Panorama

Pathologe zu Germanwings-Unglück "Alles war zerstört und überall verteilt"

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Als die Bergungsteams am Unglücksort eintrafen, sahen sie Trümmer über Trümmer.

(Foto: dpa)

Am 24. März zerschellt Flug 4U9525 an einem Berg. Alle Passagiere sterben. Als die französischen Retter eintreffen, stehen sie vor einer schwierigen Aufgabe. Trümmer und Leichenteile sind weit verstreut. "Wir fragten uns, wo die Leichen sind, denn wir sahen keine."

Beim Absturz der Germanwings-Maschine am 24. März starben alle 150 Passagiere. Für die französischen Rettungskräfte, die nach der Tragödie an der Bergung und Identifizierung der Opfer beteiligt waren, wartete eine schwierige Aufgabe, denn die Trümmer und Leichenteile waren in den südfranzösischen Alpen weit verstreut. Der Leiter der drei Bergungsteams, Charles Agostini, berichtete jetzt erstmals über die schwierigen Bergungsarbeiten.

Der forensische Pathologe war bereits am Nachmittag in den französischen Alpen, doch die Unglücksstelle war nur aus der Luft zugänglich. "Wir fragten uns, wo die Leichen sind, denn wir sahen keine", zitiert der "Deutschlandfunk" Agostini. "Alles war zerstört, und überall verteilt. Der Ort ist schwer zugänglich, es gibt Steigungen bis zu 60 Prozent, Trümmerteile waren auf einer Fläche von 300 mal 400 Meter verstreut. Das Einzige, was wir sahen, waren viele kleine Teile. Nur ein Leichnam war vollständig. Zusammen fanden wir mehr als 3000 Körperteile."

Agostini und seine 500 Kollegen sollten die sterblichen Überreste von allen 150 Insassen bergen und identifizieren. Ein Bergungsteam habe sich an der Unglücksstelle von unten nach oben, das zweite von oben nach unten vorgearbeitet. Erst nach einer Woche hätten sich die Teams in der Mitte getroffen.

20 Körperteile pro Sarg

Insgesamt drei Identifizierungsteams hätten danach vor Ort in mobilen Labors mit der Arbeit begonnen. DNA-Proben von Leichenteilen seien mit Proben von Angehörigen der Opfer verglichen worden. Eine weitere Expertengruppe habe Fingerabdrücke von den gefundenen Händen genommen, berichtete Agostini über die Vorgehensweise seines Teams.

Die dritte Gruppe sei für die Untersuchung der Zähne zuständig gewesen und habe diese Informationen mit Unterlagen der jeweiligen Zahnärzte verglichen. "Nach zwei Monaten hatten wir dann alle Informationen zusammen", so Agostini laut Deutschlandfunk.

Ab diesem Zeitpunkt sei es möglich gewesen, die Körperteile den einzelnen Passagieren zuzuordnen. "Im Schnitt lagen in jedem Sarg rund 20 Körperteile", zitiert der "Deutschlandfunk" Agostini weiter. Doch nicht alle Leichenteile konnten zugeordnet werden. Sie wurden in einem Gemeinschaftsgrab nahe der Unglücksstelle beigesetzt.

Mittlerweile ist die rechtsmedizinische Aufarbeitung vollständig abgeschlossen. Die Experten konnten alle 150 Insassen identifizieren, so Agostini. Denn eine schnelle Identifizierung der Opfer sei nicht nur für die Staatsanwaltschaft, sondern auch für die Hinterbliebenen und deren Trauerbewältigung wichtig.

Quelle: n-tv.de, dsi

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