Panorama

Fukushima öffnet Sicherheitszone 22.000 Soldaten suchen Leichen

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Soldaten suchen in Ishinomaki nach Opfern.

(Foto: REUTERS)

Japans Armee startet eine neue große Suchaktion nach Katastrophenopfern, denn von vermutlich 28.000 Toten sind erst knapp 13.000 Leichen geborgen. 22.000 Soldaten, 90 Flugzeuge und 50 Schiffe sind nun im Einsatz. In der Atom-Ruine Fukushima wollen die Arbeiter die Einleitung schwach kontaminierten Wassers ins Meer beenden. Evakuierte holen inzwischen trotz der Strahlung Wertgegenstände aus den verlassenen Häusern.

Einen Monat nach dem verheerenden Erdbeben und dem Tsunami in Japan haben Soldaten eine neue große Suchaktion nach Opfern gestartet. Die japanischen Streitkräfte werden dabei vom US-Militär unterstützt, berichtete der Fernsehsender NHK.

Insgesamt durchkämmen 22.000 Soldaten das Inland und die Küste der Katastrophenregion im Nordosten Japans. In einigen Regionen suchten Taucher nach Vermissten. Auch 90 Flugzeuge und 50 Schiffe der Marine sind im Einsatz. Ausgenommen ist die erweiterte 30-Kilometer-Sperrzone rund um das havarierte Kernkraftwerk Fukushima 1.

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Die Rentnerin Takamatsu wartet auf den Bus in der verwüsteten Küstenstadt Otsuchi. Sie hatte den Tsunami auf dem Dach ihres Hauses überlebt.

(Foto: dpa)

Durch das Beben der Stärke 9,0 und den Tsunami am 11. März starben wahrscheinlich fast 28.000 Menschen. Knapp 15.000 davon gelten nach Angaben der Nachrichtenagentur Kyodo weiter als vermisst. geborgen sind erst 12.998 Leichen.

Ministerpräsident Naoto Kan besuchte einen verwüsteten Fischereihafen in der Katastrophenregion. Die Stadt Ishinomaki im Nordosten der japanischen Hauptinsel Honshu war am 11. März schwer getroffen worden. In einem Gespräch mit Fischern sicherte Kan Unterstützung der Regierung zu, wie Kyodo berichtete. Ausgewählte Häfen sollen demnach besonders schnell wieder aufgebaut werden.

Kan kam außerdem mit dem Bürgermeister von Ishinomaki, Hiroshi Kameyama und dem Gouverneur der Präfektur Miyagi, Yoshihiro Murai, zusammen. Der Ministerpräsident versprach den Bau von 70.000 Notunterkünften für Flüchtlinge in der Region.

Kan stoppte auf seiner Reise ins Krisengebiet auch bei den japanischen Streitkräften in Higashi-Matsushima und sprach ihnen Mut für die Rettungsaktionen zu. Dem US-Militär dankte Kan für dessen Hilfe bei den Aktionen nach der Katastrophe.

Evakuierte kehren kurz zurück

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Die Evakuierten leben seit vier Wochen in Turnhallen und ähnlichen Gebäuden.

(Foto: AP)

In Fukushima wurde früheren Bewohner gestattet, trotz eines weiterbestehenden Strahlenrisikos kurzzeitig in die Evakuierungszone am havarierten Atomkraftwerk zurückzukehren. Die Menschen kamen, um sich ein Bild vom Zustand der Orte zu machen und möglicherweise wichtige persönliche Gegenstände mitzunehmen, wie japanische Medien berichteten. Immer noch harren 150.000 Menschen in Notunterkünften aus.

Kyodo berichtete, dass ein Arbeiter aus der Atomruine ins Krankenhaus gebracht worden ist. Der Mann habe über Übelkeit geklagt.

Stark verstrahltes Wasser soll entsorgt werden

Der Kraftwerksbetreiber Tepco war am Sonntag dabei, die Einleitung schwach radioaktiven Wassers in den Pazifik abzuschließen. Dadurch soll Platz für das noch stärker belastete Kühlwasser geschaffen werden.

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Industrieminister Kaieda im AKW Fukushima.

(Foto: REUTERS)

Dieses hoch radioaktive Wasser soll demnächst in eine Entsorgungsanlage gebracht werden, wie Industrieminister Banri Kaieda bei seinem ersten Besuch im AKW Fukushima 1 sagte. Das müsse so schnell wie möglich geschehen. Genauere Angaben wurden nicht gemacht. Bisher hatten die riesigen Wassermengen die Bemühungen erschwert, die Anlage zu stabilisieren.

Stahlwände sollen Pazifik schützen

Auch mit Stahlwänden will Tepco eine schlimmere Verseuchung des Pazifiks verhindern. Arbeiter hatten am Samstag begonnen, an einem Zulauf am Reaktorblock 2 Barrieren zu errichten. Dort  war tagelang hochgiftige Brühe unkontrolliert in den Ozean geströmt - bis das Leck nach mehreren gescheiterten Versuchen gestopft werden konnte.

Im 180 Kilometer nördlich gelegenen Kernkraftwerk Onagawa blieb die Lage ruhig. Dort war beim Nachbeben der Stärke 7,1 in der Nacht zum Freitag verseuchtes Wasser übergeschwappt.

Nach den bisher heftigsten Erdstößen seit dem Mega-Beben vom 11. März waren am Samstag noch immer fast 270.000 Haushalte im Nordosten Japans ohne Strom.

Quelle: ntv.de, hdr/hvo/dpa/AFP

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