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Wochenlange Vorbereitungen Deutsche Ebola-Hilfe läuft zäh an

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Kubanische Helfer sind bereits seit Wochen vor Ort.

(Foto: AP)

Mehr als 4500 Soldaten und Zivilisten sind dem Ruf der Verteidigungsministerin gefolgt und wollen bei der Eindämmung der tödlichen Epidemie helfen. Doch die Freiwilligen müssen erst geschult werden, bis zu ihrem Einsatz könnte ein weiterer Monat verstreichen.

Ebola-Virus

Das in Afrika vorkommende Ebola-Virus gehört zu den gefährlichsten Krankheitserregern der Welt. Es führt in 50 bis 90 Prozent der Fälle zum Tod. Trotz intensiver Forschung gibt es weder eine vorbeugende Impfung noch ein Heilmittel.
Das Virus wird nach Angaben des Berliner Robert-Koch-Instituts hauptsächlich durch direkten, engen Kontakt von Mensch zu Mensch übertragen, wahrscheinlich über bluthaltige Körpersekrete. Nach einer Inkubationszeit von zwei Tagen bis drei Wochen führt die Krankheit meist zu Fieber und inneren Blutungen (hämorrhagisches Fieber), die Mehrheit der Patienten stirbt an Lungenversagen und Kreislaufschock.
Das Virus, das zuerst am Ebola-Fluss im Kongo auftauchte, lässt sich im Blut, Urin und Rachensekret nachweisen. Schon der Verdacht auf eine Erkrankung ist in Deutschland meldepflichtig.

Bis zu einem umfassenden Einsatz deutscher Helfer in den Ebola-Gebieten in Westafrika werden noch mehrere Wochen vergehen. Wegen der notwendigen Vorbereitungen sei nicht garantiert, dass die freiwilligen Helfer bereits im Oktober Hilfe leisten können, sagte eine Sprecherin des Verteidigungsministeriums in Berlin. Nach einem Aufruf von Ministerin Ursula von der Leyen hatten bereits bis Donnerstag mehr als 4500 Soldaten und Zivilisten per Telefon oder Email ihre Bereitschaft bekundet, in der Krisenregion zu helfen. Darunter sind Ärzte, Techniker und Logistiker.

Die Zahl der registrierten Ebola-Toten stieg inzwischen auf mehr als 3000. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) vom Freitag starben bislang 3091 Menschen an der Seuche. Die Zahl der registrierten Infizierten in Guinea, Liberia, Sierra Leone, Nigeria und Senegal sei auf 6574 gewachsen.

Der Weltwährungsfonds stellt für die Bekämpfung der Ebola-Epidemie 130 Millionen Dollar (102 Millionen Euro) zur Verfügung. Wie der IWF in Washington bekannt gab, soll Liberia als am stärksten betroffenes Land 48,3 Millionen Dollar erhalten. Guinea würden 41,4 Millionen Dollar Hilfe zuteil und Sierra Leone solle 39,8 Millionen Dollar bekommen.

Vorauskommando eingetroffen

Die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen forderte von der Bundesregierung schnelles Handeln in der Krisenregion. "Die medizinische Infrastruktur ist zusammengebrochen", sagte der Vorstandsvorsitzende der deutschen Sektion, Tankred Stöbe, dem RBB-Inforadio. Es gehe um Stunden und Tage. In Koblenz, dem Sitz des Kommandos Sanitätsdienst, bereitet eine Task Force Ebola den Einsatz der deutschen Freiwilligen vor. "Wir werden voraussichtlich in vier Wochen die ersten unten haben", sagte ein Sprecher. Die Ausbildung der Helfer soll nach Angaben des Verteidigungsministeriums am Bundeswehrkrankenhaus in Hamburg stattfinden.

Am Donnerstag hatte die Bundeswehr ihren ersten Ebola-Hilfsflug mit Material nach Dakar im Senegal gestartet. An Bord war auch ein Vorauskommando, das den Aufbau der Luftbrücke in die liberianische Hauptstadt Monrovia mit zwei Transall-Maschinen übernehmen wird. Nach Angaben des Ministeriums ist nicht ausgeschlossen, dass die Bundeswehr-Maschinen später auch andere Gebiete anfliegen, in denen das tödliche Virus wütet.

Die deutschen Bürger sind sich uneinig, ob die Bundesregierung mehr gegen Ebola tun sollte. Laut einer Umfrage hält fast jeder zweite (47 Prozent) das deutsche Engagement im Kampf gegen Ebola für nicht ausreichend. Allerdings sind auch 38 Prozent der Teilnehmer des aktuellen ZDF-"Politbarometers" der Meinung, dass Deutschland schon genügend tut.

Quelle: n-tv.de, jve/dpa

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