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Hinrichtung in den USA ohne echte Beweise Gesuch soll Troy Davis' Leben retten

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Täter oder Opfer? Davis auf einem Foto von 1991.

(Foto: AP)

Die Anwälte geben nicht auf: Ein Gnadengesuch unmittelbar vor der geplanten Hinrichtung soll das Leben von Troy Davis retten. Der 42-Jährige wartet in Georgia auf seine Exekution, er soll einen weißen Polizisten getötet haben. Allerdings gibt es nur Zeugen für den Vorfall, keine Beweise, und die meisten Aussagen wurden bereits zurückgezogen.

Mit einem Gesuch in letzter Minute versucht die Verteidigung des US-Todeskandidaten Troy Davis, dessen Hinrichtung doch noch zu verhindern. In dem Schreiben heißt es, Davis bitte "respektvoll" um die Aussetzung seiner Hinrichtung wegen eines Mords an einem Polizisten. Sein Anwalt Brian Kammer verweist auf "neue Beweise" zur Entlastung seines Mandanten. So habe der Gerichtsmediziner, der die Leiche des Polizisten untersuchte, zur Schussbahn falsche Angaben gemacht, auf die sich das Todesurteil seinerzeit stützte.

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Die Familie des toten Polizisten.

(Foto: AP)

Das Angebot des Todeskandidaten, sich einem Lügendetektortest zu unterziehen, lehnte der Begnadigungsausschuss am Morgen allerdings "rundweg" ab. Die Hinrichtung des 42-Jährigen per Giftspritze ist für Mittwoch um 19.00 Uhr Ortszeit (Donnerstag 01.00 Uhr MESZ) im Gefängnis von Jackson im Bundesstaat Georgia vorgesehen. Zehntausende weltweit wollten die Exekution mit Mahnwachen und Protestkundgebungen begleiten.

Zeuge selbst unter Verdacht

Davis wurde 1991 wegen der Ermordung eines weißen Polizisten zum Tode verurteilt. Er beteuert bis heute seine Unschuld. Davis soll 1989 in Savannah in Georgia einen jungen weißen Polizeibeamten getötet haben, der einem zusammengeschlagen am Boden liegenden Obdachlosen helfen wollte. Sieben von neun Zeugen hatten seit dem Mordprozess im Jahr 1991 ihre Aussage widerrufen oder abgeändert. Zudem war die Tatwaffe nie gefunden worden. Es gab auch keine physischen Beweise wie DNA-Spuren. Das Todesurteil stützte sich hauptsächlich auf die Aussagen eines Mannes, der Davis am Tatort gesehen haben will. Dieser Zeuge war selbst zuvor in Verdacht geraten, das Verbrechen begangen zu haben.

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Gerechtigkeit heißt für diese Demonstranten, keine Todesstrafe bei Zweifeln zu verhängen.

(Foto: AP)

Der Fall Davis gilt daher als einer der umstrittensten seit Wiedereinführung der Todesstrafe in den USA vor 35 Jahren. Hunderttausend Menschen in allen Teilen der Welt hatten für eine Verschonung des heute 42-Jährigen gekämpft, auch eine Reihe Prominenter setzte sich für ihn ein - darunter Papst Benedikt XVI., Friedensnobelpreisträger, zahlreiche US-Kongressabgeordnete und ein früherer Direktor der Bundespolizei FBI.

Davis rief in einer Botschaft dazu auf, auch nach seinem Tod weiter daran zu arbeiten, seine Unschuld zu beweisen - und die anderer Gefangener. "Dieser Kampf für Gerechtigkeit endet nicht mit mir", hieß es in dem Brief, den Amnesty International USA auf seiner Facebook-Seite veröffentlichte. "Dieser Kampf ist für alle Troy Davises, die vor mir kamen, und für alle, die nach mir kommen werden."

"Schwerwiegende Zweifel"

Der Beauftragte der Bundesregierung für Menschenrechtspolitik, Markus Löning, erklärte in New York, die Ablehnung von Davis' Gnadengesuch am Dienstag habe er "mit Bestürzung" zur Kenntnis genommen. Bis heute bestünden "schwerwiegende Zweifel" an seiner Schuld. Deshalb seien die US-Behörden aufgefordert, die Hinrichtung zu stoppen. Ein möglicher Justizirrtum sei nicht mehr gut zu machen. Frankreich richtete ebenfalls einen Appell an den Staatsanwalt und die Behörden von Georgia. Sollten diese einen Todeskandidaten hinrichten, an dessen Schuld es "ernsthafte Zweifel" gebe, würden sie einen "nicht wieder gut zu machenden Fehler" begehen, erklärte das Außenministerium in Paris.

Davis Hinrichtung war bereits drei Mal verschoben worden. Im August 2009 hatte der Oberste Gerichtshof der USA ein Bundesgericht beauftragt, den Fall neu aufzurollen. Obwohl sieben der neun Zeugen ihre Aussagen gegen Davis zurückzogen, bestätigte das Gericht in Savannah im August 2010 das Todesurteil. Ende März 2011 scheiterte Davis mit einem letzten Berufungsversuch vor dem Obersten Gerichtshof, der einen Antrag zur Wiederaufnahme des Verfahrens ablehnte.

Quelle: n-tv.de, AFP

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