TV

Münchner Missbrauchs-"Tatort" Weihnachtsmann mit Machete

2_Tatort_Wir_kriegen_euch_alle.jpg

Die Kommissare Leitmayr (Udo Wachtveit, l.) und Batic (Miroslav Nemec, hinten) sehen sich zusammen mit der Kinderpsychologin eine schockierende Befragung an.

BR/Hendrik Heiden

Puppen können tödlich sein. Spätestens seit "Chucky - Die Mörderpuppe" sollte das allgemein bekannt sein, und doch scheinen manche Eltern nichts gelernt zu haben. Im aktuellen "Tatort" bekommen sie dafür die Quittung.

Den Weihnachtsmann gibt es nicht. Schon gar nicht, wenn draußen noch die Blätter an den Bäumen hängen. Aber das hat der kleinen Lena anscheinend niemand gesagt. Also lässt das Mädchen den Kapuzenträger ins Haus und freut sich über das Plätzchen mit dem injizierten Schlafmittel, das er ihr mitgebracht hat. Kurz darauf trägt der Weihnachtsmann die schlafende Lena in ihr Hängezelt im Garten, schleicht sich zurück ins Haus, schneidet den schlafenden Eltern mit einer Machete die Kehle durch - und, weil er gerade eh schon mal da ist, dem Vater auch noch die Genitalien.

Dass "Wir kriegen euch alle" kein Wohlfühl-"Tatort" ist, macht der Film bereits in den Anfangsminuten klar. Das ist aber auch ganz gut so: Es geht um Kindesmissbrauch und - zum zweiten Mal innerhalb von zwei Wochen - um Lynchjustiz. Themen also, die ernsthaft erzählt werden wollen. Weil obendrein noch eine ziemlich gruselige "Smartpuppe" namens Senta eine tragende Rolle spielt, die per Smartphone-App sprachgesteuert werden kann, fühlt sich der Münchner "Tatort" stellenweise wie eine Folge der britischen Dystopie-Serie "Black Mirror" an.

Glückliches Händchen bei der Besetzung

Mehr kann und sollte man an dieser Stelle nicht verraten, ohne zu spoilern. Das wäre in diesem Fall ohnehin besonders schade, denn "Wir kriegen euch alle" ist ein überdurchschnittlich spannend erzählter Fall - nicht nur für Münchner Verhältnisse. Mehrere Twists sorgen dafür, dass selbst die aufmerksamsten Zuschauer bis zum Finale im Dunkeln tappen sollten - und der Plot selbst ist so eindringlich erzählt, dass es einem bisweilen kalt den Rücken hinunterläuft, Stichwort: "Niemand macht den Papa so glücklich wie du."

Ein besonders glückliches Händchen hat Regisseur Sven Bohse beim Casting bewiesen: Vom chinesischen Au-pair-Mädchen über die gequälten Mitglieder einer anonymen Missbrauchs-Selbsthilfegruppe bis hin zum ultradominanten Übervater einer Familie ist jede Rolle glaubwürdig besetzt. Das gilt auch für die Kommissare selbst: Als Batic (Miroslav Nemec) undercover in der Selbsthilfegruppe ermittelt und von einem Missbrauchserlebnis aus seiner Jugend berichtet, verschwimmt die Grenze zwischen Realität und Tarnung. Verfolgt den Kommissar etwa tatsächlich ein Trauma oder hat er die Geschichte nur erzählt, um das Vertrauen der Gruppe zu gewinnen?

Einzig und allein bei der inhaltlichen Ausgestaltung des Films wäre noch ein bisschen Luft nach oben, einige Szenen bleiben im Vergleich zum Rest merkwürdig blass. Das allerdings ist Meckern auf hohem Niveau, alles in allem ist "Wir kriegen euch alle" ein rundum gelungener Horrorthriller. Am Ende bleibt eigentlich nur eine Frage: Wer kauft seinen Kindern eigentlich so gruselige Puppen, wie Senta eine ist?

Quelle: n-tv.de

Mehr zum Thema