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"Tatort" aus Berlin Tod durch Ruhestörung

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Karow (Mark Waschke) untersucht einen toten Drogendealer.

(Foto: rbb/Stefan Erhard)

Ein Praktikum am Kotti, zwei Kugeln in der Brust: Für den Sohn von Kommissarin Rubin endet der erste Tag im Dienst denkbar ungünstig. Dabei ging es doch nur um Ruhestörung. Oder etwa doch nicht?

Ganz egal, wie man persönlich zu Berlins bekanntestem Platz steht: Streife laufen am Kotti, das dürfte bei Berliner Polizisten irgendwo ziemlich weit unten auf der Liste der Lieblingsjobs rangieren. Der Kriminalitätsschwerpunkt ist aber mit Sicherheit ein ziemlich guter Ort um herauszufinden, ob das mit der Polizeikarriere eine gute Idee war - ganz besonders, wenn einem ein Drogendealer gleich am ersten Tag des Einsatzpraktikums zwei Kugeln in die Brust schießt. Tolja (Jonas Hämmerle), dem Sohn von Kommissarin Rubin (Meret Becker), passiert genau das.

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Karow (Mark Waschke) bringt Tolja (Jonas Hämmerle) an den Tatort zurück.

(Foto: rbb/Stefan Erhard)

Zusammen mit zwei Vorgesetzten wird der Polizeiaspirant in ein Mietshaus gerufen, um einer Meldung wegen Ruhestörung nachzugehen. Statt lauter Musik sehen sich die Beamten mit zwei nervösen Drogendealern konfrontiert. Der Einsatz eskaliert, Toljas Kollegin Sandra (Anna Herrmann) stirbt, sein Vorgesetzter Stracke (Peter Trabner) bekommt einen Schuss ins Bein ab - Tolja überlebt nur, weil er als Einziger eine schusssichere Weste trägt. Am Tatort angekommen muss sich seine Mutter nicht nur um den unter Schock stehenden Sohnemann kümmern, sondern auch noch herausfinden, warum die Situation so schnell eskaliert ist.

Je tiefer Rubin und ihr Kollege Karow (Mark Waschke) in den Fall eintauchen, desto entsetzlicher erscheint die Wahrheit, die sich langsam aus dem Sumpf an Fragen herausschält - und die bald schon erahnen lässt: Hier geht es um weit mehr als nur einen unglücklichen Zufall und ein paar Drogen in der ohnehin drogenverseuchten Hauptstadt. Oder, wie Wachtmeister Stracke sagt: "Es hört nie auf, nur jeden Tag und jede Nacht die gleiche Scheiße." Und die macht anscheinend selbst den besten Polizisten irgendwann kaputt.

Vermeidbare Häufung von Zufällen

"Der gute Weg" ist irgendwo zwischen Drama und Thriller angelegt, und Regisseur Christian von Castelberg beweist genau das richtige Näschen bei der Umsetzung: Die Dialoge sind genau wie die gezeigte Stadt rau, rutschen dabei aber nie ins klischeehafte ab, wie es "4 Blocks" bisweilen passiert. Und die Handlung rund um kaputte Polizistenfamilien überzeugt fast auf ganzer Strecke - wäre da nicht eine vermeidbare Häufung von Zufällen, die der Glaubwürdigkeit des Erzählten einen Dämpfer versetzt.

Glücklicherweise nur einen leichten, weshalb sich die Zuschauer voll und ganz auf die Botschaft des Films konzentrieren können: "Sowas gab's früher nicht, den ganzen Hass", sagt Wachtmeister Stracke fast am Ende des Films, auf einer Schaukel sitzend. Das stimmt so natürlich nicht, aber es verdeutlicht ein Gefühl, das gerade Hauptstadtbewohner kennen dürften und das immer mehr überhandnimmt. Dieser "Tatort" hat zwar kein Rezept dagegen, aber doch eine Lehre im Gepäck: Noch mehr Hass macht den Hass von früher nicht ungeschehen.

Quelle: n-tv.de