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"Tatort: Innere Angelegenheiten"Willkommen im Dschungel

19.04.2026, 21:52 Uhr
imageVon Ingo Scheel
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Können Franziska Tobler (Eva Löbau) und Friedemann Berg (Hans-Jochen Wagner) wieder vertrauensvoll zusammenarbeiten? (Foto: SWR/Benoît Linder)

In Freiburg wurde diesmal in weiten Teilen getrennt voneinander ermittelt. Es dauert, bis Berg und Tobler einen gemeinsamen Entschluss fassen. Happy End im Schwarzwald - nur die Sache mit den Guns N' Roses wirft Fragen auf.

Ob Axl Rose oder Slash wohl den "Tatort" gucken? Es dürfte ihnen nicht gefallen haben, was sie da am Sonntagabend zu sehen bekamen, was weniger mit dem Fall, als mit einer ganz bestimmten Szene zu tun hatte. "Scheiß Musik hören ist nicht verboten", sagt Laura Babayan (Nairi Hadodo) zu einem Clubgast, der sich über eine Art von Ungleichbehandlung beschwert. Drinnen wird man festgehalten, draußen können die Rocker machen, was sie wollen, sein Vorwurf. Die harten Jungs hören Guns N' Roses, "Welcome To The Jungle". Scheiß Musik? Echt jetzt? Woher mag die harsche Hardrock-Feindlichkeit bei "Tatort"-Autor Bernd Lange rühren - oder wollte der Mann vielleicht einfach nur ein bisschen provozieren? Die x-te Reunion von Axl und seiner Gang mag ja mäßig unterhalten, aber "Appetite For Destruction" ist doch nun wirklich ein gutes Album ...

... aber sei es drum: Die Musik spielte im Schwarzwald-"Tatort" mit dem verheißungsvollen Titel "Innere Angelegenheiten" ohnehin nur eine untergeordnete Rolle. Stattdessen lag der Schwerpunkt auf den Dialogen. In einer Art dreigeteiltes Kammerspiel ging es dabei um einen toten Rocker und die Frage, wie der Mann ums Leben gekommen ist, wer ihm was und warum über den Schädel gezogen hat, sodass es mit dem Guns N' Roses-Hören für ihn ein für alle Mal vorbei war.

Eine zugegeben reizvolle Konstellation, auch wenn schnell klar wurde, dass der Hauptverdächtige Ramin Taremi (Omid Memar) nicht der gesuchte Mann ist, auch wenn es für Friedemann Berg (Hans-Jochen Wagner) doch eigentlich gar nicht anders gewesen sein konnte. Zur selben Zeit tagte nämlich ein halbes Dutzend der Bereitschaftspolizei einige Kilometer entfernt und hatte offenkundig etwas angestellt, von dem möglichst nichts an die Öffentlichkeit dringen sollte. Die Polizistinnen und Polizisten waren im Club eingetroffen, als es erste Beschwerden über Ausschreitungen gab, am Ende hatte es einen der Rocker dahingerafft.

Ein ambitionierter Fall

Der Grund, warum die Polizeieinheit ihren Einsatzbericht noch nicht eingereicht hat: Man ist uneins über die offizielle Version, vor allem Jakub Zulawski (Lasse Lehmann) plagt das Gewissen. Nicht nur, dass er im Dienst lügen würde und damit seinen Beamtenauftrag massiv verletzten würde, mit Taremi landet zudem ein Unschuldiger im Knast. Am Ältesten der Truppe, Wolle Heizmann (Andreas Anke), brachen sich schließlich die unterschiedlichen Parteien, die einen dafür, die anderen dagegen, Heizmann wollte soweit gehen, alles an potenzieller Schuld auf sich zu nehmen. Während sich Bergmann auf dem Revier mit Taremi und dessen aalglatter Anwältin Simin Nadjafi (Proschat Madani) auseinandersetzte, ging es für Franziska Tobler (Eva Löbau) und die Kollegin Babayan darum, das Faktenknäuel im Club zu entwirren.

Unterm Strich ein ambitionierter Fall, der sich zum einen mit dem alltäglichen Rassismus auseinandersetzte. Taremi, in Deutschland geborener Iraner in zweiter Generation, war allein durch seine Herkunft verdächtig, eine üble Tendenz, die überaus real ist. Demgegenüber der unappetitliche Korpsgeist in Reihen der Polizei, auch der nicht erst seit dem Bekanntwerden von Chatgruppen mit rassistischen und nationalsozialistischen Inhalten ein zutiefst beunruhigendes Phänomen.

So hatten Bernd Lange und Regisseur Robert Thalheim eine interessante Gemengelage unter den Händen, auch wenn nicht alles zündete. Würde die Polizei wirklich auf offener Straße stehen und schwerwiegende Verstöße lautstark diskutieren? Wo waren eigentlich die Rocker abgeblieben, nachdem die Musik verklungen war? Und war es dramaturgisch nicht vielleicht anders lösbar, als das Geschehen in etlichen Dialogszene immer nochmal nacherzählen zu lassen?

Während Berg und Tobler über weite Strecken etwas verhalten agierten, was ihr Kerngeschäft angeht, waren es ausgerechnet die privaten Momente, die im Gedächtnis blieben: Tobler, wie sie das Haus ihres verstorbenen Vaters entrümpelt, ein schwerer Gang für die Kommissarin, Berg, der in Sachen Familie auch einiges zu verarbeiten hat. Umso versöhnlicher das Ende des "Tatorts", da die beiden hinaus in den angebrochenen Morgen treten und einen Entschluss fassen. Es geht weiter. Zusammen. Vielleicht hören die beiden ja auch bei den Guns N' Roses nochmal rein.

Quelle: ntv.de

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