TV

Feinsinniger "Tatort" aus Weimar Zurück zu den Wurzeln

1_Tatort_Die_harte_Kern.jpg

Ganz ohne Klamauk geht's eben doch nicht: Lessing und Dorn auf dem Weg zum Showdown.

(Foto: MDR/Wiedemann&Berg/Stephanie Kul)

In den vergangenen Episoden versuchte der MDR angesichts schwindender Quoten fast schon verzweifelt, die Münsteraner Klamauk-Kommissare zu kopieren. Aber das Original bleibt das Original - und das scheinen sie nun auch in Weimar verstanden zu haben.

Sechs Jahre ist es mittlerweile schon wieder her, seit der Weimarer "Tatort" als leicht feinsinnigere Ost-Variante des Münsteraner Klamauk-Krimis an den Start gegangen ist. Die teils ziemlich verkopften Wortspielereien musste man mögen - und weil das nicht so viele Zuschauer taten wie vom MDR erhofft, näherten sich die Kommissare Lessing (Christian Ulmen) und Dorn (Nora Tschirner) in den vergangenen Episoden immer weiter ihren münsterländischen* Vorbildern an. Aber so wie die Politik in den vergangenen Jahren schmerzlich feststellen musste, dass das Original immer noch am besten verfängt, so mussten sich auch die Weimarer Ermittler mit maximal noch passablen Quoten zufriedengeben: Gerade mal 7,1 Millionen Zuschauer wollten Anfang des Jahres wissen, was "Der höllische Heinz" so treibt.

14_Tatort_Die_harte_Kern.jpg

Zwei Männer, zwei Mörder? Kommissar Lessing (Christian Ulmen) und Schrottplatzbesitzer Knopp (Heiko Pinkowski)

(Foto: MDR/Wiedemann&Berg/Stephanie Kul)

Also alles zurück auf Anfang? Nicht ganz, auch "Die harte Kern" hat diverse Slapstickeinlagen in petto, einen kalten Entzug muss also niemand befürchten. Gleichzeitig aber hat sich Regisseurin Helena Hufnagel dafür entschieden, einen Großteil der Witze sozusagen optional zu gestalten - dazu gleich mehr - und deutlich mehr Wert auf eine spannende Story zu legen.

Und die geht so: Kommissar Lessing soll in Selbstjustiz einen Mörder erschossen haben, der wegen Mangel an Beweisen freigelassen wurde. Der Ermittler und sein Team fallen aus allen Wolken, allerdings sieht die Sache tatsächlich nicht gut für Lessing aus, weil seine Dienstpistole nicht mehr im Spind liegt - wo sie eigentlich hingehört. "Geklaut!", ereifert sich Lessing. Eine bequeme Ausrede, findet dagegen die interne Ermittlerin Eva Kern (Nina Proll), und steckt ihn kurzerhand in eine Zelle. Lessings Kollegin Dorn versucht verzweifelt, die Unschuld ihres Ehemanns zu beweisen und hat im Verlauf der Untersuchung nicht nur mit der bärbeißigen internen Ermittlerin zu kämpfen, sondern stößt außerdem auf eine mörderische indische Statue, die irgendwie mit alldem zusammenhängt.

Subtile Verfolgungsjagden

Der von dem Autorenduo Sebastian Kutscher und Deniz Yildizir erdachte Plot schafft über weite Strecken den beachtlichen Spagat, gleichzeitig witzig zu sein und dabei trotzdem nicht all jene "Tatort"-Fans zu verprellen, die bei ihrem Sonntagskrimi vor allem auf Spannung und Whodunit setzen. Das liegt, wie eingangs kurz angerissen, auch daran, dass viele der Witze den Zuschauern nicht mit dem Holzhammer verabreicht werden, sondern vergleichsweise subtil um ihre Aufmerksamkeit bitten.

11_Tatort_Die_harte_Kern.jpg

Sucht eine mörderische Statue: Kommissarin Dorn (links)

(Foto: MDR/Wiedemann&Berg/Stephanie Kul)

Wenn sich die namensgebende "harte Kern" ein gefühltes Kilo Zucker in ihren Kaffee schüttet (irgendwo muss der Mensch ja weich und süß sein), dann kann man das witzig finden, man kann es aber auch einfach übersehen, weil die Kamera eigentlich etwas ganz anderes fokussiert. Und wenn Ermittlerin Dorn in ihrem alten Volvo einen verdächtigen Saab-Fahrer verfolgt, dann kann man natürlich über das Bild schmunzeln - wer aber nicht weiß, dass zwischen den Anhängern der beiden schwedischen Automarken ein erbittertet Glaubenskrieg herrscht, hat trotzdem nichts verpasst.

Natürlich ist "Die harte Kern" im Kern immer noch ein "Tatort" mit Christian Ulmen und Nora Tschirner in der Hauptrolle. Die Dynamik der beiden ist sicher nicht jedermanns Sache, diesmal funktioniert sie aber bestens. Auch, weil sie direkt zu Beginn ein Zeichen setzen, dass es diesmal eben nicht so viele Frotzeleien geben wird wie sonst: "Sieh's positiv: Wenn du lange genug im Bau sitzt, musst du nach den Kindergeburtstagen nicht aufräumen", sagt Tschirner zu ihrem Filmmann, als sie ihn in der Zelle besucht. Und der antwortet nur: "Nicht jetzt, Kira!" Nicht wenige Zuschauer dürften an der Stelle erleichtert aufatmen - wir haben es jedenfalls getan.

 

* In einer ersten Version des Textes verortete unser Autor Münster irrtümlicherweise in Ostwestfalen.

Quelle: n-tv.de

Mehr zum Thema