Panorama

Flüssiges Gold ab 15 Euro Eintauchen in die weite Welt des Whiskys

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(Foto: Medienbotschaft Verlag & Events GmbH)

Dudelsäcke, Kilts und feucht-fröhliche Bar-Atmosphäre: Die InterWhisky ist eine Institution, wenn es um das "Wasser des Lebens" geht. Dass dieses nicht nur schottischen Ursprungs sein muss, beweist Deutschlands größte Whisky-Messe eindrucksvoll.

Stress an Arbeit? Nervt der Chef, die Kollegen? Oder zu Hause die Familie? Dann wird es Zeit, mal wieder abzuschalten, dem Alltag zu entfliehen, Urlaub zu machen - auf Reisen zu gehen. Warum nicht einmal eine Weltreise, ganz kurzentschlossen? Gesagt, getan. In den Zug gesetzt und auf nach Frankfurt am Main zum Flughafen. Ein Schnäppchen findet sich da ja immer. Sonne, Strand, Palmen ...

Dann eine Durchsage: "Wegen Bauarbeiten hält dieser Zug heute nicht in Frankfurt am Main, Flughafen Fernbahnhof." Oh Mann, diese ... Bahn. Was nun? Die Gedanken schweifen ab, der Blick geht ins Leere und bleibt plötzlich kurz an einem vorbeihuschenden Werbeplakat hängen. Die trüben Gedanken sind wie weggeblasen: Es ist InterWhisky in Frankfurt am Main. Einmal im Jahr, drei Tage lang, veranstaltet der Schweizer Verlag Die Medienbotschaft, bekannt für das monatliche Magazin "Der Whisky-Botschafter", Deutschlands größte Whiskymesse. Auf Weltreise kann man sich auch dort begeben.

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Wer Whisky mag, wird die InterWhisky lieben.

(Foto: Medienbotschaft Verlag & Events GmbH)

Kann man ganz sicher. Christian Rosenberg, Veranstalter und Verleger, zählt auf: "Australien, Taiwan, Japan, USA, Kanada, die Schweiz, natürlich Schottland und Irland, - und nicht zu vergessen Deutschland." Whiskys aus all diesen Ländern kann man auf der mittlerweile 14. InterWhisky probieren. "Über 70 Aussteller sind vor Ort", sagt Rosenberg. Bei mehr als 670 verschiedenen Whisky-Erzeugnissen sei ganz sicher für jeden etwas dabei, unterstreicht er.

Rosenberg hat recht. Los geht’s mit einem Hakushu, 12 Jahre alt. Ein Whisky des Suntory-Konzerns, einer der Topnamen der Branche. Erst gelingt dem Unternehmen der Werbecoup mit Bill Murray in "Lost In Translation", danach werden nahezu jährlich Erzeugnisse des Hauses mit internationalen Preisen überschüttet. Der Mann hinter dem Tresen sagt nur kurz: "Lightly peated" - und schenkt ein. Stimmt: Eine ganz leichte Rauchnote entfaltet sich am Gaumen, ohne zu sehr in den Vordergrund zu drängen. Kräftig ist er, aber auch cremig und irgendwie fruchtig. Und der Abgang hält lange an. Der Mann hinter dem Tresen grinst. "Weiße Sandbänke" heiße Hakushu übrigens. Wunderbar, diese Japaner.

Eine Herzenssache

Danach geht es erst einmal nach Schottland, genauer in die Speyside, dort schlägt das Herz der schottischen Whiskyindustrie mit rund 50 Destillerien am stärksten. Glenfiddich, Balvenie, Glenrothes, Aberlour und und und. Und: Glen Moray. 1897 gegründet, zwischendurch auch schon das eine oder andere Mal geschlossen, liegt die Produktionskapazität derzeit bei etwa 3,3 Millionen Liter im Jahr. Nicht schlecht für eine der Top-5-Whiskymarken des Landes. 2014 wird die Brennerei erweitert. Dann soll die Kapazität auf 9 Millionen Liter steigen. Rund 15 Millionen Pfund investiert der Eigentümer La Martiniquaise, eine unabhängige französische Spirituosengruppe, in Glen Moray.

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Süß und fast schon süffig: Glen Moray, 10 Jahre, Chardonnay-Fass

(Foto: Glen Moray)

Die Bandbreite der Glen-Moray-Whiskys ist enorm: Den perfekten Einstieg bietet der 10 Jahre alte, ausschließlich in Chardonnay-Fässern gereifte. Schon mit der Nase ist die Süße dieses Whiskys spürbar. Auf die Vanille-Note und die butterweiche Cremigkeit freut sich dann der Gaumen, der Abgang ist kurz - wie das Fazit: ein Frauen-Whisky, der aber Lust auf mehr macht. Wie etwa den 16-Jährigen. Der darf zu Beginn seiner Reife in Ex-Bourbon-Fässer und dann zum Finishing in Sherry-Fässer. Die Farbe, an dunklen Bernstein erinnernd, gibt Aufschluss darüber. Kräftig und trocken kommt er daher. Diesmal freut's die Männer. Apropos Männer: Die stellen noch immer das Gros der mehreren tausend Besucher.

Auch Bourbon kann schmecken

Da wundert es nicht, dass sich auch der amerikanische Whisky auf der InterWhisky immer größerer Beliebtheit erfreut. Welch ein Frevel, möchte man da als Single-Malt-Enthusiast rufen. Aber auch die "neue Whisky-Welt" hat eine Chance verdient, oder mehrere. Den Anfang macht ein Bourbon von Evan Williams. Hierzulande kaum bekannt, ist die Marke der Heaven Hill Distilleries aus Kentucky die Nummer zwei auf dem US-Markt. Die 43 Prozent Alkohol merkt man ihm nicht an. In den USA ist dieser Wert auch eher Standard. Den Geruch muss man mögen, Popcorn-Liebhaber kommen da auf ihre Kosten. Dass mindestens 51 Prozent Mais zur Herstellung verwendet werden, macht ihn zum Bourbon. Die Reifezeit liegt wegen des deutlich wärmeren Klimas bei nur drei bis vier Jahren. Die Farbe ist dennoch dunkelbraun, auch ein Indiz dafür, dass er in gekohlten Weißeichenfässern lagert.

Dieses Auskohlen geht auf Elijah Craig zurück, so sollen die Poren des Holzes sich öffnen und der Whisky dadurch an Geschmack und Farbe gewinnen, auch eine leichte Rauchnote lässt sich so erzielen. Der 12 Jahre alte Elijah Craig vereint all das in sich - mit kräftigen 47 Prozent Alkoholgehalt. Wer es noch stärker mag, greift zum Rittenhouse Rye mit 50 Prozent. Aber Roggen-Whisky ist noch mehr eine Geschmacksfrage als Bourbon. Man mag ihn oder hasst ihn. Aber: 50 Prozent Alkoholgehalt für knapp 30 Euro? Fast unschlagbar.

Whisky-Weltreise ab 15 Euro

Aber die InterWhisky bietet noch mehr, viel mehr - und vor allem teurer: Bei Kavalan aus Taiwan etwa kann man für eine Flasche Kavalan Fino mehr als 250 Euro auf den Tisch legen - oder 10 Euro für einen Probe-Dram, also 0,02 Liter. Das ist das Besondere an der InterWhisky. Der Whisky-Freund kann für vergleichsweise kleines Geld auf Reise gehen, fremde Kulturen über ihr "flüssiges Gold" kennenlernen und neue Geschmackswelten entdecken. Neben dem Eintritt von 15 Euro (Nosing-Glas inklusive) zahlt man für die Proben ab zwei Euro aufwärts und kann sich vom gängigen schottischen Single Malt bis zur Rarität aus Deutschland oder Übersee durchkosten. Man kann etwa Langatun aus der Schweiz, Larc aus Australien, Canadian Club aus Kanada, Pennypacker aus den USA, Penderyn aus Wales, Teeling aus Irland und Hibiki aus Japan probieren.

Oder eben auch mal den taiwanesischen Kavalan Fino. Der riecht und schmeckt frisch und fruchtig, kommt fast schon spritzig daher. Er kitzelt trotz seiner 58,6 Prozent Alkohol samtweich den Gaumen. Spätestens jetzt wird einem auch klar, welches Urlaubsziel 2014 fest eingeplant ist. Nein, nicht Taiwan, sondern Frankfurt am Main - zur dann 15. InterWhisky, Bahn-An- und -Abreise inklusive. Slainte!

Quelle: n-tv.de

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