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Gesundes Essen muss nicht viel kosten. Dafür müssten sich die Systeme in den Schulen aber verändern.
Gesundes Essen muss nicht viel kosten. Dafür müssten sich die Systeme in den Schulen aber verändern.(Foto: picture alliance / Franziska Kra)
Dienstag, 06. November 2018

Mehr Gemüse statt Pommes: Besseres Schulessen kostet nur Cents mehr

Pommes sind bei Kindern zwar beliebt, gesundes Schulessen sieht aber anders aus. Eine neue Studie gibt nun Auskunft über Kosten und Qualität und kommt zu einem ermutigenden Ergebnis: Besseres Essen muss gar nicht teuer sein.

Mehr als drei Millionen Ganztagsschüler in Deutschland haben Anspruch auf ein Mittagessen. Nach wissenschaftlichen Empfehlungen sollen die Schüler täglich Gemüse essen, Fleisch soll dagegen maximal zwei Mal pro Woche auf den Speiseplan stehen. Eine aktuelle Studie im Auftrag des Bundesernährungsministeriums befasst sich mit Kosten und Qualität der Schulverpflegung. Für die Erhebung nahmen die Forscher der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) Speisepläne, Lebensmittelpreise, Lieferkosten, Personalkosten und sonstige Betriebskosten unter die Lupe.

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Das wichtigste Ergebnis klingt erfreulich: Gesünderes Schulessen könnte häufig bereits für vier Cent zusätzlich zubereitet werden. Gibt es gleichzeitig Verbesserungen in der Kantineneffizienz bleibt die Verbesserung sogar kostenneutral.

Werbung für mehr Teilhabe am Schulessen

Die Ernährungsgesellschaft wirbt deshalb auch für mehr Akzeptanz bei der Schulspeisung. Denn die Anzahl der ausgegebenen Speisen hat Einfluss auf die Kosten: Essen weniger als hundert Kinder in der Schulkantine, sind der Studie zufolge vor allem die Personalkosten vergleichsweise hoch. Eine Mahlzeit kostet dort ohne Zuschuss im Schnitt bis zu 7,46 Euro. Je mehr Kinder versorgt werden, desto geringer wird der Preis pro Mahlzeit - er liegt bei ganz großen Kantinen mit mehr als 600 Schülern zum Teil nur noch bei 3,57 Euro.

In einer Grundschule mit 200 ausgegebenen Essen betrüge der Unterschied laut Modellrechnungen nur vier Cent pro Mahlzeit. Die Eltern zahlen demnach im Durchschnitt 3,50 Euro pro Schulmahlzeit. Diese Differenz könnte nach Ansicht der Studienautoren vielfach durch Veränderungen in den Arbeitsprozessen der Kantinen oder die Ausgabe zusätzlicher Essen wieder eingespart werden.

Hohe Subventionen

Deshalb will Bundesernährungsministerin Julia Klöckner gesundes Schulessen künftig gezielter fördern. Insgesamt unterstützt der Staat das Mittagessen in den Kantinen mit jährlich 1,2 Milliarden Euro. Schulessen wird damit zur Hälfte subventioniert. Klöckner warb für die flächendeckende Anwendung der DGE-Standards an allen Schulen. "Wenn nur ein einstelliger Centbetrag den Unterschied macht, dann darf es keine Ausreden mehr geben", erklärte sie. Es gehe um eine "Investition in die Gesundheit unserer Kinder."

Laut den Experten der DGE muss das System aber deutlich verändert werden - auch um Chancengleichheit herzustellen: "Ob gut gebildete oder bildungsferne Schichten, Schule und Teilhabe am Schulessen vereint alle miteinander und sorgt für Chancengleichheit", fordert Ulrike Arens-Azevêdo, die Präsidentin der DGE.

Laut der Studie bezuschussen fast 27 Prozent der deutschen Kommunen die Preise für das Mittagessen in Schulen direkt, weitere 29 Prozent stellen auf eigene Kosten das Ausgabepersonal bereit. Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) forderte, für die Verpflegung in Schulen und Kitas den ermäßigten Mehrwertsteuersatz von sieben Prozent einzuführen. Der Staat müsse den "Kostendruck" auf die Kantinen senken, um die Versorgung mit qualitativ hochwertigem Essen zu fördern, erklärte NGG-Vizechef Guido Zeitler.

Quelle: n-tv.de