuchen, gemeinsam einen Song zu schreiben. Das dürfte spannend werden!

Laurita: Ich glaube, das wird auch die Besonderheit an uns werden. Ja, wir wurden gecastet, das ist kein Geheimnis. Aber dabei ist "aus Versehen" etwas herausgekommen, was uns beiden viel bedeutet und ans Herz gewachsen ist. Damit hatte ich selbst ganz am Anfang auch nicht gerechnet. Aber jetzt glaube ich, wenn wir uns bei unserer Musikrichtung in der Mitte finden, wird das etwas ganz Besonderes sein.

Ihr bleibt also S!sters?

Carlotta: Auf jeden Fall.

Mit Carlotta und Laurita von S!sters sprach Volker Probst

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Quelle: n-tv.de

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