Panorama

Nackter Protest gegen Kardinal Meisner Femen-Aktivistin sprengt Gottesdienst

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Damit hatten die Kirchenbesucher sicherlich nicht gerechnet. (Foto: Elke Lehrenkrauss/dpa)

(Foto: dpa)

Eigentlich will Joachim Kardinal Meisner in Frieden seinen 80. Geburtstag und die Weihnachtsmesse im Kölner Dom feiern. Eine barbusige 20-Jährige auf dem Altar vereitelt den Plan des Erzbischofs.

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Joachim Kardinal Meisner (Archivbild) gilt als besonders vehementer verfechter katholischer Moralvorstellungen.

(Foto: picture alliance / dpa)

Ausgerechnet an Meisners Geburtstag: Kurz nach Beginn der Weihnachtsmesse im Kölner Dom stürmt eine Frau aus der ersten Reihe nach vorne und springt nackt auf den Altar. Nach Angaben der Kölner Polizei hatte sich die 20-jährige die Worte "I am God" ("Ich bin Gott") auf den Oberkörper gemalt. Vor den Augen des mittlerweile 80 Jahre alten Erzbischof Joachim Kardinal Meisner führten Sicherheitskräfte die Frau ab.

Bis zum Beginn des katholischen Gottesdienstes saß die Frau laut Polizeiangaben mit einem Ledermantel und Kopftuch bekleidet in der ersten Reihe. Die Polizei setzte die Frau bis zum Ende des Gottesdienstes fest und erstatte Anzeige wegen Störung der Religionsausübung und Hausfriedensbruchs. Die 20-jährige Josephine Witt habe im Gegenzug Anzeige wegen Körperverletzung gegen die Sicherheitskräfte des Erzbistums erstattet. Gegenüber der Nachrichtenagentur dpa bestreitet die Frauenrechtlerin dies am Abend.

"Es war ein geplanter Monoprotest, es passte so einfacher besser, als wenn mehrere Frauen eingebunden gewesen wären", sagte Witt der dpa. Mit der Aktion wolle Femen International gegen das Machtmonopol der katholischen Kirche protestieren. Laut Informationen der Zeitung "Express" protestierte die Frau auch gegen die sexistische und patriarchische Haltung von Kardinal Meisner. Das Bistum bestätigte den Vorfall. Ein Sprecher sprach von großer Trauer, die die Weihnachtsfeierlichkeiten überschatten würde.

Ein unbequemer Abschied

Meisner gilt als besonders vehementer Verfechter katholischer Moralvorstellungen. Er lehnt die Homo-Ehe genauso wie ein Adoptionsrecht für gleichgeschlechtliche Paare ab. 2005 verglich er den Schwangerschaftsabbruch mit dem Holocaust. Erst nach großen Widerstanden konnte er die Einnahme der "Pille danach" durch Vergewaltigungsopfer "akzeptieren".

Nicht nur wegen seines 80. Geburtstags war die Protestaktion im Kölner Dom für Meisner ärgerlich. Die Messe war für ihn auch eine Form des Abschieds. Meisner hat den Papst darum gebeten, ihn am 1. Weihnachtstag aus dem Dienst zu entlassen. Er wolle künftig zwar weiterhin in Köln leben, sich aber nur noch der Seelsorge für ältere Priester und Ordensschwestern widmen.

Quelle: ntv.de, dpa/ieh