Panorama

Bewegungsprofile im Corona-Kampf Google-Daten zeigen Stillstand der Welt

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In vielen Parks und an öffentlichen Plätzen herrscht in der Krise gähnende Leere.

(Foto: imago images/Emmanuele Contini)

Normalerweise nutzt Google anonyme Bewegungsdaten, um zu zeigen, wann Geschäfte besonders voll sind. Nun sollen die gleichen Daten Regierungen zeigen, wie leer ihre öffentlichen Orte sind, um so die Wirkung der Maßnahmen gegen das sich ausbreitende Coronavirus besser einschätzen zu können.

Google veröffentlicht in der Coronavirus-Krise eine Auswertung anonymisierter Bewegungsdaten. Das soll den Behörden zusätzliche Anhaltspunkte zum Verständnis der Verhaltenstrends liefern. In Deutschland wird auf Bundesland-Ebene gezeigt, wie sich die Zahl der Menschen etwa in Parks und Einkaufsläden sowie auf Bahnhöfen entwickelt hat. Dabei bekommt man nur eine prozentuale Veränderung insgesamt zu sehen, nicht aber die Entwicklung an einzelnen Orten.

Dabei werden die Zahlen für sechs grobe Kategorien des alltäglichen Lebens erfasst. In Deutschland zeigt sich der größte Rückgang an Bewegung im Bereich Einzelhandel und Unterhaltung, also Einkaufszentren, Kinos, Restaurants und ähnliche. Hier gingen die Aktivitäten gegenüber dem Vergleichszeitraum um 77 Prozent zurück, wobei Berlin mit einem Abfall von 83 Prozent noch deutlich stärker betroffen ist. Lebensmittelgeschäfte und Apotheken sind zwar weiterhin geöffnet, verzeichnen deutschlandweit aber dennoch 51 Prozent weniger Besuche.

Bremer und Hessen bleiben in Parks

Die immer wieder thematisierten Aufenthalte in öffentlichen Parkanlagen sind im ganzen Land um 49 Prozent zurückgegangen, hier weichen jedoch vor allem Bremen und Hessen mit nur 22 beziehungsweise 26 Prozent Rückgang deutlich ab. An Deutschlands Bahnhöfen, U-Bahn-, Bus- und sonstigen Nahverkehrshaltestellen bewegen sich zwei Drittel weniger Menschen als vor den Maßnahmen.

Und auch der Wegfall vieler Arbeitsplätze beziehungsweise die Umstellung vieler Menschen auf Homeoffice ist deutlich sichtbar. Aufenthalte am Arbeitsplatz gingen um 39 Prozent zurück, während die in den eigenen vier Wänden verbrachte Zeit um rund ein Zehntel zulegte.

*Datenschutz

International fallen die Konsequenzen in den europäischen Ländern mit frühen und drastischen Lockdown-Maßnahmen besonders gravierend aus. So verlieren Einzelhandel und Unterhaltung in Italien und Spanien jeweils 94 Prozent ihrer Besucher. In beiden Ländern gelten strenge Ausgangssperren, so steigt die zu Hause verbrachte Zeit um jeweils mehr als 20 Prozent. Gleichzeitig hält sich fast niemand mehr in Parks auf, die Bewegungen dort gehen um 90 beziehungsweise 89 Prozent zurück.

Ganz anders ist die Situation dagegen in Südkorea und Schweden. Beide Länder schlugen andere Strategien im Kampf gegen die Pandemie ein, als weite Teile der restlichen Welt. So gingen in Schweden die Bewegungen in Restaurants, Geschäften und Kinos um vergleichsweise geringe 24 Prozent zurück, in Südkorea sind es gar nur 19 Prozent. Außerdem verbringen die Schweden nur fünf Prozent mehr Zeit zu Hause, während die Südkoreaner ihren Aufenthaltsort komplett entgegen den internationalen Trends nach draußen zu verlegen scheinen: Die in öffentlichen Parks verbrachte Zeit stieg um ganze 51 Prozent.

Keine Daten für China

Die Briten hingegen, die ihre Maßnahmen später als zum Beispiel Deutschland ergriffen, bleiben nun deutlich öfter zu Hause (+15 Prozent). Einzelhandel und Unterhaltung verloren hier noch einmal deutlicher als in Deutschland um 85 Prozent. In den USA indes zeigt sich die Verlagerung deutlicher vom Arbeitsplatz (-38 Prozent) nach Hause (+12 Prozent), während beispielsweise die Werte für Lebensmittelgeschäfte nur um gut ein Fünftel sanken.

Mit der Zeit könnten die Daten auch auf tiefere regionale Ebenen heruntergebrochen werden, erklärte der Internet-Konzern zur Vorstellung des Plans. In den USA etwa sind die Trends bereits auf County-Ebene verfügbar. In China hingegen ist Google nicht aktiv, von dort liegen keine Daten vor.

Die Trends decken einen Zeitraum von mehreren Wochen ab, die jüngsten Daten sind 48 bis 72 Stunden alt. Die Daten sind für 131 Länder verfügbar. In Zukunft könnten mit den Daten möglicherweise auch Annahmen zur weiteren Entwicklung getroffen werden. Google greift für die Auswertung auf anonymisierte Daten von Nutzern zurück, die ihre Aufenthaltsorte in ihren Google-Profilen aufzeichnen lassen.

Quelle: ntv.de, mra/dpa