Panorama

Zu viele teure Eingriffe Ärzte sollen weniger operieren

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Bei der Zahl von Klinikbehandlungen ist Deutschland mit Spitze.

(Foto: picture alliance / dpa)

In kaum einem anderen Land wird so viel operiert wie in Deutschland. Der Verdacht steht im Raum, dass viele Eingriffe nicht medizinisch notwendig sind. Die Krankenhäuser weisen den Vorwurf zurück. Trotzdem sollen nun Anreize beseitigt werden.

Bundesgesundheitsminister Bahr will Anreize für medizinisch überflüssige Operationen beseitigen. Vielmehr sollten "die Kliniken profitieren, die eine gute Behandlung anbieten und nicht die, die einfach nur mehr operieren", erklärte der FDP-Politiker. Die Mengensteigerungen der letzt en Jahre seien nicht alle mit der alternden Bevölkerung und dem medizinisch-technischen Fortschritt zu begründen.

Mit 240 Klinikaufenthalten pro 1000 Einwohner werden nach Zahlen der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) in Deutschland pro Jahr so viele Menschen stationär behandelt wie in kaum einem anderen Industriestaat. Nur in Österreich sind es mit 261 noch mehr. Der OECD-Durchschnitt liegt bei 155. Bei den Herz-Kreislauf-Behandlungen und künstlichen Hüften ist Deutschland an der Spitze, bei Krebstherapien im Krankenhaus an Platz zwei.

Operationen aus Profitgier

Der Hauptgeschäftsführer der Deutschen Krankenhausgesellschaft, Georg Baum, trat der Kritik entgegen, es werde aus Profitgier zu viel operiert: "Niemand muss Sorge haben, dass er aus ökonomischen Gründen einen schweren Eingriff zu erleiden hat."

Den Vorwurf, dass Krankenhäuser und Krankenhausärzte "aus Geldgründen medizinische Behandlungen durchführen, weisen wir dezidiert zurück", fügte Baum hinzu. Dieser sei "durch nichts bewiesen". "Dass es schwarze Schafe gibt, wird man nirgendwo ausschließen können." Es handele sich aber um Einzelfälle. "Wir sollten stolz darauf sein, dass wir ein Gesundheitswesen haben, das international eine Spitzenstellung einnimmt."

Der Vizevorsitzende des Kassen-Spitzenverbandes, Johann-Magnus von Stackelberg, kritisierte, die Patientenbehandlung werde in Deutschland überwiegend über den Preis gesteuert - der wiederum durch Eingriffe der Politik ständig erhöht werde. Dadurch stiegen die Anreize, mehr Fälle zu produzieren. Es gebe "Anzeichen, dass nicht nur aus medizinischen, sondern auch aus ökonomischen Gründen operiert wird.", sagte von Stackelberg. Zudem sei zu diskutieren, "dass die Länder ihrer Finanzverantwortung für die Krankenhäuser immer schwächer nachkommen". Diese haben ihre Mittel für Bau und Unterhalt der Kliniken im letzten Jahrzehnt um etwa ein Fünftel zurückgefahren.

Quelle: ntv.de, AFP