Panorama

122 Leichen geborgen Alle "Bulgaria"-Opfer an Land

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Schwimmkräne heben das Wrack der "Bulgaria".

(Foto: REUTERS)

Alle 122 Opfer des Untergangs der "Bulgaria" auf der Wolga sind aus dem Schiffswrack geborgen. Die Sucharbeiten werden nun beendet. Unter den Toten sind 28 Kinder. Unterdessen beginnt die juristische Aufarbeitung des Unglücks. Zwei Kapitäne etwa passierten die Unglücksstelle, ohne zu helfen.

Gut zwei Wochen nach dem schweren Schiffsunglück auf der Wolga sind alle 122 Todesopfer geborgen. Nachdem die letzten beiden Leichen aus dem Wasser gezogen worden seien, würden die Sucharbeiten nun beendet, teilte das russische Notfallministerium mit. "Laut Passagierliste wurden alle Opfer gefunden." Unter den Todesopfern sind demnach 28 Kinder und 72 Frauen. Der Untergang der "Bulgaria" war die schwerste Schiffskatastrophe in Russland seit der Sowjetzeit.

Zuvor hatte Schwimmkräne das Schiff aus 20 Metern Tiefe geborgen und zu einem zwölf Kilometer entfernten Stauwasserspeicher geschleppt. Nachdem die Bullaugen hermetisch verschweißt worden seien, wurde das Wasser aus dem Havaristen abgepumpt. Danach wurde das Schiff auf ein benachbartes Dock gelegt.

Ermittler und Angehörige erhoffen sich von der Untersuchung Aufschluss über die genaue Ursache der Katastrophe. Ein Sprecher des Zivilschutzministeriums bestätigte, dass das Doppeldeckschiff abgewrackt werden soll. "Erstens ist es alt, zweitens sollte man es schon aus ethischen Gründen aus dem Verkehr ziehen." Taucher hätten bei einer ersten Untersuchung bereits zahlreiche illegale Umbauten an Bord entdeckt. Mindestens zwei Betreiber des Ausflugsschiffs sind in Haft.

Auch gegen die Kapitäne von zwei Schiffen, die am Unglücksort vorbeigefahren waren, ohne Passagiere zu retten, werde Anklage erhoben, sagte der Sprecher der Ermittlungsbehörde, Wladimir Markin. "Sie leugnen die Tat, aber die Beweise sind eindeutig."

Die "Bulgaria" war am 10. Juli in der russischen Teilrepublik Tatarstan auf einem See der Wolga südlich der Hauptstadt Kasan innerhalb weniger Minuten gesunken. Dabei ertranken 72 Frauen, 28 Kinder und 22 Männer. 79 Passagiere konnten gerettet werden. Ersten Ermittlungen zufolge war das Schiff  mit 201 Menschen überladen und hatte einen schadhaften Motor. Auch sonst war das 1955 in der Tschechoslowakei gebaute Schiff in einem schlechten Zustand.

Quelle: ntv.de, AFP/dpa