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Vorzeichen für den "Goldenen Oktober" 26 Grad stehen an

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Die Abende sind noch wunderschön zurzeit.

(Foto: dpa)

Ja, die Morgende sind kühl. Der Atem kondensiert schon vor dem Mund. Aber am Mittag und am Abend kommt die Entschädigung: ein perfekter Altweibersommer. Und n-tv-Meteorologe Björn Alexander erklärt im Interview, was das für Herbst und Winter heißt.

n-tv.de: Björn, es ist schon komisch: Der Sommer konnte in diesem Jahr nur sehr selten überzeugen. Stattdessen scheint es der Herbst zu sein, der uns Sonne und warme Temperaturen bringt, oder?

Björn Alexander: So ist es. Allerdings hat das Eintreffen des Altweibersommers - wie wir ihn momentan erleben – eine relativ hohe Eintreffwahrscheinlichkeit von deutlich über 70 Prozent. Es ist damit einer der Witterungsabschnitte, der sehr sicher eintrifft, ähnlich beispielsweise der Schafskälte.

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Spinnennetze: Namensgeber für den Altweibersommer.

(Foto: dpa)

Woran liegt das?

Im September sind die Temperatur- beziehungsweise Luftdruckgegensätze über der Nordhalbkugel relativ gering. Außerdem gelangt Mitteleuropa oft in den Bereich von hohem Luftdruck, der mit seinem Zentrum tendenziell über Osteuropa/Russland liegt. Damit haben wir in dieser Zeit häufig Winde aus südlichen Richtungen, die uns sehr warme Luft bringen. Meist trifft das dann auf das letzte Septemberdrittel zu. Das ist somit die Zeit, die uns vorm "goldenen Oktober” noch häufig den Altweibersommer bringt.

Das hat jetzt aber nichts mit älteren Frauen zu tun, oder?

Nein, im ursprünglichen Sinne nicht. Der sprachliche Ursprung des "Weibersommers” liegt nämlich im "Weben”, das früher "Weiben” genannt wurde. Damit wurde das Knüpfen von Spinnweben gemeint. Und eben diese Spinnweben fangen in den oft dunstigen oder nebligen Morgenstunden im September Tautropfen und sind dadurch sehr gut zu erkennen. Dieses Erscheinungsbild ließ dann wohl die Assoziation mit grauen Haaren zu. Obgleich diese ja auch nicht selten das männliche Geschlecht betreffen. Schlussendlich ist dieser Witterungsabschnitt, der manchmal – wie in einem Gedicht von Kurt Tucholsky – auch als fünfte Jahreszeit bezeichnet wird, für viele von uns wohl ein sehr schöner und wichtiger. Zahlreiche Volksfeste, wie beispielweise das Oktoberfest oder Kirmesveranstaltungen und Schützenfeste generell, finden aufgrund der stabilen Witterung eben im September statt.

Die Nächte sind aber schon ein bisschen kalt.

Das gehört eben zum klassischen Altweibersommer dazu. Die Nächte sind - nach dem kalendarischen Herbstbeginn - länger als die Tage. Die Auskühlungsphase überwiegt somit und die Sonne ist bereits drei Monate nach ihrem Höchststand. Das entspricht dem Sonnenstand Ende März. Zum lange draußen Sitzen gehören dann eben schon mal dicke Jacke und Mütze. Wobei wir uns gerade jetzt gar nicht so sehr über die kalten Nächte beklagen können. Die letzte Nacht war mit meist 16 bis 9 Grad sogar relativ mild.

Björn Alexander n-tv Wetter

Björn Alexander, n-tv-Meteorologe

Wobei wir jetzt wieder beim eigentlichen Wetter angelangt wären: Wird der "Altweibersommer” nahtlos zum "goldenen Oktober”?

Derzeitig stehen die Chancen dafür ganz gut. Denn nachdem die Nordhälfte aktuell von einem schwachen Tiefausläufer gestreift wird, setzt sich ab Mittwoch wieder überall Spätsommerwärme zwischen 18 Grad bei Seewind an der Küste und meistens 20 bis 26 Grad in den übrigen Landesteilen durch. Und dieses trockene Hochdruckwetter hält dann mindestens noch bis zum Sonntag. Was übrigens für das "Goldene” im Oktober nicht ganz unwichtig ist. Denn die Trockenheit in Kombination mit kürzer werdenden Tagen und kühleren Temperaturen treibt die Blattfärbung voran.

Das hört sich gut an. Lässt sich denn daran schon was über den Herbst oder den Winter ableiten?

Im Prinzip nicht. Höchstens zeigt es an, dass wir uns – nach dem sehr ungewöhnlichen Witterungsverlauf in diesem Jahr 2011 - jetzt scheinbar wieder in den "normalen” Verlauf einfinden. Allerdings gibt es zum Winter schon mal zwei Dinge, die eher gegen einen zu kalten Temperaturgang sprechen. Einerseits ist es die zyklisch verlaufende Sonnenaktivität, die derzeitig wieder zunehmend ist. Andererseits die Statistik, denn nach drei zu kalten Wintern in Folge wäre ein vierter im Jahr 2011 beziehungsweise 2012 doch recht unwahrscheinlich. Aber natürlich gilt: Ausschließen kann man das dadurch nicht.

Quelle: n-tv.de

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