Panorama

Löschwasser wird knapp Flammen bei Lübtheen wüten weiter

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Die Zahl der Löschhubschruaber wurde von vier auf sechs erhöht.

(Foto: dpa)

Der Waldbrand in Mecklenburg-Vorpommern wütet weiter. Fast 800 Einwohner müssen ihre Häuser verlassen - noch ist unklar, wann sie wieder zurückkehren können. Knapp 3000 Ehrenamtliche und Hauptamtliche werden mit Hilfe der Bundeswehr auch in der Nacht weiter gegen die Flammen kämpfen.

In Mecklenburg-Vorpommern wütet der größte Waldbrand in der Geschichte des Bundeslandes - und er wird immer größer. Von dem Brand auf dem Gelände eines ehemaligen Truppenübungsplatzes nahe der 5000 Einwohner zählenden Stadt Lübtheen ist mittlerweile eine Fläche von 1200 Hektar betroffen. Auf 850 Hektar brenne es weiterhin, auf 350 Hektar sei die Vegetation abgebrannt, teilte der SPD-Landrat des Kreises Ludwigslust-Parchim, Stefan Sternberg, am Abend in Lübtheen mit. Dennoch habe sich die Lage "ein bisschen" entspannt. Das Feuer breite sich in Richtung des unbesiedelten Truppenübungsplatzes aus.

Ministerpräsidentin Manuela Schwesig unterbrach ihren Urlaub in Frankreich, um sich am Abend ein Bild von der Lage vor Ort zu machen. "Die Sache ist hier noch nicht durch und wird hier die nächsten Tage und Nächte noch viel Kraft kosten", sagte die SPD-Politikerin.

Die angrenzenden Dörfer seien vorerst abgesichert. Es mussten insgesamt knapp 800 Einwohner der Orte Volzrade, Alt Jabel, Jessenitz-Werk und Trebsmit in Sicherheit gebracht werden. Wie lange sie noch in Notunterkünften oder bei Verwandten ausharren müssen, sei noch unklar, sagte der Landrat und Leiter des Einsatzes.

Unterdessen wird das Löschwasser teils knapp. Wie Sternberg mitteilte, kann an einigen Stellen inzwischen kein Wasser mehr gefördert werden. "Die ersten Brunnen steigen aus", sagte der Chef des Einsatzstabs. Um genügend Wasser für die ab Mittwoch geplante Löschaktion auf dem Truppenübungsplatz selbst bereitstellen zu können, sei ein Fluss in der Nähe auf über drei Meter angestaut worden. Zudem solle auch Wasser aus umliegenden Seen und der etwa 20 Kilometer entfernten Elbe herangeholt werden. "Alles, was an Wasser möglich ist, wird jetzt in diese Region geholt", betonte Sternberg.

Mit Wasser werden an den Waldrändern sogenannte Sperrriegel geschaffen, die bislang ein Übergreifen der Flammen auf nahe gelegene Dörfer verhinderten. Man habe bereits mehrere solcher Sperriegel eingerichtet, erklärte Sternberg. Auf dem Truppenübungsplatz sollten weitere Riegel eingerichtet werden.

Seit Montag bringen Traktoren mit bis zu 30.000 Liter fassenden Tanks unablässig Wasser zu den Einsatzstellen der Feuerwehren. Dabei nutzen sie unter anderem Entwässerungskanäle auf den Feldern. Doch zum Teil werden auch Tiefbrunnen angezapft, um die Depots zu füllen.

Knapp 3000 Ehren- und Hauptamtliche im Einsatz

Insgesamt seien in einem Vier-Schichtsystem knapp 3000 Ehrenamtliche und Hauptamtliche aus mehreren Bundesländern im Einsatz, sagte Sternberg. Einhundert befänden sich überdies in der Ruhephase. Am Mittwochnachmittag solle ein großer Presonalwechsel stattfinden. "Die Kräfte sind einfach erschöpft", sagte Sternberg, der sich besonders für die große Unterstützung aus der Bevölkerung bedankte.

Der Chef des Landeskommandos Mecklenburg-Vorpommern, Brigadegeneral Gerd Kropf sagte: "Wir haben erhebliche Fortschritte gemacht." Mit Hilfe der Bundeswehr seien mittlerweile mehrere Kilometer sichere Wege in das stark mit Munition belastete Brandgebiet geöffnet worden. Man habe sich auf weniger als 100 Meter dem Brand genähert. Dadurch könnten die Einsatzkräfte der Feuerwehr in das Gebiet vordringen. Insgesamt seien zehn Bergungspanzer im Einsatz, weitere sollen laut Kropf dazu kommen. Am Dienstag habe die Bundeswehr dem Einsatzleiter zwei Feuerwehrteams zur Verfügung gestellt. Man werde über Nacht weiterarbeiten, um eine Ausdehnung zu verhindern.

Wegen der Hitze kommt es regelmäßig zu Detonationen alter Munition, weshalb Löschtrupps bislang nicht direkt in das Brandgebiet vordringen konnten. Zur Unterstützung der Feuerwehren, die vom Rand her das Ausbreiten der Flammen unterbinden, waren am Dienstag erstmals auch Wasserwerfer der Polizei im Einsatz.

Während am Boden die Vorbereitungen für den großen Löschangriff liefen, setzten die Löschhubschrauber ihre Einsätze fort und ließen unablässig Wasser über dem Brandgebiet ab. Die Zahl der Helikopter war am Dienstag von vier auf sechs erhöht worden.

Ministerpräsidentin Schwesig: Beeindruckender Einsatz

Inzwischen hat die Polizei weitere Hinweise, dass der Waldbrand die Folge von Brandstiftung ist. Mehr als zwanzig Videos und Fotos seien bei den Ermittlern eingegangen, sagte eine Sprecherin des Polizeipräsidiums Rostock. Erste Hinweise auf mehrere Brandherde hatte es am Samstagnachmittag gegeben - Feuerwehrleute hätten schnell vermutet, dass die Brände nicht durch Zufall entstanden seien. Landrat Sternberg bezweifelte zudem, dass das Feuer durch restliche Funken eines anderen Brandherdes aus der Woche zuvor entfacht wurde.

Ministerpräsidentin Schwesig betonte, dass die Einsatzkräfte Außergewöhnliches leisteten. "Es ist beeindruckend und großartig." Sie bedankte sich auch bei den Bewohnern für ihre Besonnenheit unter den schwierigen Umständen der Evakuierung. Noch könnte es keine Entwarnung geben, denn Wind und Wetter könnten die Lage schnell verändern.

Schwesig forderte im "NDR" einen Plan, wie mit Bränden auf ehemaligen Schießplätzen umgegangen werden kann. "Es kann nicht sein, dass auf solchen Plätzen Munition herumliegt und die Einsatzkräfte nicht herankommen." Die inzwischen unter Naturschutz stehende Fläche gehört dem Bund.

Zwar hatte sich der Brand in der Nacht zum Dienstag weiter ausgedehnt, dennoch gab sich Sternberg zuversichtlich: "Wir gehen nun von der Verteidigung auf Angriff über." Die Anstrengungen lägen nun darauf, "dass wir so schnell wie möglich löschen, löschen, löschen. Das Feuer muss weg", betonte Sternberg. Er betonte auch, wie wichtig die Hilfe der Bundeswehr sei: "Wir haben sehr, sehr viel Unterstützung der Bundeswehr bekommen. Ohne die Bundeswehr wären wir hier im Moment nichts."

Quelle: n-tv.de, aeh/dpa/AFP

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